News

Flugzeugabsturz: Lithium-Akkus als Feuerteufel?

Lithium ist ein hochreaktiver Stoff und ist in zahlreichen Akkus und Batterien enthalten. Die US-Flugsicherheitsbehörde bringt fehlerhafte Lithium-Akkus nun mit verschiedenen Vorfällen in Flugzeugen in Verbindung.

18.07.2006, 15:05 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

In den USA musste ein Flugzeug des Zustelldienstes UPS notlanden, weil es in Brand geraten war. Die US-Amerikanische Flugsicherheitsbehörde untersucht nun den Vorfall und hat einen ganz bestimmten Übeltäter im Visier: Lithium-Batterien, die sich von selbst entzündet haben.
Das National Transportation Safety Board, kurz NTSB, hat am vergangenen Mittwoch eine Untersuchung gestartet, um der Ursache des Brandes einer UPS-Frachtmaschine auf die Schliche zu kommen. Die DC-8 war am 8. Februar 2006 kurz nach Mitternacht im Flug in Brand geraten und musste in Philadelphia notlanden. Die Besatzung erlitt leichte Verletzungen, konnte den Flieger jedoch ohne Schwierigkeiten evakuieren und in die Hände des Löschdienstes übergeben. Die Maschine nahm allerdings beträchtlichen Schaden.
Brennt die Batterie, brennt das Flugzeug
Verantwortlich macht das NTSB die in vielen Lieferungen und Mobilgeräten enthaltenen Lithium-Ionen-Akkus. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in den Vereinigten Staaten. "Erst vor zwei Monaten begann in Chicago eine Laptop-Batterie zu qualmen, die im Gepäckfach über den Passagiersitzen verstaut war", sagte der NTSB-Unfall-Fahnder Frank Hilldrupp gegenüber der Nachrichten-Agentur Associated Press.
Ein Flugbegleiter war zwar in der Lage, das Feuer mit einem Feuerlöscher zu löschen und die Tasche aus dem Gepäckfach zu entfernen, später fing die Tasche, in der sich der Akku befand, jedoch noch einmal Feuer. "Es ist zwar noch nicht sicher, ob die Batterien tatsächlich eine Rolle bei den Feuern gespielt haben", so Hilldrup. Es ist jedoch für überaus wahrscheinlich befunden. Zahlreiche Vorfälle
1999 entzündete sich eine Ladung Lithium-Batterien am Flughafen von Los Angeles, als sie von einem Passagier abgeholt wurde. Auch in Memphis kam es 2004 zu einem Feuerunfall mit einer Ladung Lithium-haltiger Batterien, als sie in ein Flugzeug des Paketdienstes FedEx geladen wurde. Die Lufthansa ist bereits auf die Gefahr durch Lithium-Batterien aufmerksam geworden und verbietet in ihren AGB für Flüge mit dem Oldtimer JU-52 das Mitführen "gefährlicher Güter" am Körper oder im Handgepäck. Neben Explosivstoffen, Munition, Sprengstoff und Leuchtraketen sind dort auch Lithium-Batterien aufgeführt. In den AGB der Standard-Maschinen sind diese Punkte noch nicht zu finden.
Das hochreaktive Lithium in Lithium-Batterien und Lithium-Ionen-Akkus kann bei Beschädigung der Batterie einen Kurzschluss auslösen, durch den die Batterien im schlimmsten Fall in Flammen aufgehen können. Unangenehm ist insbesondere der Effekt, dass der Akku auf kleine Beschädigungen stark zeitverzögert reagiert. Besonders mit Wasser reagiert Lithium heftig, bei reinem Lithium reicht bereits die Luftfeuchtigkeit aus, um ein Feuer zu verursachen.
Es wird erwartet, dass die NTSB noch mehrere Monate brauchen wird, um die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Feuer-Unfällen in Flugzeugen und Lithium-haltigen Batterien und Akkus zu analysieren. Bis dahin sollten Fluggäste möglichst nur die nötigsten Batterien und Akkus mit an Bord nehmen, um Unfälle zu vermeiden.

(Christian Rentrop)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang