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freifunk.net - die Graswurzel-Revolution im Internet

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com
Rote Fahnen wehen, doch nicht auf Barrikaden. Der Protest ist virtuell, die Parole lautet: Internet für alle! Die eine Fraktion lässt sich unter dem Banner der Meinungsfreiheit in keinem Weblog mehr den Mund verbieten; die andere Fraktion geißelt den beschränkten Internetzugang als Menschenrechtsverletzung, eine Flatrate müsse her, breitbandig und am besten für lau.

freifunk.net gehört zu keiner dieser Fraktionen, sondern geht andere Wege. freifunk.net ist eine "Bewegung für freie, drahtlose Funknetze auf WLAN-Basis". freifunk.net ist auch eine politische Initiative, überparteilich und unabhängig, und schreibt deshalb keine Papiere für die Schublade, sondern will konkret "einzelne Funkinseln zu einem großen Gesamtnetzwerk verbinden - auf sozialer, technischer und materieller Ebene."

Die Vision

Fünf Freunde wohnen in einer Straße, jeder ist mit einem DSL-Anschluss und einem WLAN-Accesspoint ausgerüstet, ihr kleines WLAN-Netz deckt die gesamte Nachbarschaft ab. Sie spielen untereinander Multiplayer-Games, tauschen die neuesten Samples für ihr Bandprojekt und betreiben gemeinsam einen Webserver über Timmy, den Hund.

Eines Tages zieht eine neue Familie in die Straße - auch mit Hund. Von Timmys Besitzer erfährt man die URL im Vorbeigehen und befindet sich plötzlich inmitten einer Nachbarschafts-Community. Jetzt sind es sechs Freunde, die Band hat einen neuen Bassisten und die Eltern haben sich auch noch für ihre Aktivitäten im Schulbeirat online vernetzt. Das Netz im Kiez ist eine Verbindung im virtuellen wie im real life.

Demokratie wächst von unten

Nicht die Technik allein liegt freifunk.net am Herzen, sondern die Menschen, die sich mit Hilfe der Technik vernetzen. Weder Internet noch WLAN sind die Voraussetzung dafür, sondern "offene Netze". Jeder trägt das bei, was er kann. In solch einem Netz kann man sich auch mit inhaltlichen Beiträgen revanchieren, wenn der DSL-Anschluss mit Flatrate für das kleine Budget zu teuer ist - ein Rechner mit WLAN-Karte reicht ja schließlich. Jeder gibt, jeder nimmt.

Ein offenes Netz funktioniert natürlich nur, wenn man sich auf einen Minimalkonsens einigt. Das sind einheitliche Sicherheitsstandards, freifunk.net schlägt aber ein weitergehendes "Picopeering Aggreement" vor:

Picopeering Aggreement

1. Freier Transit
  • Der Eigentümer bestätigt, freien Transit über seine freie Netzwerkinfrastruktur anzubieten
  • Der Eigentümer bestätigt, die Daten, die seine freie Netzwerkinfrastruktur passieren, weder störend zu beeinträchtigen noch zu verändern.

  • 2. Offene Kommunikation
  • Der Eigentümer erklärt, alle Informationen zu veröffentlichen, die für die Verbindung mit seiner Netzwerkinfrastruktur notwendig sind.
  • Diese Information soll (muss?) unter einer freien Lizenz (free licence) veröffentlicht werden.
  • Der Eigentümer erklärt, erreichbar zu sein und wird dazu wenigstens eine E-Mail-Adresse bekanntgeben.

  • 3. Keine Garantie (Haftungsausschluss)
  • Es wird keinerlei garantierter Dienst (Betrieb, Service) vereinbart. (Es gibt keine Garantie für die Verfügbarkeit / Qualität des Dienstes.)
  • Der Dienst (Betrieb, Service) wird ohne Gewähr bereitgestellt, ohne Garantie oder Verpflichtung jedweder Art.
  • Der Dienst (Betrieb, Service) kann jeder Zeit ohne weitere Erklärung beschränkt oder eingestellt werden.

  • 4. Nutzungsbestimmungen
  • Der Eigentümer ist berechtigt, eine akzeptierbare Benutzungsrichtlinie (use policiy) zu formulieren.
  • Diese kann Informationen über zusätzlich (neben den grundsätzlich) angebotene Dienste enthalten.
  • Dem Eigentümer steht es frei, die Richtlinie selber zu formulieren, so lange diese nicht den Punkten 1 bis 3 dieser Vereinbarung widersprechen (siehe Punkt 5).

  • 5. Lokale (individuelle) Zusätze
  • Hier können vom Eigentümer selbst Ergänzungen zur Vertragsvereinbarung vorgenommen werden.

  • WLAN-Kapazitäten auf diese Weise zu teilen, ist sicherlich kein großes Problem. Wenn jedoch von zwei Nachbarn nur einer einen Internetzugang hat und in absehbarer Zeit die DSL-Anbieter nur noch nach Datenvolumen abrechnen, zahlt der eine für den anderen mit. Am Geld scheiden sich bekanntlich Freundschaften, denn dort hat fair use meist seine Grenze.

    Wer freifunk.net näher kennenlernen möchte, hat jederzeit im Internet die Möglichkeit, aber auch im Rahmen der freifunk.net Summer Convention am 12.-14. September in Berlin.

    (Peter Giesecke)

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