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Frankreich testet die virtuelle Abschreckung

Auch nach dem Ende des Kalten Krieges setzt Frankreich auf die nukleare Abschreckung. Im Januar drohte Staatspräsident Jacques Chirac erstmals Terrorstaaten mit gezielten Atomschlägen.

07.09.2006, 17:16 Uhr
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Auch nach dem Ende des Kalten Krieges setzt Frankreich auf die nukleare Abschreckung. Im Januar drohte Staatspräsident Jacques Chirac erstmals Terrorstaaten mit gezielten Atomschlägen. Damit neue Waffen entwickelt werden können und die Abschreckungsdoktrin auch in Zukunft funktioniert, baut Frankreich nach dem Ende seiner Nukleartests vor zehn Jahren mit Milliardenaufwand eine riesige Simulationsmaschine für Atombomben.
200-300 Atomsprengköpfe
Frankreich verfügt nach Expertenschätzungen über 200 bis 300 Atomsprengköpfe, die von U-Booten, Flugzeugen oder Raketen abgeschossen werden können. Doch auch Atombomben halten nicht ewig. Spätestens nach 25 bis 30 Jahren müssen sie ersetzt werden. Auf Basis seiner insgesamt 210 Atomtests könnte Frankreich dieselben Waffen immer wieder bauen. Neue Materialien und veränderte Abschuss-Systeme könnten dann jedoch nicht berücksichtigt werden.
Um auch kleinere Bomben für durch Chirac angedrohte Atomschläge gegen "Machtzentren" von Terrorregimen zu entwickeln, hat die Regierung in Paris ein Simulationsprogramm beschlossen, das mehr als fünf Milliarden Euro kostet. Am Donnerstag besuchte Chirac den ersten Teil: Den Supercomputer Tera-10 bei Paris. Der leistungsstärkste Rechner in Europa wurde im Sommer vom französischen Bull-Konzern installiert und besteht aus 4352 Einzelprozessoren. In ihm können Atomexplosionen bisher aufgrund von Daten aus den echten Versuchsreihen simuliert werden.
Virtuelle Atomexplosion
Später sollen auch neu entwickelte Waffen so getestet werden. Um dafür notwendige Informationen zu erhalten, hat Frankreich zum einen den Röntgengenerator Airix gebaut. Mit dem 70 Meter langen Gerät, das in der Nähe von Reims steht, kann die Reaktion von in der Bombe verwendeten Materialien in der ersten Phase einer Atomexplosion simuliert werden, ohne dass spaltbares Material eingesetzt wird. Diese Daten sind notwendig, um sicherzustellen, dass in der Bombe der notwendige Druck aufgebaut wird, damit die Nuklearreaktion in Gang kommt.
Die Beobachtung vn thermonuklearen Explosionen soll ab 2009 im Megajoule-Laser (LMJ) möglich sein, der bei Bordeaux gebaut wird. Auf einer Länge von 300 Metern werden dort im Bruchteil einer Sekunde 240 Laser auf eine zwei Millimeter große Probe aus Deuterium und Tritium entladen. Die Wasserstoffisotope werden bei einer Temperatur von 50 Millionen Grad zu einer Nuklearfusion gezwungen. Es folgt eine Explosion, bei der das Zehnfache der eingesetzten Energiemenge austritt.

(Aleksandra Leon)

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