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Fanslave.de: Reich durch klicken - kauf dir Fans

Werbung mit Facebook liegt im Trend. Und warum auf Fans warten, wenn man sie auch "kaufen" kann? eBay und fanslave.de laden zum "Like It"-Shoppen mit Fan-Bündeln zum Schnäppchenpreis. Nicht jeder hält das für legal.

16.08.2011, 13:58 Uhr
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Sklaven gibt's nicht mehr. Zumindest in Europa - und das seit dem 19. Jahrhundert. Aber weit gefehlt: Im Internet sind Menschen noch frei käuflich. Nicht aus Fleisch und Blut, aber als Facebook Fans. Auf fanslave.de (engl.: Slave=Sklave) gibt es sie sogar paketeweise im Angebot: 1.000 Fans nach Land, Sprache, Alter und Geschlecht gewählt kosten derzeit 151,20 Euro statt 189 Euro. Nach dem Motto: Wer nicht zuschlägt, ist selbst schuld.

"Like It"-Fans sind gut fürs Image

Kommerzielle Seitenbetreiber haben Facebook längst als Marketing-Plattform entdeckt. Was eine gute Social Media Seite ausmacht, liegt aber noch im diffusen Graubereich. Die Inhalte allein sind es nicht, so wird gemunkelt. Dazu gehören auch reichlich "Like It" -Fans. Und die kann man dem Zufall überlassen – oder eben nachhelfen. fanslave.de ist nur eine Alternative. Auch auf der Auktionsplattform Ebay blüht ein schwunghafter Handel mit "Gefällt mir"-Fans, Twitter-Followern und Blog-Besuchern.

Von Fanhandel will der Betreiber nichts wissen. "Wir verkaufen keine Fans", betont er auf dem Webportal, "wir schaffen Verbindungen im Social Media Bereich". Verweist jedoch zugleich auf seinen "Fan Shop" und nennt den Link: "Facebook Fans kaufen".

Fan-Söldner in rechtlicher Grauzone

Das Portal mit Sitz in London besteht seit März 2011 und zählt bereits über 74.000 Nutzer. Das liegt wohl auch daran, dass man dort nicht nur Geld loswerden sondern laut Betreiber auch verdienen kann. Nutzer können durch "Gefällt mir"- Klicks auf bestimmten Facebook-Seiten sogenannte "Credits" sammeln. Sie bringen pro Klick etwa 2 bis 4 Cent ein.

Erforderlich ist ein Facebook-Konto mit mindestens fünf Freunden und ein Fanslave-Profil. Ab 15 Euro kann man sich sein hart erklicktes Geld auf ein Paypal-Konto auszahlen lassen, heißt es auf der Webseite. Wer weitere "Klicker" im Freundeskreis wirbt, verdient wiederum auch an deren "Gefällt Mir"-Aktionen.

Die Mäusedrücker erhalten täglich etwa 30 Seitenvorschläge, die ihnen "gefallen" sollen, so ein Nutzer auf Youtube. Reich wird man dabei nicht: "Man kann am Tag gute 1,50 Euro machen, das geht".

Ob der "bahnbrechende Dienst" – so das Selbstportrait des Betreibers – auch pünktlich zahlt, ist in den Foren allerdings ebenso umstritten wie die Legalität der Fan-Söldnerei. Schließlich appelliert Facebook eindringlich an seine Nutzer, das einwandfreie Funktionieren des Netzwerks nicht zu beeinträchtigen. Und dazu gehören auch authentische "Gefällt mir"-Klicks.

Auch mancher Anwalt ist sich sicher: Fanslave verstößt gegen deutsches Recht. Das Drehen am Gefällt-mir-Hebel sei ein rechtswidriges Delikt und könne zu Schadensersatz verpflichten. Wenig überraschend: fanslave.de sieht das auf seinen FAQ-Seiten völlig anders. Die "Gefällt Mir"-Seiten würden lediglich vorgeschlagen und das Bonussystem sei keine Bezahlung, so der Fan-Shop.

Umsatz-Boom bleibt umstritten

Ob die große Söldnerfan-Gemeinde für rasanten Umsatz der Betreiber sorgt, ist ebenso umstritten. Social Media Berater glauben oft nicht daran. Nicht die Fan-Anzahl sei ausschlaggebend, sondern deren Interaktion. Da sei eben mehr gefordert als ein stumpfer "Like It"-Klick. Andererseits kann eine Fan-Heerschar durchaus magnetisch wirken: Menschen tun schließlich immer gern, was andere tun. Auf dem Wochenmarkt scharen sich Kunden auch um die gut besuchten Stände. Zu den leeren geht selten jemand hin.

(Dorothee Monreal)

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