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Eye-Fi: WLAN-Karte für Digitalkameras im Kurztest

Mit der Eye-Fi-SDHC-Karte lassen sich Fotos und Videos direkt von der Kamera per WLAN auf den PC oder ins Internet übertragen - verspricht zumindest der US-Hersteller. Wir haben uns das WLAN-Speichermodul einmal genauer angesehen.

24.06.2010, 11:27 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Die Idee ist so einfach wie brillant: Statt umständlich mit Datenkabeln zu hantieren oder die Speicherkarte permanent zwischen Kamera und Lesegerät zu wechseln, werden digitale Schnappschüsse sofort per WLAN auf den PC oder ins Internet übertragen. Wer sich allerdings keine Kamera im Hochpreissegment leisten will, die entsprechende Funktionen bereits von Haus aus mitbringt, dem bleibt noch Eye-Fi – eine SDHC-Speicherkarte mit eingebautem WiFi-Modul, das in den Standards 802.11 b/g/n funken kann. Da Marketingversprechen aber das eine sind, die alltägliche Praxis aber etwas anderes, haben wir uns das "Drahtloswunder" einmal genauer angesehen. Fazit: Die Bilder landen tatsächlich auf dem PC – allerdings nicht immer zuverlässig und schon gar nicht mit jeder x-beliebigen Kamera.

Bunte Verpackung mit wenigen Informationen

Leider erweckt aber bereits die Verpackung der von uns verwendeten Eye-Fi Explore X2 mit 8 Gigabyte (GB) Speicherplatz genau diesen Eindruck. Bei den aufgedruckten Produktinformationen fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass die Karte mit einer stattlichen Anzahl von digitalen Fotoapparaten nicht auf Anhieb oder sogar überhaupt nicht zusammenarbeitet. So ist unter "Voraussetzungen" lediglich von einer "SDHC-kompatiblen Digitalkamera" die Rede.

Unerwähnt bleibt hingegen, dass der Hersteller im Internet eine lange Liste von Kameras bereithält, die sich trotz Erfüllung der formalen Voraussetzungen doch nicht mit der Karte vertragen wollen. Auch die beiliegende mehrsprachige Kurzbedienungsanleitung schweigt sich darüber konsequent aus. Ebenfalls nur auf der Eye-Fi-Homepage ist zu lesen, dass über 1.000 Kameras anstandslos mit der Karte zusammenarbeiten und es darüber hinaus spezielle Eye-Fi-Cams mit weiteren Funktionen gibt. Wer aber denkt schon daran, vorher auf der Produkt-Website nach solchen Informationen zu suchen? Sicher die Minderheit der Interessenten. Schließlich sollte ja alles sofort funktionieren.

Auspacken, Einstecken, Installieren

Mit dieser Einstellung begannen auch wir: Auspacken, Karte zusammen mit dem mitgelieferten Kartenleser in den USB-Anschluss stecken und schon startet die Installation der notwendigen Software. Zumindest fast. Unser Virenscanner verhinderte das Ausführen der Autostart-Funktion, daher musste manuell nachgeholfen werden. Wie das geht, steht aber im Anleitungsheftchen. Nach Abschluss der Installation suchte das Programm selbstständig nach verfügbaren Updates und lud sie auf unseren Wunsch sofort herunter.

Danach folgte ein Test der Firewall-Einstellungen und die Aufforderung, Adobe Air zu installieren - eine Software, mit der sich laut Adobe-Website "interaktive Anwendungen außerhalb von Browsern darstellen lassen". Diese ist jedoch nicht auf der Eye-Fi-Karte enthalten und muss daher zuvor ebenfalls aus dem Web gezogen werden.

Wenige Minuten später waren das Eye-Fi-Center und die stets im Hintergrund laufende Autostart-Applikation Eye-Fi-Helper startklar. Nach dem Anlegen eines Kontos bei Eye-Fi und der Bestätigung unserer E-Mail-Adresse über einen zugesandten Link, begann die Software sogleich nach vorhandenen WLAN-Netzen zu fahnden. Bis zu 32 Netzwerke lassen sich dabei pro Karte speichern.

