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Focus: Telekom-Vorstand Pauly gefeuert

Chef von T-Systems muss offenbar wegen Korruptionsvorwürfen vorzeitig seinen Platz räumen. Auch die miserable Geschäftsentwicklung von T-Systems soll eine Rolle spielen.

31.05.2007, 10:05 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Lothar Pauly, Chef des Geschäftskundenbereichs der Deutschen Telekom, T-Systems, muss seine Koffer packen. Das Telekom-Vorstandsmitglied wird nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" vor die Tür gesetzt. Gründe sollen Paulys Verstrickung in die Siemens-Affäre sowie miserable Geschäftsergebnisse bei T-Systems sein. Inzwischen wurde Paulys Ausscheiden von der Telekom offiziell bestätigt.
Pauly stark belastet
Pauly führt T-Systems seit Oktober 2005, nachdem er zuvor im Vorstand von Siemens Communications gearbeitet hatte. Er geriet in den zurückliegenden Monaten zunehmend unter Druck, weil die Staatsanwaltschaft München bei ihren Ermittlungen Dokumente entdeckte, die belegten, dass er entgegen seiner Beteuerungen sehr wohl von Bestechungsvorgängen der Siemens-Com-Sparte im Ausland wusste. Gegenüber Telekom-Chef René Obermann hatte Pauly nach Focus-Angaben stets gesagt: "Ich habe ein reines Gewissen, habe damit nichts zu tun."
Obermann hat nun offenbar die Reißleine gezogen – auch um sein eigenes Gesicht zu wahren. Außerdem könne er sich Pauly schlicht nicht mehr leisten. Ein Vorstand, gegen den wegen der möglichen Beteiligung an dem wohl größten Korruptionsskandal Deutschlands ermittelt wird, sei für den Telekom-Chef nicht länger tragbar. Aus informierten Aufsichtsratskreisen heiße es, Obermann zeige durch den vollzogenen Schritt nicht nur seinen Willen zur Führung des Konzerns, sondern auch Willen und Stärke – auch in Richtung der Streikenden von Verdi.
Schlechte Zahlen
Ein weiterer Grund für den Rausschmiss soll die miserable Entwicklung von T-Systems sein. In den zurückliegenden Monaten seien die Geschäftserlöse dramatisch gesunken, Neugeschäfte seien kaum noch abgeschlossen worden.
Wie es heißt, werde Pauly selbst seinen Rücktritt verkünden, um die Deutsche Telekom nicht weiter zu belasten. Der Druck sei aber aus der Führungsspitze in Bonn gekommen. T-Systems wird zunächst kommissarisch vom Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick geführt.

(Hayo Lücke)

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