Trend zur Zusammenarbeit

Flächendeckender Glasfaserausbau nur per Kooperationen?

Und es geht doch: Statt gegeneinander arbeiten Provider in Deutschland immer häufiger zusammen beim Breitband- und Glasfaserausbau. Führende Branchenvertreter sehen Kooperationen denn auch als Lösung an, um die Netze besser auszulasten.

VertragsabschlussDie Branche setzt auf mehr Zusammenarbeit beim Ausbau schneller Netze in Deutschland.© FotolEdhar / Fotolia.com

Köln - Wie lässt sich der Breitbandausbau in Deutschland beschleunigen? Die Branche setzt dazu immer häufiger auf Kooperationen. Erst in dieser Woche hatten Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) und EWE (www.ewe.de) eine gegenseitige Netzöffnung angekündigt. Ende Juni teilte M-net (www.m-net.de) mit, dass das eigene Glasfasernetz für 1&1 (www.1und1.de/dsl) geöffnet werde. Auf mehr Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau setzten Anfang Juli auch hochrangige Vertreter diverser Provider bei einem Panel im Rahmen des Sommerfests des Glasfaserverbands BUGLAS. Ziel sei es, gemeinsam mehr Last auf die schnellen Netze zu bringen.

Open Access und Abbau von Regulierung

Jürgen Lück, Vice President Akquisition Breitband-Kooperationen bei der Telekom, betonte, dass Kooperationen für den Bonner Konzern einen hohen Stellenwert haben. So gebe es etwa Wholebuy-Vereinbarungen mit innogy und NetCologne (www.netcologne.de). Auch mit weiteren Partnern sollen künftig "neue Wertschöpfungsmodelle" aufgebaut werden. Bei den Vorleistungsverhandlungen im Rahmen von Kooperationen müsse man "auf Augenhöhe" miteinander sprechen. Ein Abbau von Regulierung wäre ein wichtiges Signal für die investierenden Netzbetreiber.

Uwe Nickl, Deutsche Glasfaser-Geschäftsführer, sprach sich für Open Access aus. Einen flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland werde es ohne Kooperationen nicht geben. 1&1-Chef Martin Witt hob die Bedeutung des Providers aus Montabaur hervor, wenn es darum gehe, zusätzliche Last auf die Netze zu bringen. Witt hält bei neuen Glasfasernetzen weniger Regulierung für machbar. Dennoch sei weiterhin eine Marktaufsicht erforderlich. Die zu zahlenden Entgelte sollten Kooperationspartner untereinander festlegen können. Hier sollten auch unterschiedlich hohe Vorleistungspreise in Stadt und Land berücksichtigt werden.

Kooperationen machen Netz-Investitionen schneller rentabler

Auch Michael Fränkle, Technikchef von M-net, wünscht sich für Glasfaser eine andere regulatorische Behandlung als bei Kupfer. "So wenig Regulierung wie möglich, so viel wie nötig", so Fränkle. NetCologne-Geschäftsführer und BUGLAS-Vizepräsident Timo von Lepel verwies darauf, dass Kooperationen Netz-Investitionen schneller rentabler machen würden. Mit kommunalen Partnern habe das Kölner Unternehmen bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Auf dem BUGLAS-Panel sprachen sich die Teilnehmer gegen einen Überbau von bestehenden Netzen aus. NetCologne-Chef von Lepel drängte zudem auf einen Konsens bei der Ausbauplanung.

Ziehen also die führenden Provider und regionale Anbieter bald gemeinsam an einem Strick und bringen den Ausbau von Highspeed-Netzen schneller voran? Trotz zunehmender Kooperationen: Der Breitbandmarkt in Deutschland dürfte weiter hart umkämpft bleiben. Und schnelle Internetzugänge werden wohl auch im von der Politik angepeilten Zieljahr 2018 für etliche Haushalte in Deutschland weiterhin nicht verfügbar sein.

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Jörg Schamberg

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