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Facebook will noch mehr Daten von Nutzern

Facebook-Chef Marc Zuckerberg hat in einer Keynote mehrere Produktinnovationen angekündigt. Soziale Plugins und offener Austausch mit anderen Webseiten sollen das Surferlebnis im Web personalisieren. Nutzer geben damit noch mehr Daten über sich preis.

22.04.2010, 08:15 Uhr
Facebook © Facebook

Um zehn Minuten nach 10 Uhr Ortszeit trat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Mittwoch im Rahmen der Entwicklerkonferenz "f8" in San Francisco an das Rednerpult. Leger in Jeans und schlichtem Sakko gekleidet verkündete Zuckerberg in seiner Keynote-Rede bedeutende Neuigkeiten für die Facebook-Plattform. Zu Beginn jedoch gab er bekannt, dass Facebook inzwischen über 400 Millionen Nutzer habe. Innerhalb von nur drei Jahren sei zudem die Zahl der Facebook-Mitglieder, die auf das soziale Netzwerk mobil zugreifen, auf 100 Millionen angestiegen. Das Ziel von Facebook sei es, noch mehr Menschen miteinander zu vernetzen, Internetnutzern ein personalisiertes Surferlebnis zu bieten und vor allem die Bedienung des Netzwerkes zu vereinfachen. Drei neue Innovationen sollen dies künftig ermöglichen.

Soziale Plugins und offener Datenaustausch

Bret Taylor, Leiter der Plattform-Entwicklung bei Facebook, stellte die Neuerungen im Detail vor. Für Webseitenbetreiber gibt es nun sogenannte "Social Plugins", die sich mit nur einer Zeile HTML-Code in Internetseiten einbinden lassen. Von besonderer Bedeutung sei etwa der "Like"-Button. Gefällt einem Facebook-Nutzer eine Meldung auf einer Website, die ein solches Plugin einsetzt, so kann er dies mit Betätigen der "Like"-Schaltfläche kommentieren. Auf jeder dieser Webseiten kann er sich dazu mit seinen Facebook-Zugangsdaten einloggen. Opfer des "Gefällt mir" sind die "Fan"-Seiten, die im Zuge der Neustrukturierung abgeschafft wurden.

Auch wenn ein Facebook-Mitglied eine solche Webseite das erste Mal besucht, so kann er dort Artikel finden, die Facebook-Freunde als interessant angegeben haben. Facebook interagiert auf diese Art und Weise mit dem Web statt nur mit seinem eigenen Netzwerk. Andere Plugins können etwa die Aktivitäten der Freunde anzeigen oder personalisierte Empfehlungen geben. Zudem gibt es nun eine sogenannte "Social Bar", die sich automatisch unten auf einer Webseite andocken kann und Zugriff auf die wichtigsten Facebook-Features ermöglicht.

Facebook-Profil wird automatisch upgedatet

Facebook sei nur ein Teil des sozialen Erlebnisses, heißt es. Auf weiteren Webseiten seien User auch aktiv und würden dort ihren Hobbies und Vorlieben nachgehen. Facebook will diese mit "Open Graph" zusammenführen. Das eigene Profil, das viele Nutzer meist nur einmal bei der Registrierung erstellen, wird nun fortdauernd upgedatet. Wenn Mitglieder auf Facebook-Partnerseiten wie der Musikplattform Pandora etwa eine bestimmte Musikband gut finden, so findet sich ein entsprechender Eintrag künftig auch im eigenen Facebook-Profil.


Weiter auf Seite 2: Das "Open Graph"-Protokoll als Albtraum der Datenschützer

Technisch wird dies über das "Open Graph"-Protokoll ermöglicht. Die Partnerseiten verwenden ein spezielles Markup, das von Facebook übernommen werden kann. Das US-Netzwerk wird hier zunächst mit Partnern aus verschiedenen Bereichen wie Bücher oder Musik starten.

Partner Microsoft: Office-Dokumente online

Ein Facebook-Partner wird Microsoft sein. Der US-Softwareriese stellt unter docs.com derzeit eine Beta-Online-Version seines Office-Programms zur Verfügung. Facebook-Mitglieder können docs.com-Dokumente künftig direkt aus Facebook öffnen und sie auch editieren. Das Teilen von Dokumenten mit anderen Nutzern soll erleichtert werden.

Für Entwickler hat Facebook die Graph API völlig neu entwickelt. Diese soll das Lesen und Schreiben von Daten für das Online-Netzwerk erheblich vereinfachen und auch mehr Stabilität bieten. Jedes Objekt, etwa ein Profil oder eine Facebook-Gruppe, erhält eine eindeutige ID. Auch die Suche wurde verbessert und findet in Echtzeit gerade erst vorgenommene Änderungen an Profilen.

Kritik an Facebook wegen mangelndem Datenschutz

Nach 40 Minuten ist die Keynote-Veranstaltung vorbei, Fragen werden nicht zugelassen. Mark Zuckerberg blickt optimistisch in die Zukunft: "Wie gut wäre es wenn in der Welt mehr Informationen vorhanden wären. Wir könnten die Welt besser machen". Mit keinem Wort erwähnen Zuckerberg oder Taylor allerdings die gerade auch in Deutschland vorhandenen Datenschutzbedenken. Facebook hatte in den letzten Wochen unter anderem sowohl die Kritik von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner als auch von den Verbraucherzentralen auf sich gezogen. Die Stiftung Warentest kritisierte den mangelnden Datenschutz.

Da scheint es wenig hilfreich, wenn nun noch mehr persönliche Daten der Facebook-Nutzer beziehungsweise Internetsurfer auf allen möglichen Webseiten ausgetauscht werden. Die Zielrichtung für Facebook ist klar: Durch einen immer feineren und aktuelleren Zuschnitt der Nutzerprofile und wachsende Nutzerzahlen wird Facebook für Werbekunden immer interessanter, um personalisierte Werbung an seine Mitglieder zu versenden. Das Online-Netzwerk wird damit als Datensammler zunehmend zur Konkurrenz von Google. Die Kritik an Facebook wird anhand der nun geplanten Innovationen sicher nicht verstummen.

(Jörg Schamberg)

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