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"Focus": Über 1.000 Hackerangriffe aus China auf deutsche Bundesbehörden

Deutsche Behörden und Unternehmen geraten zunehmend ins Visier von chinesischen Hackern und Auslandsspionen. Laut "Spiegel" gab es unter anderem Hackerattacken auf EADS und ThyssenKrupp.

24.02.2013, 15:01 Uhr
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In den vergangenen Wochen sorgten Hackerangriffe auf US-Medienseiten wie das "Wall Street Journal" oder die "New York Times" für Aufsehen. Die Spuren der Hacker führen nach China. "Die Chinesen hacken uns immer noch", twittere Medientycoon Rupert Murdoch am 6. Februar. Und auch der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt greift China scharf an und bezeichnet das Riesenreich in seinem neuen Buch als mächtigste und gefährlichste Supermacht im digitalen Krieg. Doch auch Deutschland gerät offenbar zunehmend ins Visier der chinesischen Hacker. Verfassungsschützer warnen laut Nachrichtenmagazin "Focus" auch hierzulande vor der Spionage aus Asien.

Firmen werden Opfer von Wirtschaftsspionage

Alleine im vergangenen Jahr soll es demnach über 1.000 Hackerangriffe aus China auf Computer von deutschen Bundesbehörden gegeben haben. Das riesige Land mit einer Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern soll nach Schätzungen deutscher Geheimdienstler rund eine Million Chinesen hauptamtlich im Ministerium für Staatssicherheit beschäftigen.

Die chinesischen Spione würden im Ausland vor allem auf die Jagd nach lukrativen Informationen aus den Bereichen Rüstung, High-Tech und Wirtschaft gehen. Nach Angaben von Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, seien sich die betroffenen Firmen oft nicht bewusst, dass sie "Opfer von gezielter Wirtschaftsspionage" geworden sind.

Ein ungeheurer Verdacht: Von den in Deutschland lebenden rund 94.000 Chinesen kämen nach Ansicht von Spionage-Experten etwa 30.000 Personen für eine Anwerbung durch den chinesischen Geheimdienst in Frage. Auch unter den 26.000 chinesischen Studenten, die an deutschen Universitäten eingeschrieben sind, werden Informanten für China vermutet. Allerdings würde auf die Chinesen auch Druck aus der Heimat ausgeübt, eine Verweigerung der Mitarbeit sei entsprechend kaum möglich. "Niemand plündert so ungeniert im geistigen Eigentum anderer Länder wie China", erklärt Sandro Gaycken, IT-Sicherheitsexperte an der Freien Universität Berlin gegenüber dem "Focus". Die chinesischen Behörden duldeten Datenklau als Teil der Wirtschafsförderung.

"Spiegel": Hackerattacken auch auf EADS und ThyssenKrupp

Auch das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet über die im vergangenen Jahr fast 1.100 vom Verfassungsschutz registrierten Hackerattacken ausländischer Nachrichtendienste, die sich vor allem auf das Kanzleramt, das Auswärtige Amt und das Wirtschaftsministerium konzentriert hätten. Genutzt wurden dabei bevorzugt E-Mails mit einem im Anhang versteckten Trojaner.

Vor einigen Monaten soll zudem "eine bemerkenswerte" Attacke auf die Rechner des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS erfolgt sein. Der Vorgang sei nach Angaben aus Unternehmenskreisen von EADS auch der Bundesregierung gemeldet worden. Auch ThyssenKrupp beklagte Mitte 2012 Angriffe, die "massiv" waren und "eine besondere Qualität" hatten. Die Attacke sei zwar "lokal in den USA" erfolgt, doch die Adressen der Täter seien chinesisch. Genauere Erkenntnisse über mögliche Schäden bzw. was die Angreifer genau kopiert hatten, lagen nicht vor.

(Jörg Schamberg)

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