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Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar (Update)

Das weltgrößte soziale Online-Netzwerk Facebook kauft den Rivalen WhatsApp. Dafür legt Facebook 19 Milliarden Dollar in bar und eigenen Aktien auf den Tisch, wie das US-Unternehmen am Mittwoch ankündigte.

19.02.2014, 23:17 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Facebook, das weltgrößte soziale Online-Netzwerk, kauft den Rivalen WhatsApp. Dafür legt Facebook 16 Milliarden Dollar in bar und eigenen Aktien auf den Tisch, wie das US-Unternehmen am Mittwoch ankündigte. Später sollen weitere 3 Milliarden Dollar in der Form von Aktien an die Gründer und Mitarbeiter fließen.

Whatsapp begeistert Millionen

WhatsApp hat sich als SMS-Alternative etabliert. Über die Smartphone-App können Nutzer miteinander Textnachrichten oder Fotos austauschen. Das Netzwerk hat mehr als 450 Millionen Nutzer, 70 Prozent davon schauen täglich vorbei.

"WhatsApp ist auf dem Weg, eine Milliarde Leute miteinander zu verbinden", erklärte Facebook-Chef und -Gründer Mark Zuckerberg. Deshalb sei der Dienst so wertvoll. Facebook selbst kommt auf mehr als 1,2 Milliarden Nutzer. "WhatsApp wird uns dabei helfen, unsere Mission zu erfüllen, die ganze Welt zu vernetzen." In einer Telefonkonferenz mit Analysten führte er weiter aus: "Dienste, die eine Milliarde Nutzer haben, sind unglaublich wertvoll." Wie sich der hohe Kaufpreis letztlich rechnen soll, ließ Zuckerberg offen. Zunächst einmal gehe es darum, dass der Dienst weiter wachse auf "eins, zwei oder drei Milliarden Mitglieder", sagte Zuckerberg. "Es gibt es mehrere Wege, wie wir damit Geld verdienen können."

Whatsapp-Chef Jan Koum soll dem Unternehmen nicht nur treu bleiben, sondern zusätzlich auch in den Verwaltungsrat von Facebook einziehen - das höchste Gremium der Firma. Whatsapp selbst soll als unabhängiges Unternehmen bestehen bleiben und auch die Marke nicht eingestellt werden. Parallel dazu wird der Facebook Messenger weiterentwickelt. Zuckerberg handelte den Deal nach einigen Angaben in gut zehn Tagen aus. Laut einem Bericht des Technologie-Blogs "The Information" hatte auch Google ein Auge auf WhatsApp geworfen. Der Internet-Konzern habe der Kurznachrichten-Firma Geld allein schon dafür angeboten, über das Auftauchen anderer Interessenten zu informieren. WhatsApp habe abgelehnt, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Das Interesse anderer Schwergewichte könnte eine Erklärung für den ungewöhnlich hohen Preis sein.

Koum betonte erst im Januar, sein Unternehmen nicht verkaufen zu wollen

Damit endet zugleich ein Experiment für einen Kommunikationsdienst, der nicht auf Nutzerdaten aus war und sich nicht durch Werbung finanzierte. Mitgründer Jan Koum hatte stets betont, man wolle das nicht. WhatsApp finanzierte sich anfangs über den Kaufpreis für die App und zuletzt über eine jährliche Abo-Gebühr von einem Dollar.

Angesichts der Größe sei auch so genug Geld für den Betrieb zusammengekommen, beteuerte Koum noch vor einigen Wochen bei der Internet-Konferenz DLD in München. Dort sagte er auch, Whatsapp nicht verkaufen zu wollen. In Deutschland hatte der Dienst zuletzt 30 Millionen Nutzer. Pro Tag wurden weltweit rund 18 Milliarden Nachrichten verschickt. WhatsApp schlug diese Lawine mit einem schmalen Budget und nur 50 Mitarbeitern um. Gemessen daran sind die insgesamt 19 Milliarden Dollar ein sehr stolzer Preis.

Facebook hat bereits einen eigenen Messaging-Dienst mit ähnlichen Funktionen. Allerdings kaufte Mark Zuckerberg auch schon für knapp eine Milliarde Dollar die Foto-Plattform Instagram, obwohl Facebook-Nutzer bereits Bilder austauschen konnten. Auch die derzeit populäre Foto-App Snapchat, bei der Bilder von alleine verschwinden, wollte Facebook dem Vernehmen nach vor kurzem kaufen, die Gründer lehnten jedoch ab.

Whatsapp verspricht: Es ändert sich nichts!

WhatsApp verspricht seinen 450 Millionen Nutzern unterdessen, dass sich nach der Übernahme durch Facebook für sie nichts ändern wird. Dienst werde nach wie vor für eine kleine Gebühr nutzbar sein und keine Werbung werde die Kommunikation unterbrechen, erklärte die Firma in einem Blogeintrag am Mittwoch. "WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren", hieß es. "Für Sie, unsere Nutzer wird sich folgendes ändern: Nichts."

Das WhatsApp-Geschäft muss allerdings noch von den Wettbewerbshütern abgesegnet werden. Der Abschluss soll später im Jahr erfolgen.

(Hayo Lücke)

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