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Farmville statt Ballern: Frauen melken lieber Kühe

Raus aus der Nische, rein ins Leben: Computerspiele sind längst mitten unter uns. Auch Frauen "daddeln" – aber anders. Rosige Zeiten für Hersteller - und die Ausrichter der Gamer-Messe "Gamescom", die am Mittwoch in Köln beginnt.

22.08.2010, 09:01 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Computerspiele sind was für blasse, junge Männer, die sich vor der Wirklichkeit in virtuellen Welten verkriechen. Wenn das je zutraf, so ist es heute wohl Geschichte. Männer haben mit 32 Prozent nur noch geringfügig die Nase vorn. Auch 27 Prozent der Frauen begeistern sich für Computerspiele – allerdings für andere Genres. Das geht aus einer Aris-Meinungsumfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom hervor.

Kräutergarten statt Ballerspiel

Egoshooter und Co. sind vielen Spielerinnen zu brutal. Sie tauchen lieber in virtuelle Welten ab und nehmen dort die Führung an sich: 13 Prozent der Frauen und nur 5 Prozent der Männer verbringen ihre Freizeit im Leben der Sims oder in Second Life. Und 10 Prozent der Frauen, aber nur 6 Prozent der Männer tummeln sich in Social Games wie der Facebook-Applikation Farmville, melken dort virtuelle Kühe oder pflegen ihren Kräutergarten in Monster World.

In Social Games geht es eben nicht darum, eine Armee unter möglichst viel Blutvergießen zum Sieg zu führen. Bei Farmville beispielsweise bauen die Spieler einen Bauernhof auf, schenken sich gegenseitig Tierfutter oder kaufen auf dem Dorfmarkt ein. Das Ganze ist mit viel Kommunikation verbunden. Ein Konzept, das die Spielerinnen lockt: Wie "Welt online" berichtet, sind zwei Drittel der Social Games-Nutzer Frauen.

Social Games machen Millionenumsatz

Natürlich haben auch hier die Anbieter wie Zynga, Playdom und Co das Geldverdienen im Blick. Wer einen schöneren Garten haben oder schneller vorankommen will, kann sogenannte "virtuelle Güter" kaufen und den Spaßfaktor erhöhen. Offenbar eine erfolgreiche Geschäftsidee: Obwohl die meisten Spieler kein Geld ausgeben wollen, tun sie es in der Masse dann doch. Ergebnis: Obwohl erst seit kurzem auf dem Markt, werden viele Anbieter Bitkom zufolge bereits mit mehreren hundert Millionen Euro bewertet. Farmville-Mutter Zynga nimmt laut "New York Times" pro Jahr bereits 250 Millionen Dollar ein.

Achillesferse Datenschutz

Aber wo der Erfolg an die Tür klopft, sind die Kritiker oft nicht weit. Farmville wird beispielsweise ein laxer Umgang mit Datenschutz vorgeworfen. Außerdem sei die Zahlweise über 0900er Nummer und Premium-SMS riskant für Kinder, die sich ebenfalls in der Spielwelt vergnügen und schnell auf großen Geldbeträgen sitzenbleiben. Verbraucherschützer empfehlen daher, per Kreditkarte oder PaySafeCArd zu bezahlen.

Aber nicht nur bei den Frauen ist der Trend zum "Daddeln" relativ neu. Inzwischen haben die unterschiedlichsten Spielvarianten die Rechner aller Generationen erobert. Zwar stellen die Teenager noch immer die Hauptspieler-Fraktion. Aber fast 30 Prozent der 40- bis 49jährigen zocken gern mal das ein oder andere Spielchen von Solitär bis World of Warcraft– und jeder Sechste zwischen 50 und 59 nicht minder, so die Aris-Umfrage.

Das Computerspiel ist also längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Ausrichter der Spielemesse "Gamescom" in Köln wird's freuen.

(Dorothee Monreal)

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