Handysoftware

Firmware-Updates: Frischekur für Smartphones

Neue Funktionen, längere Akkulaufzeiten und mehr Performance - ein Firmware-Update von Handy oder Smartphone verleiht selbst älteren Modellen neue Kräfte. Wir zeigen für neun populäre Hersteller, wie es geht und was dabei zu beachten ist.

23.10.2010, 13:01 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Neue Funktionen, längere Akkulaufzeiten und mehr Performance für fast jedes Mobiltelefon, völlig kostenfrei und in wenigen Minuten verfügbar: kaum jemand würde so ein Angebot wohl ernsthaft ausschlagen, solange es tatsächlich seriös ist. Gleichwohl passiert genau das jeden Tag – oftmals aus Unkenntnis. Denn obwohl die meisten Gerätehersteller seit Jahren sogenannte Firmware-Updates zur Verfügung stellen, die nicht nur die Leistungsfähigkeit von Handys oder Smartphones steigern, sondern auch ärgerliche Fehler ausmerzen, ist diese Möglichkeit zahlreichen Nutzern noch unbekannt. Andere wiederum trauen sich nicht, selbst an der Firmware ihres Telefons Veränderungen vorzunehmen. In der Regel ist das jedoch einfacher, als gedacht. Wir zeigen, was es zu beachten gilt.

Inhalt

Seite 1: Vor dem Update: Datensicherung
Seite 2: Apple, HTC, LG, Motorola, Nokia
Seite 3: Palm, BlackBerry, Samsung, Sony Ericsson

Wirrwarr der Systeme

Zugegeben: Völlig risikolos ist eine solche Aktualisierung nie. Wer aber bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beherzigt, vermeidet den sogenannten "Flash-Tod". Schließlich ist auch das schönste Handy und vielseitigste Smartphone mit defekter Firmware nicht mehr, als eine stumme Ansammlung elektronischer Bauteile. Erst das zentrale Betriebsprogramm erweckt die mobilen Alleskönner zum Leben. Im Smartphone-Bereich teilen sich mit iOS, Android, Symbian, BlackBerry OS und Windows Phone (ehemals Windows Mobile) hauptsächlich fünf Systeme den Markt. Bislang kaum von Bedeutung sind Exoten wie Samsungs Bada oder Palms WebOS. Bei den sogenannten Feature Phones, den normalen Handys zum Telefonieren, setzen die Hersteller zudem meist auf Firmware-Eigenentwicklungen oder verwenden ebenfalls eine der zahlreichen Symbian-Versionen. Zum Glück muss sich niemand zwingend in das Chaos der Systeme einarbeiten: Um das richtige Update zu finden, ist allein die Modellbezeichnung des Telefons entscheidend.

Ob eine neue Firmware verfügbar ist, wird dabei nicht allein durch den Hersteller bestimmt. Auch die Netzbetreiber spielen hier eine Rolle, denn sie entscheiden zumindest bei sogenannten Branding-Geräten, ob und wann ein bereitgestelltes Update an den Endkunden ausgeliefert wird. Mancher Handy-Produzent hat zudem ebenfalls seine Eigenheiten: Nokia beispielsweise staffelt die Auslieferung neuer Telefonsoftware generell nach Produktnummern. Mitunter dauert es daher mehrere Monate, bis alle Exemplare eines Modells versorgt werden.

Vor dem Update: Datensicherung

Bevor die Suche nach der aktuellsten Firmware-Variante schließlich startet, empfiehlt sich eine Sicherung der wichtigsten Telefoninhalte auf dem heimischen PC. So lassen sich Kontakte, SMS, Bilder oder andere persönliche Daten nach dem Update bei Bedarf wieder auf Handy oder Smartphone übertragen. Zwar bleiben die meisten Inhalte auch während eines Updates erhalten - wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, sollte diesen Schritt nicht überspringen. Viele Hersteller stellen dafür eine sogenannte PC-Suite zur Verfügung, die dem Gerät entweder auf CD beiliegt oder auf der jeweiligen Homepage kostenfrei heruntergeladen werden kann. Ein Sonderfall ist Motorola: Das US-Unternehmen gibt seine Phone Tools bei Verlust der Original-CD nur gegen Bares ab - dann allerdings immerhin mit USB-Datenkabel.

