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Facebook löscht Beiträge von Jürgen Domian

"Verärgert und fassunglos" zeigte sich WDR-Moderator Jürgen Domian Montagabend in einem Beitrag auf Facebook, das soziale Netzwerk hatte mehrere kritische Beiträge von ihm zu den beiden Themen katholische Kirche und Homosexualität gelöscht.

19.03.2013, 11:21 Uhr
Facebook © Facebook

"Verärgert und fassunglos" zeigte sich WDR-Moderator Jürgen Domian Montagabend in einem Beitrag auf Facebook, das soziale Netzwerk hatte mehrere kritische Beiträge von ihm zu den beiden Themen katholische Kirche und Homosexualität gelöscht. Facebook-Sprecherin Tina Kulow entschuldigte sich am Dienstagmorgen öffentlich, Domians Beiträge sind seitdem wieder für alle zugänglich. Das Vorgehen wirft jedoch einige Fragen über Facebooks Umgang mit den eigenen Richtlinen auf.

Facebook spricht von gelegentlichen Fehlern

In seinem Beitrag vom 6. Februar über den Auftritt von Martin Lohmann in den Talkshows von Markus Lanz und Günter Jauch gibt Domian im Wesentlichen den Verlauf der Sendung wieder. Lediglich an einer Stelle spricht er von "missionarischem Durchfall". In seinem Beitrag vom 20. Februar zum Adoptionsrecht von Schwulen und Lesben kritisiert er die Bundesregierung, die CDU/CSU und die katholische Kirche, ohne jedoch polemisch zu werden. Sein Fazit: "Würde die Ehe auch für Schwule und Lesben geöffnet, wären mit einem Schlag alle immer noch verbliebenen Diskriminierungen beseitigt."

Facebook-Sprecherin Kulow versucht in ihrer Stellungnahme "Was ist mit dem Post von Domian passiert?" aufzuklären: "In dem Bemühen, die vielen Reports von Nutzern, die wir jeden Tag erhalten, schnell und effizient zu bearbeiten, schaut sich unser User Operations-Team Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten jede Woche an. Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hass-Rede und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden."

Wieso wurden mehrere Beiträge gleichzeitig gelöscht?

Um einen "gelegentlichen Fehler" kann es sich im Fall Domian aber nicht gehandelt haben, schließlich wurden mehrere Beiträge zeitgleich gelöscht. Der Verdacht liegt nahe, dass hier einer Beschwerde nachgegangen wurde, die sich über mehrere Beiträge erstreckt. Zumindest scheint ein Facebook-Mitarbeiter bewusst darüber entschieden zu haben, mehrere Beiträge mit einem Klick zu löschen.

Jürgen Domian unterstellt hier ein grundsätzliches Vorgehen: "Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend." Zuvor zog er schon den Schluss: "Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun." Schließlich stellt er noch die Frage, ob Facebook schon Zensur ausübe. Das soziale Netzwerk weist dies in einer Stellungnahme gegenüber onlinekosten.de von sich: Es habe sich "um einen (menschlichen) Fehler" gehandelt.

Wo zieht Facebook die Grenze zwischen erlaubter und unerlaubter Kritik?

Auch wenn es sich um einen Irrtum gehandelt haben sollte – dass es überhaupt dazu kommen konnte, zeigt, dass Domians Beiträge nicht weit von der Grenze entfernt liegen, die Facebook in seinen Richtlinien zu ziehen beabsichtigt. Das soziale Netzwerk reagiert sensibel auf die beiden Themen katholische Kirche und Homosexualität und orientiert sich damit an Normen, die eher in der amerikanischen Kultur verwurzelt sind als in der europäischen. Wie Domian selbst feststellt: "Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können".

(Peter Giesecke)

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