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Franzosen vergessen Flachbildschirmpatent

Konzerne aus Asien nutzten das Patent jahrelang weiträumig. Drei japanische Firmen zahlen dafür nun millionenschwere Entschädigungen.

04.05.2006, 13:08 Uhr
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Die Franzosen haben eine zukunftsträchtige Technik erfunden, aber ihre Nutzung jahrzehntelang verschlafen. Schon 1986 entwickelten Forscher des Atomenergiekommissariats (CEA) in Grenoble ein wichtiges Verfahren zum Bau von Flachbildschirmen, wie ein Berater der Behörde mitteilte. Sie ließen sich die Erfindung auch patentieren, in Frankreich fand sich jedoch kein Nutzer, weshalb die Technik in Vergessenheit geriet. Fast zwei Jahrzehnte später die Überraschung: Konzerne aus Asien nutzten das Patent jahrelang weiträumig. Drei japanische Firmen zahlen dafür nun millionenschwere Entschädigungen.
Bereits 1975 hatten die Franzosen im Zentrum für Telekommunikationsstudien (CNET) begonnen, sich mit Flachbildschirmtechnik zu beschäftigen. Ziel war ein neuer Monitor für den französischen Bildschirmtext Minitel. Versuche des CEA, französische Industriekonzerne für die Technik zu begeistern, scheiterten. Lediglich ein japanischer Hersteller von Spielhallen-Automaten kaufte eine Lizenz. 1992 wurde die Flachbildschirmforschung in Frankreich eingestellt.
Erst 2002 merkte das CEA, dass sein Patent von international tätigen Herstellern genutzt wurde. Ende 2005 sei zunächst eine gütliche Einigung mit den Konzernen Sanyo und Fujitsu geschlossen worden, sagte CEA-Berater Pierre Darier, der die erwarteten Lizenzgebühren auf "mehrere Millionen Dollar" bezifferte. Ende April sei auch eine Vereinbarung mit Sharp gelungen, die noch mehr bringen soll. Gegen drei weitere Hersteller aus Asien gehen die Franzosen nun juristisch vor. Für die Klagen war es höchste Zeit, denn das Patent hat nur eine Lebenszeit von 20 Jahren.

(Hayo Lücke)

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