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Facebook startet personalisierte soziale Suche "Graph Search"

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat am Dienstagabend eine neue Suchfunktion für das soziale Netzwerk vorgestellt. "Graph Search" soll mit Hilfe von Filtern sehr spezifische Ergebnisse liefern, die Privatsphäre soll gewahrt werden.

15.01.2013, 20:15 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Das soziale Netzwerk Facebook hatte die Presse für Dienstagabend (19 Uhr deutscher Zeit) in seine Firmenzentrale eingeladen. Um was es genau gehen sollte, gab der US-Konzern nicht bekannt. Sofort blühten Spekulationen um eine neue Facebook-App. Für die "New York Times" schien dagegen eher eine verbesserte Suchfunktion denkbar. Und in der Tat: Mark Zuckerberg kündigte mit "Graph Search" eine neue personalisierte Suche für die mehr als eine Milliarde Facebook-Mitglieder an.

Privatsphäre soll gewahrt bleiben

Die Suche beschränkt sich zwar auf Facebook, dennoch greift der US-Konzern verstärkt den Konkurrenten Google auf dessen Territorium an. Das soziale Netzwerk will es einfacher machen, die Masse an Informationen seiner Nutzer zu durchstöbern. "Graph Search" soll sehr spezifische Suchergebnisse liefern. Anstelle der regulären Internetsuche solle diese Funktion Antworten auf spezielle Fragen liefern, sagte der Facebook-Gründer.

Es sei "ein neuer Weg für Menschen, Informationen auf Facebook zu finden", erklärte Zuckerberg. Um die Funktion zu nutzen, geben Nutzer ihre Suchanfrage in einen größeren Suchschlitz am oberen Ende der Facebook-Webseite ein. Die Antworten werden dann aus den Informationen von Freunden und Facebook-Kontakten herausgefiltert, erklärte Zuckerberg. Als Beispiel nannte Zuckerberg "Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" und "Fotos meiner Freunde aus 2009".

Einfachere Suche nach Fotos - Start von "Graph Search" zunächst als Beta

Mit Hilfe der Filter lässt sich beispielsweise auch nach Facebook-Freunden in einer bestimmten Stadt suchen oder aber herausfinden welche Spiele Freunde bei Facebook spielen. Auch Kombinationen sollen möglich sein: Welche meiner Kölner Freunde bevorzugt das gleiche Restaurant wie ich? Die Suche soll recht schnell Ergebnisse liefern, auch neue Freunde lassen sich nach Unternehmensangaben mit "Graph Search" komfortabel finden. Insbesondere aber auch die Suche nach Fotos soll nun zielgerechter erfolgen können.

Die Privatsphäre soll dabei laut dem Internetkonzern aber gewahrt bleiben. Angeblich wendet Facebook 10 Prozent seiner gesamten Computer-Leistung für den Schutz der privaten Daten. Es würden nur Ergebnisse angezeigt, die entweder als "öffentlich" markiert oder mit dem jeweils Suchenden geteilt wurden. Nur für Freunde sichtbare Informationen können von anderen Facebook-Mitgliedern nicht gefunden werden. Am Dienstag wurde eine beschränkte Beta-Version von "Graph Search" gestartet. An der Funktion werde noch herumgeschraubt, sagte Zuckerberg. Sie steht daher vorerst nur wenigen englischsprachigen Nutzern aus den USA zur Verfügung. Nach und nach soll sie für weitere Nutzer freigeschaltet werden. Suchen lässt sich während der Betaphase nur nach Personen, Fotos, Orte und Interessen. In den kommenden Monaten soll die Suche aber erweitert werden. Dann lassen sich auch Pinnwand-Einträge durchsuchen. Detaillierte Informationen zur neuen Suchfunktionen bietet Facebook unter www.facebook.com/about/graphsearch. Zudem soll die Kooperation mit Microsofts Suchmaschine Bing erweitert werden. Für Suchanfragen außerhalb der Facebook-Welt (zum Beispiel "das neue Album von Rihanna") fließen Ergebnisse von Bing in die "Graph Search" ein. Microsoft arbeitet seit einem strategischen Investment im Oktober 2007 in Höhe von 240 Millionen Dollar mit Facebook zusammen.

Börsianer hatten mehr erwartet: Facebook-Aktienkurs sinkt leicht

Facebook war im Mai vergangenen Jahres an die Börse gegangen und sucht seitdem verstärkt nach Möglichkeiten, mit seinem beliebten Netzwerk Geld zu verdienen. Suchmöglichkeiten nach Filmen oder Restaurants, die die eigenen Kontakte empfehlen, könnten auch für Werbekunden interessant sein. Zuckerberg stellte allerdings keine schnellen Einnahmen in Aussicht, sondern sagte nur, die Suche könne ein zukünftiges Geschäftsfeld sein.

Das Online-Netzwerk hatte schon lange die Vorzüge einer "Sozialen Suche" betont, bei der die Informationen der eigenen Freunde ausgewertet werden. Doch die Suchfunktion bei Facebook war bisher sehr eingeschränkt. Die neuen Möglichkeiten könnten nun Suchanfragen der Nutzer von Google oder Bewertungsportalen wie Yelp abziehen - zum Beispiel, wenn sie lieber nach einem Restaurant suchen, dass ihre Freunde mögen. Mit Google streitet Facebook bereits seit Jahren um den Zugang zu Nutzerinformationen. Der Suchmaschinenbetreiber baute zudem mit Google+ ein eigenes Online-Netzwerk auf. Die Börsianer hatten jedoch offenbar mehr erwartet und bleiben skeptisch: Die Facebook-Aktie verlor nach der Präsentation 2,74 Prozent auf 30,10 Dollar. Der Kurs von Google dagegen konnte leicht um 0,2 Prozent zulegen. Hart getroffen wurde dagegen die Aktie des Empfehlungsnetzwerks Yelp, die über sechs Prozent an der New York Stock Exchange nachgab..

(Jörg Schamberg)

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