Deutlich komfortabler ist die Situation für Smartphones mit Windows Mobile - zumindest mit einem Windows-PC. Hier stellt Microsoft ergänzend zwei entsprechende Gratis-Programme zum Download bereit: ActiveSync sowie das Windows Mobile Gerätecenter. Alternativ lassen sich häufig aber auch universelle Freeware-Programme nutzen – zum Beispiel MyPhoneExplorer für Sony Ericsson und Android-Handys. In bestimmten Fällen kann sich zudem ein Kauf von Drittanbieter-Software wie SyncMate oder Missing Sync lohnen. Windows-Mobile-Nutzern etwa, die ihr Smartphone mit einem Mac synchronisieren wollen, bleibt kaum ein anderer Ausweg. Auch HTC geizt bislang mit Sync-Software für Mac OS X. Linux-Fans sind ohnehin generell auf die Initiative der Open-Source-Gemeinde angewiesen, wollen sie nicht temporär auf ein anderes System wechseln. Ein bekanntes Gratis-Tool aus diesem Bereich ist OpenSync.

In der nachfolgenden Tabelle sind entsprechende Programme der populärsten Hersteller zusammengefasst.

Weiter auf Seite 2: Firmware-Updates für Apple, HTC, LG, Motorola und Nokia

Im nächsten Schritt folgt das eigentliche Update. Einfache Handys müssen dafür in der Regel per Datenkabel mit einem Computer verbunden werden, der über Internetanschluss und die entsprechende Software des Herstellers verfügt; die webaffinen Smartphones sind hingegen nicht zwingend auf diesen Weg festgelegt.

Während des Updates: Stromzufuhr sichern

Viele der neuen Multimedia-Handys erlauben zusätzlich sogenannte OTA-Updates. OTA steht für Over The Air und meint die direkte Aktualisierung der Firmware über mobiles Internet. Ein PC ist in diesem Fall überflüssig; initiiert wird der Update-Vorgang über das entsprechende Menü auf dem Mobiltelefon - zu finden meist in den Geräte-Einstellungen. Doch derlei Bequemlichkeit hat allerdings ihren Preis: ohne Flatrate stehen schnell einige Euro zusätzlich auf der nächsten Mobilfunkrechnung. Manches Smartphone lässt sich gar nur noch auf diese Weise auffrischen. Ein guter Kompromiss ist daher - soweit unterstützt - die Nutzung eines vorhandenen WLAN-Netzes.

Einige Hersteller - etwa Nokia oder Samsung - bieten darüber hinaus die Möglichkeit, Firmware-Updates innerhalb der Garantiezeit auch in einem örtlichen Service-Center kostenfrei durchführen zu lassen. Entsprechende Adressen finden sich auf den jeweiligen Homepages. Wer hingegen lieber selbst Hand anlegen will, sollte noch sicherstellen, dass der Telefon-Akku nicht auf den letzten Balken pfeift und gegebenenfalls lieber gleich das Ladegerät anschließen: Wird während des Update-Prozesses die Stromzufuhr unterbrochen, ist das Gerät in vielen Fällen erst einmal unbrauchbar. Sonstige herstellerspezifische Sicherheitshinweise sind daher ebenfalls unbedingt zu beachten.

Apple

Wenig überraschend setzt Apple auch bei Updates des iPhone-Betriebssystems iOS auf die hauseigene Software iTunes, die bei den meisten Nutzern des Smartphones ohnehin bereits installiert ist. OTA-Updates sind hingegen nicht vorgesehen. Steht eine neue iOS-Version zur Verfügung, wird der Nutzer automatisch informiert. Alle weiteren Schritte sind selbsterklärend. Im Vorfeld kann ein Backup des Telefons angelegt werden, das sich bei Fehlern wieder einspielen lässt. Das berüchtigte "Totflashen" kennen iPhone-Besitzer daher meist ausschließlich vom Hörensagen.

HTC

Erste Anlaufstelle bei HTC ist die Support-Seite des Unternehmens. Die letzten Firmware-Aktualisierungen werden hier inklusive Installationshinweisen angezeigt - leider nicht sehr übersichtlich und teilweise in Englisch. Über ein Auswahlmenü lassen sich verfügbare Downloads aber auf das eigene Smartphone eingrenzen. Während Modelle mit Windows Mobile dabei über den PC versorgt werden, verteilt HTC neue Android-Versionen ausschließlich Over The Air.

LG

LG liefert den Großteil aller Firmware-Updates ausschließlich über das Support-Tool Mobile Updater aus. Ohne PC mit Windows-Betriebssystem (Windows 2000, XP, Vista oder 7) und Datenkabel geht hier nichts. Eine bebilderte Kurzanleitung sowie wahlweise ein ausführlicheres Video-Tutorial auf der Homepage zeigen die notwendigen Schritte. Lediglich einige neuere Android-Smartphones erhalten ihre Frischzellenkur automatisch per OTA-Download.

Motorola

Motorola verteilt neue Firmware über ein Update-Tool, das auf der Hersteller-Homepage zur Verfügung steht. Dieses ist allerdings ausschließlich für Windows-PCs erhältlich. Die Software leitet durch den gesamten Aktualisierungsprozess und lädt die benötigten Dateien automatisch herunter. Die Installation auf Handy oder Smartphone erfolgt im Anschluss per USB-Datenkabel.

