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Fastpath und Interleaving: Erklärung und Stellungnahme eines DSL Experten

Tastatur© peshkova / Fotolia.com

In den letzten Monaten ist Fastpath und Interleaving bei den ADSL Kunden in Deutschland immer mehr zu einem heißen Diskussionsthema geworden. Besonders die Telekom musste sich der öffentlichen Kritik aussetzen, da es nach deren Aussagen nicht möglich sei, Fastpath für ihr ADSL Angebot T-DSL zu schalten. Dabei waren die offiziellen Stellungnahmen der Telekom aber meistens nur sehr verwirrend und zweifelhaft.

Aus diesem Anlass haben wir ein Interview mit Robert Schlabbach, DSL Experte und Programmierer der sehr bekannten PPPoE-Treiberlösung RASPPPOE, geführt. Lesen Sie im 1. Teil des Interviews alles über Fastpath und Interleaving und was von den Stellungnahmen der Telekom zu halten ist.

Onlinekosten.de: Herr Schlabbach, die Begriffe Fastpath und Interleaving sind in letzter Zeit sehr stark im Gespräch, besonders in Bezug auf das ADSL Angebot der Telekom. Können Sie kurz für unsere Leser erläutern, worum es sich bei Interleaving und Fastpath überhaupt handelt ?
Robert Schlabbach: "Die Datenübertragung über ADSL wird grundsätzlich durch eine sogenannte Vorwärtsfehlerkorrektur gesichert. Dabei werden den Datenbits vor der Übertragung weitere Bits hinzugefügt, anhand derer nach der Übertragung bis zu einer bestimmten Anzahl falsch übertragene Bits erkannt und bis zu einer kleineren Anzahl fehlerhafter Bits sogar korrigiert werden können. Dieses Verfahren wird auf jeden Fall angewendet.

Nun treten in der Kommunikationstechnik Bitfehler typischerweise aber nicht als "gleichmässiges Rauschen", sondern vielmehr in Form von Störimpulsen, sogenannten "Bursts", auf, bei denen mehrere aufeinanderfolgende Bits verändert werden. Wenn ein solcher Burst zuviele Bits innerhalb eines Datenblocks verändert, ist es dem Empfänger nicht mehr möglich, den Fehler zu korrigieren. Um dem zu entgegnen, kann man das "Interleaving"-Verfahren anwenden. Dabei werden die Datenbits einer variablen Anzahl aufeinanderfolgender Datenblöcke ineinander verschachtelt (variabel mit der sogenannten "Interleaving-Tiefe"). Wenn dann ein Burst mehrere Datenbits hintereinander verändert, verteilen sich die Bitfehler auf mehrere Datenblöcke, sodaß die Bitfehlerzahl pro Datenblock geringer ist, wodurch die Möglichkeit einer erfolgreichen Fehlerkorrektur beim Empfänger wahrscheinlicher wird.

Das Interleaving-Verfahren hat allerdings einen Nachteil: Dadurch, daß ein Datenblock bei der Verschachtelung "auseinandergezogen" wird, dauert es länger, bis ein Datenblock vollständig übertragen ist. Damit hat die Datenübertragung mit Interleaving eine höhere Latenzzeit als ohne Interleaving. Die Daten werden zwar mit gleicher Geschwindigkeit übertragen, aber bei einer Anforderung dauert es länger, bis die Datenübertragung beginnt. Je höher die Interleaving-Tiefe ist, desto länger wird die Antwortzeit.


Im ANSI-Standard für ADSL sind daher zwei Übertragungspfade vorgesehen: Der "Fast Path" für Anwendungen, bei denen eine niedrige Latenzzeit besonders wichtig ist und der "Interleaved Path" für Anwendungen, bei denen eine möglichst hohe Störsicherheit wichtiger ist. Fast Path und Interleaved Path unterscheiden sich nur dadurch, daß bei dem letzteren Interleaving angewendet wird, bei dem ersteren hingegen nicht."

Onlinekosten.de: Warum ist das öffentliche Interesse an Fastpath überhaupt so groß und für wen ist Fastpath interessant ?
Robert Schlabbach:
"Was, wenn nicht Internet über ADSL, sollte eine Anwendung sein, für die der Fast Path vorgesehen ist? Meiner Auffassung nach ist Internet genau DIE Anwendung für Fast Path - durch die "Interaktivität" fallen die Latenzzeiten ins Gewicht, und das Internet ist ohnehin stets "verlustbehaftet", so daß eine geringere Störsicherheit auf der ADSL-Strecke problemlos vom fehlertoleranten TCP/IP-Protokoll aufgefangen wird. Der Interleaved Path ist hingegen für Anwendungen mit geringer Interaktivität geeignet, insbesondere welche, bei denen keine Neuanforderung verlorengegangener Datenpakete möglich ist - beispielsweise Video-streaming aus "sicherer" Quelle, die garantiert die Bilddaten liefert, weil ein fehlendes Datenpaket zu kurzzeitigen Bildaussetzern führen könnte. Nur - das Internet kann grundsätzliche KEINE sichere Datenquelle sein, da gehen prinzipbedingt immer mal wieder Datenpakete verloren, Bildaussetzer sind also unvermeidlich. Deshalb ergibt es meiner Meinung nach keinen Sinn, den Zugang zu einem verlustbehafteten, interaktiven Netz wie dem Internet mit Interleaving, einer Massnahme zur Minimierung der Paketverluste auf Kosten der Leistung bei interaktiven Anwendungen, zu betreiben.

