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Frankreich will Raubkopierer offline stellen

Die Idee funktioniert wie beim Führerschein. Wenn Sie Unsinn mit Ihrem Auto machen, nimmt man Ihnen den Führerschein weg.

24.11.2007, 00:01 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Frankreich will Raubkopien aus dem Internet mit neuen Methoden den Garaus machen. Die Musik-, Film- und Fernsehwirtschaft, Internet-Anbieter sowie die Regierung in Paris vereinbarten, Raubkopierer härter zu verfolgen.
Eine neue Behörde
Demnach wird eine neue Behörde gegründet, die auf Verstöße im Internet-Verkehr aufmerksam machen soll. Wer Raubkopien herunterlädt, bekommt zunächst eine Warn-E-Mail. Reicht das nicht, wird Mehrfachtätern der Internet-Zugang vorübergehend abgestellt oder gleich ganz gekündigt. Im Gegenzug soll der Kopierschutz für Musikstücke und Filme abgeschafft werden.
Die Industrie versucht ihre Stücke bisher durch ein System digitaler Lizenzen (DRM) zu sichern. Diese Schutzmechanismen werden aber immer wieder von Raubkopierern geknackt und erweisen sich als weitgehend wirkungslos. Nach der französischen Vereinbarung sollen sie spätestens ein Jahr nach Einführung des neuen Systems abgeschafft werden. Denn mit der drohenden Abschaltung des Internet-Anschlusses soll der Markt der Endabnehmer von Raubkopien ausgetrocknet werden. Die Filtertechnik zum Aufspüren von illegalen Kopiervorgängen und deren Urheber sollen dabei die französischen Internet-Anbieter liefern.
"Wie beim Führerschein"
"Die Idee funktioniert wie beim Führerschein", sagte der Frankreich-Chef des Musikverlages Universal Music, Pascal Nègre. "Wenn Sie Unsinn mit Ihrem Auto machen, nimmt man Ihnen den Führerschein weg." Der französische Präsident Nicolas Sarkozy verwies bei der Unterzeichnung des Abkommens darauf, dass den Internet-Nutzern heute vielfach das Unrechtsbewusstsein fehle. Es gebe im Netz noch immer "mittelalterliche Verhaltensweisen", sagte er. Viele Internetkunden würden "unter dem Vorwand, dass es sich um digitale Kommunikation handelt, nach eigenem Ermessen Ladendiebstahl begehen". Die Vereinbarung sei deshalb ein "entscheidender Moment für die Einführung eines zivilisierten Internets".
Das sieht auch die Musikindustrie so: "Es handelt sich um die wichtigste Initiative im Kampf gegen die Online-Piraterie", erklärte der Internationale Verband der Phonographischen Wirtschaft (IFPI). Sarkozy habe in der Frage "Weitblick und Führungsqualität" bewiesen. Branchenvertreter in Frankreich erwarteten allerdings, dass die Regierung das für das neue System notwendige System erst nach den Kommunalwahlen im März verabschieden wird. Vor 2009 werde es voraussichtlich nicht voll funktionsfähig sein.

(Hayo Lücke)

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