Nokia

Auch Nokia setzt mit dem Nokia Software Updater bei den meisten Modellen auf eine Aktualisierung via PC und Datenkabel - Windows XP, Vista oder 7 vorausgesetzt. Das Programm erkennt automatisch das angeschlossene Gerät, sucht online nach verfügbaren Firmware-Updates und übernimmt die Installation. Alternativ lässt sich aber ebenfalls die Ovi Suite nutzen. Neuere Smartphones der Finnen können zudem per direktem OTA-Update über mobiles Internet auf den letzten Stand gebracht werden. Tipp: Eine Übersicht zu allen Firmware-Neuerungen findet sich in der englischsprachigen Sektion Software Update News auf der Nokia-Homepage.

Weiter auf Seite 3: Firmware-Updates für Palm, BlackBerry, Samsung und Sony Ericsson

Palm

Palm hat den Updatevorgang seiner neuen Smartphone-Serien fast vollständig automatisiert. Die Aktualisierung über den PC ist daher älteren Palm-Modellen vorbehalten. Mobiltelefone mit webOS sind hingegen zwingend auf mobiles Internet oder einen WLAN-Internetzugang angewiesen. Steht ein Update zur Verfügung, meldet das Gerät die neue Version und startet im Hintergrund den Download. Nachdem die Datei heruntergeladen wurde, wird der Nutzer gefragt, wann die Installation beginnen soll. Reagiert er nicht innerhalb weniger Minuten, wird sie selbstständig in Gang gesetzt.

RIM / BlackBerry

Eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet BlackBerry-Produzent Research in Motion (RIM). Die klassische Variante führt per Datenkabel über die BlackBerry Desktop Software - im Gegensatz zur Konkurrenz sogar auf Mac und Windows-PC. Auf Wunsch lässt sich der Aktualisierungsprozess unter Windows aber auch auf der BlackBerry-Homepage im Browser durchführen. Unterstützt werden Firefox und Internet Explorer. Neuere Smartphone-Modelle können Updates zudem ohne Umwege über den OTA-Service empfangen.

Samsung

Samsung verlässt sich in Update-Fragen weitgehend auf seine Software-Tools New PC Studio und Kies. Beide Programme laufen ausschließlich auf Windows-PCs und suchen bei Bedarf online nach neuen Firmware-Versionen. Die Installation erfolgt per USB-Datenkabel. Bei neuen Geräten mit Bada-Betriebssystem kann die Firmware zudem auch Over The Air aktualisiert werden. Für Android-Smartphones bietet Samsung diese Möglichkeit hingegen kurioserweise bislang nicht an.

Sony Ericsson

Sony Ericsson stellt für die Aktualisierung seiner Geräte ebenfalls ein spezielles Online-Tool für den heimischen Windows-PC zur Verfügung. Mit dem Update Service lassen sich sämtliche Modelle des japanisch-schwedischen Herstellers per Datenkabeltransfer mit neuen Firmware-Versionen ausstatten. Für neue Modelle lässt sich auch das Programm PC Companion nutzen. Darüber hinaus verfügen nicht nur aktuelle Android-Smartphones, sondern ebenfalls viele ältere Handys über OTA-Funktionalität. Mit dem sogenannten Remote Update Service sind diese in der Lage, Firmware-Updates direkt über mobiles Internet zu beziehen.

Nach dem Update: Falls doch etwas schief gegangen ist

In der Regel verfügen Handy und Smartphone nach wenigen Minuten über die aktuellste Firmware. Schlägt das Update hingegen fehl oder wird unterbrochen, lässt sich das Mobiltelefon oft nur noch mit fremder Hilfe reaktivieren. Viele Komplikationen haben ihre Ursache in Software-Abstürzen und Treiberproblemen, aber auch Anwenderfehler treten immer wieder auf.

Vergleichsweise unkritisch sind OTA-Updates, da eine direkte Installation auf dem Gerät ohne Zwischenschritte erfolgt. In den meisten Fällen dient allerdings der Computer als Aktualisierungsplattform - und zusätzliche Fehlerquelle. Geht dabei etwas schief, wird das Mobiltelefon meist nicht mehr vom Betriebssystem erkannt. Eine Kontaktaufnahme mit dem Hersteller ist dann unvermeidbar. Entsprechende Telefonnummern und Ansprechpartner finden sich auf den Homepages meist unter dem Menüpunkt "Support".

Einige Unternehmen verfügen zudem über örtliche Service-Center, die zahlreiche Probleme direkt beheben können. Kostenlose Hilfe gibt es meist aber nur während der Garantiezeit. Muss ein Gerät zudem eingeschickt werden, sind Wartezeiten von mehreren Wochen nicht ungewöhnlich.

(Christian Wolf)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang