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Foto-Urgestein Kodak stellt Insolvenzantrag

Das Foto-Urgestein Kodak will sich mit der Flucht in ein Insolvenzverfahren retten. Unter dem Schutz vor den Gläubigern soll endlich der seit Jahren versuchte Umbau gelingen. Das heutige Kodak ist aber nur noch ein Schatten des einst glorreichen Weltkonzerns.

19.01.2012, 10:17 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Der Foto-Pionier Kodak hat nach einem langen Überlebenskampf einen Insolvenzantrag gestellt. Das US-Unternehmen wolle aber weiterarbeiten, hieß es in der Mitteilung am Donnerstag. Dafür sei eine Finanzierung von fast einer Milliarde Dollar vereinbart worden, die von der Großbank Citigroup zur Verfügung gestellt werden soll. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Konzerne mit Hilfe des Gläubigerschutzes sanieren. Eastman Kodak hatte einst die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern kam das US-Unternehmen jedoch nie klar.

Aus Spekulationen wird Gewissheit

Über eine Kodak-Insolvenz war bereits seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen. Das rund 130 Jahre alte Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte. Kodak sucht jetzt Schutz vor den Forderungen seiner Gläubiger nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Das Unternehmen beschäftigte laut Angaben zum Geschäftsjahr 2010 zuletzt 18.800 Mitarbeiter weltweit - vier Jahre zuvor waren es noch 40.900. Kodak ist seit 1896 über Tochterfirmen auch in Deutschland aktiv. Aktuell gibt es in Deutschland noch etwas über 1000 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Stuttgart mit etwa 380 Stellen. Die deutschen Gesellschaften sind zwar nicht Teil des US-Insolvenzverfahrens. Die Mitarbeiter machen sich jedoch Sorgen, sagte Betriebsratschef Wolfgang Eisele am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Am Kodak-Stammsitz in Stuttgart waren zu Hochzeiten einmal 4.500 Mitarbeiter beschäftigt. Dort wurden einst Projektoren, Kameras und Kopierer hergestellt.

Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war außerdem an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt und hält deswegen auch dort diverse grundlegende Patente. Allerdings verlor das Unternehmen in dem Bereich schnell den Anschluss an neue Konkurrenten. Der Siegeszug der Digitalfotografie warf schließlich das angestammte Kodak-Geschäft komplett durcheinander. Tragende Säulen wie der Fotofilm brachen praktisch komplett weg. Versuche, in neue Geschäftsbereiche wie Pharma zu gehen, schlugen fehl.

Zuversicht und geplante Patentverkäufe

Kodak-Chef Antonio Perez zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass Kodak unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens seinen Umbau erfolgreich abschließen könne. Dank der vereinbarten Finanzierung sollen auch die Mitarbeitergehälter gezahlt werden. Die 743 Millionen Dollar von der Citigroup müssen allerdings erst noch vom Insolvenzrichter freigegeben werden. Kodak setzte vor allem darauf, ein Paket aus rund 1.100 Patenten zu verkaufen, um sich das dringend benötigte frische Geld zu besorgen. Ein Deal kam jedoch trotz monatelanger Gespräche nicht zustande - auch weil mögliche Käufer Ärger wegen einer späteren Kodak-Insolvenz fürchteten. Jetzt könnten die Patente im Zuge des Insolvenzverfahrens den Besitzer wechseln.

Zuletzt hatte Kodak mit einer Serie von Patentklagen für Schlagzeilen gesorgt. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und Erzrivale Fujifilm verklagt. Nach Einschätzung von Experten versuchte Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren. Der Kurs der Kodak-Aktie war nach den Insolvenzgerüchten praktisch dahingeschmolzen. Die New Yorker Börse drohte bereits, das Papier aus dem Handel zu verbannen, weil der Kurs dauerhaft unter einem Dollar fest hing.

(Christian Wolf)

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