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Facebook-Initiative: Bis 2020 soll eine deutsche Astronautin ins All

Elf deutsche Männer waren schon dort - eine Frau noch nie. Das soll sich ändern: Eine Raumfahrtingenieurin hofft auf die erste deutsche Frau im All bis zum Jahr 2020 - und setzt auf eine Facebook-Initiative.

16.06.2014, 15:54 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

In der deutschen Luft- und Raumfahrt schaffen es noch immer wenig Frauen nach oben. Das gilt für die Führungsetagen - und ganz besonders für das Weltall. Während mit Alexander Gerst, der auf der Internationalen Raumstation ISS arbeitet, schon der elfte deutsche Mann im All ist, hat es bisher keine einzige Frau aus Deutschland in diese Höhen geschafft.

Kessler: Deutschland hat zu wenig Ingenieurinnen

Die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, Claudia Kessler, hofft, dass sich bei der kommenden Auswahlrunde eine Frau durchsetzen wird. Am Montag startete Kessler mit mehreren Unterstützern eine Facebook-Plattform für angehende Astronautinnen, die auch mehr Nachwuchs in Ingenieurberufen der Luft- und Raumfahrt erzielen will.

Haben Frauen in der Luft- und Raumfahrt in Deutschland einen nennenswerten Anteil?

Der Anteil an Ingenieurinnen ist in Deutschland leider sehr gering, in Italien, Frankreich oder auch Spanien sind es viel mehr. Und auf die ISS hat es noch nie eine deutsche Frau geschafft. Alle fünf bis sechs Jahre laufen die Auswahlverfahren. Bei der letzten Runde 2009 hatten es unter europaweit etwa 8300 Bewerbern 50 in die engere Auswahl geschafft, darunter eine Frau aus Deutschland, die aber aus medizinischen Gründen ganz am Ende rausgefallen ist.

Warum ist es denn so wichtig, dass eine Frau fliegt?

Es sollte auf dem Feld der Luft- und Raumfahrt schon mehr Frauen geben, das wäre auch demografisch gesehen von Vorteil. (...) Die Amerikaner, die 50 Prozent Frauen in ihrem Astronautenteam haben, sagen, gemischte Teams funktionieren besser, sind auch kreativer. Außerdem verhält sich ein weiblicher Organismus im Weltraum anders - das zu untersuchen, wäre wichtig. Die deutsche Forschung stützt sich da bei den eigenen Untersuchungen bisher nur auf männliche Daten.

Wann wäre die nächste Chance für eine deutsche Astronautin?

Die europäische Raumfahrtagentur sagt noch nicht, wann die nächste Auswahlrunde startet. Wir sollten aber jetzt schon die Vorbereitungen dafür treffen, dass es zumindest zwei oder drei Frauen in den nächsten Jahren in die enge Auswahl schaffen. Denn im Durchschnitt fliegt etwa alle drei Jahre ein deutscher Astronaut ins All - und jetzt ist es Zeit für eine Astronautin. Der Wunsch wäre, dass wir das bis 2020 schaffen.

Was soll die neue Facebook-Initiative erreichen, die Sie gerade aufbauen?

Wir richten uns mit der Internetplattform an Frauen, die zum Beispiel Luft- und Raumfahrt studieren oder vor dem Studium stehen. Es gibt Infos und praktische Tipps, dass neben Berufen wie Physikerin oder Naturwissenschaftlerin auch Fähigkeiten wie Fliegen, Fallschirmspringen oder Tauchen gefragt sind.

Und wir wollen dann auch über Kooperationen mit den entsprechenden Vereinen oder Organisationen konkrete Tipps und Unterstützung geben. Wir werden deutschlandweit Aktionen starten und Frauen und angehende Astronautinnen speziell coachen. Und wir möchten zeigen, was es noch alles für spannende Berufe gibt - rund um die Raumfahrtzentren etwa oder in der Bodenkontrolle.

(Dorothee Monreal)

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