Wie groß der Unterschied zwischen Interleaved Path und Fast Path ist, hängt davon ab, was man im Internet macht. Bei wenig interaktiven Anwendungen wie langen Downloads gibt es praktisch keinen Unterschied. Aber schon beim Abruf von Webseiten mit vielen Elementen gibt es ein "Gewitter" von Anfragen und Antworten, die jeweils um die Latenzzeit verzögert werden - komplexe Webseiten können dann schon ein paar Sekunden länger zum Aufbau benötigen. Für "Telearbeiter", die mit Telnet, X-Windows oder Terminal Server auf entfernten Rechnern arbeiten, fällt die Latenzzeit ebenfalls ins Gewicht. Und am wichtigsten ist die Latenzzeit wohl für Online-Spieler von Actiontiteln, bei denen ein paar Millisekunden schon den Unterschied zwischen Punktgewinn und -verlust ausmachen können."

Onlinekosten.de: Was ist von den Stellungnahmen der Telekom zu halten ? Es wird ja zum Beispiel immer wieder die Aussage gemacht, dass man ohne Interleaving keine fehlerfreien Downloads mehr garantieren kann. Arcor und Mobilcom hingegen scheinen ohne Interleaving auszukommen. Auch eine Beeinträchtigung der Performance durch Fastpath wird häufig genannt.
Robert Schlabbach: "Das T-Online-Team im Usenet verbreitete zunächst die Behauptung, die Telekom würde bei der Einrichtung eines DSL-Anschlusses die Interleaving-Tiefe individuell auf den Anschluss optimieren. Inzwischen musste das Team aber eingestehen, daß die Interleaving-Tiefe bei der eingesetzten Technik nur pro DSLAM (Schaltschrank in der Vermittlungsstelle mit 92 bis 224 DSL-Anschlüssen) einstellbar ist, wodurch eine individuelle Optimierung der Interleaving-Tiefe technisch also nie möglich war.

Inzwischen hat das T-Online-Team diese Behauptung zurückgenommen, beharrt aber weiterhin darauf, daß eine Umkonfiguration auf Fast Path sich ungünstig auf die Geschwindigkeit bei Downloads auswirken könnte, wenn auf der ADSL-Strecke Datenpakete verlorengehen, die dann neu angefordert werden müssen. Von den wenigen Kunden, die sich erfolgreich auf Fast Path umkonfigurieren lassen konnten berichtete jedoch kein einziger von irgendwelchen Geschwindigkeitseinbussen, noch von messbaren Paketverlusten auf der ADSL-Strecke.

In Telekom-Standardbriefen wurde dann behauptet, mit der Einstellung Fast Path seien zuverlässige Downloads "unmöglich". Auch diese Behauptung hielt nicht stand, gibt es doch einige Kunden, bei denen die Telekom Fast Path konfiguriert hatte, die keinerlei Nachteile gegenüber dem Interleaved Path feststellen konnten. Einzelne Telekom-Techniker behaupteten sogar, der Fast Path wäre rechtlich nicht zulässig, weil Interleaving ein Verfahren zur Verschlüsselung darstelle. Das ist völliger Unsinn.

Eine Begründung mit technischen Argumenten muss ja schon daran scheitern, das Konkurrenzanbieter ihre DSL-Anschlüsse standardmässig auf Fast Path konfigurieren und damit offensichtlich keinerlei technische Probleme haben. Der wahre Grund, warum die Telekom den Kunden die Umkonfiguration auf Fast Path verweigert, ist mir nicht bekannt.

Was den Kunden angeht, der nach einem für die Anwendung Internet optimierten DSL-Anschluss strebt, gibt die aktuelle Standardantwort des T-Online-Teams vielleicht einen versteckten Hinweis: Dort heisst es, dem Wunsch nach Fast Path "kann von der Deutschen Telekom nicht entsprochen werden", wobei die Betonung möglicherweise auf "von der Deutschen Telekom" liegen sollte..."

Onlinekosten.de: In letzter Zeit gibt es immer wieder Gerüchte, dass die Telekom das momentan ja angeblich nicht umsetzbare Fastpath bald als zusätzliches Feature vermarkten will. Was ist davon zu halten ?
Robert Schlabbach: "Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Nachdem die Telekom Fast Path monatelang als "unsicheres" Übertragungsverfahren verunglimpft hat, würde sie in Erklärungsnöte geraten, warum diese unsichere Übertragung plötzlich einen zu bezahlenden Mehrwert darstellen sollte. Möglicherweise stellt die Telekom ja irgendwann einmal alle Anschlüsse ohne Vorankündigung auf Fast Path um - oder auf Interleaved Path. Oder sie handelt nach dem Prinzip "never touch a running system" und es bleibt dabei, daß manche Kunden Fast Path T-DSL haben, andere nicht, und wer es nicht hat, kann es auch nicht bekommen."

Den zweiten Teil des Interviews mit weiteren Informationen zu alternativen Übertragungsarten und RasPPPoE können Sie morgen auf Onlinekosten.de lesen.

(Thomas Linke)

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