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"Filesharing ist illegal!" - AOL warnt Filesharer

Auf postalischem Weg erreicht AOL-Kunden in diesen Tagen eine Information, in der darauf hingewiesen wird, dass Filesharing illegal sei. AOL will nach eigenen Angaben "sensibilisieren".

27.06.2006, 12:09 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

"Filesharing ist illegal!" - jedenfalls in den Augen von AOL. In einer aktuellen Kundeninformation warnt der Hamburger Provider vermutlich einen bestimmten Teil seiner Kunden vor digitalem Datentausch.
Vom Jäger zum Gejagten
AOL hat DSL-Kunden auf postalischem Weg vor illegalem Filesharing gewarnt. Der Internetprovider klärt in dem Schreiben darüber auf, dass "Musik- und Filmindustrie sowie die Strafverfolgungsbehörden" derzeit "vermehrt gegen Internetnutzer vorgehen, die sich widerrechtlich Copyright geschützte" Dateien aller Art aus dem Internet herunterladen. Folglich sei AOL dazu verpflichtet, "auf Antrag der Ermittlungsbehörden die Daten verdächtiger Nutzer herauszugeben".
Datentauscher kriminalisiert?
Es scheint, als würde AOL alle Filesharer pauschal kriminalisieren. Nicht ganz korrekt - sogar große Hollywood-Filmstudios haben die ressourcesparende Möglichkeit der Datenverbreitung für sich entdeckt. Fakt ist: Filesharing ist nicht illegal. Ein Gesetzesverstoß wird erst dann begangen, wenn ein Copyright gebrochen wird. Darauf weist aber auch AOL zu Beginn des Briefes hin.
AOL will aufklären
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte ein AOL-Sprecher, bei dem Schreiben handele es sich um eine "allgemeine Kundeninformation", die aktuell zu reinen Informationszwecken an DSL-Kunden verschickt werde. Auf Grund der jüngsten Razzien gegen Peer-2-Peer-Nutzer - unter anderem auch in Deutschland - habe man sich bei AOL dazu entschlossen, die eigenen Kunden mit einem Schreiben über das teils unrechte Nutzen von Tauschbörsen zu informieren. AOL wolle das Bewusstsein sensibilisieren, dass der Tausch von urheberrechtlich geschützten Inhalten nicht gestattet ist.
Ein Blick in einschlägige Foren zeigt, dass AOL offensichtlich nicht alle DSL-Kunden mit dem informellen Schreiben bedacht hat. Branchenkenner gehen davon aus, dass nur ein ausgewählter Kundenkreis Post von AOL im Briefkasten finden dürfte. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Musik- und Filmindustrie verstärkt Druck auf die Internetprovider ausübt, um den illegalen Tausch von urheberrechtlich geschützten Inhalten über Tausch-Netzwerke einzudämmen. AOL mochte auf Anfrage keine Angaben dazu machen, wie viele Kunden das Schreiben erhalten haben und ob es tatsächlich nur an ausgewählte Personen geschickt wurde.
Angesprochen auf die Frage, ob AOL Nutzungsdaten von Flatrate-Kunden speichere heißt es bei dem Provider, dass nur die Daten gespeichert würden, die nach deutschen Datenschutzrichtlinien gespeichert werden dürfen. In konkreten Verdachtsfällen - nicht nur bezogen auf Urheberrechtsverletzungen - werde aber eng mit den ermittelnden Behörden zusammengearbeitet.

(Michael Müller und Hayo Lücke)

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