Nicht jede Kamera ist kompatibel

Auch bietet das Programm hier die Option, aufgenommene Fotos und Videos nicht nur auf dem PC zu speichern, sondern auch direkt von der Kamera an insgesamt 25 Online-Plattformen wie etwa YouTube, Facebook, Apple MobileMe oder Flickr zu senden. Ein FTP-Server oder Internet-Fotodienst lässt sich alternativ ebenso auswählen. Mit dem nächsten Klick waren die notwendigen Einstellungen vorgenommen. Ein Fenster forderte anschließend dazu auf, die Karte in den Speicherkarteneinschub der Kamera zu stecken und ein Porträt-Foto zu machen. Es sollte dann direkt angezeigt werden.

In unserem Fall bereitete aber gleich das erste Gerät, eine Kodak EasyShare C190, Schwierigkeiten. Und das, obwohl die C190 auf der Hersteller-Liste inkompatibler oder problematischer Modelle nicht einmal erwähnt wird. Formal erfüllt sie zwar alle Voraussetzungen. Dennoch war die Eye-Fi-Karte nicht mit der kleinen Kodak-Kamera zum Laufen zu bringen. Statt Bilder und Videos zu übertragen, schaltete sich die Kamera regelmäßig nach wenigen Sekunden aus - inklusive Warnmeldung zu angeblich leeren Akkus.

Deutsche Hilfetexte bisher Fehlanzeige

Trotz mehrerer Wechsel und der Verwendung normaler Batterien war daran nichts zu ändern. Erst das Entfernen der SDHC-Karte beseitigte das Phänomen. Offenbar überforderte der Stromverbrauch von Eye-Fi das Energiemanagement der Kamera-Firmware. Obwohl wir andere Ursachen nicht definitiv ausschließen können, verdeutlicht das Beispiel zumindest mögliche Kompatibilitätsprobleme, die sich im Voraus jedoch aufgrund mangelnder Kennzeichnung nicht absehen lassen.

Und selbst wenn ein Nutzer auf die Idee kommt, vorsorglich zu recherchieren, tritt ein zweiter Makel zutage: Zwar gibt es eine deutsche Eye-Fi-Homepage mit Informationen zum Produkt. Hilfetexte finden sich allerdings nur bei Klick auf die Schaltfläche "Kundendienst" - und die führt überraschenderweise auf eine englische Support-Seite. Als einzige Sprach-Alternative wird Japanisch angeboten. Deutschsprachige Unterstützung gibt es bislang nur per Hotline-Kontakt zum Festnetztarif und per E-Mail. Das ist besonders ärgerlich, informiert doch die Hilfe-Seite durchaus ausführlich über zahlreiche mögliche Probleme mit Eye-Fi.

Ohne Fremdsprachen-Kenntnisse bleibt solches Expertenwissen aber unzugänglich. Für ein Marken-Produkt, das offiziell in Deutschland vertrieben wird, eigentlich nicht akzeptabel – gerade vor dem Hintergrund der Kompatibilitätsproblematik. Bei Eye-Fi ist man sich dessen offenbar ebenfalls bewusst und hat auf Nachfrage unserer Redaktion angekündigt, in Kürze weitere Sprachen anzubieten.

Alle guten Dinge sind zwei

Unser zweiter Versuch gelang schließlich – mit einer Casio EX-Z75. Die Bilder wurden bei Versuchen an zwei unterschiedlichen Orten in den meisten Fällen zuverlässig und innerhalb weniger Sekunden übertragen. Ein Popup-Fenster zeigt den Transfer dabei jeweils auf dem Computer an. Wird der Vorgang unterbrochen - etwa durch Abschalten der Digitalkamera - erfolgt nach dem nächsten Foto die automatische Fortsetzung. Gespeichert werden die Aufnahmen in einem beliebigen Ordner und können via Eye-Fi-Center über das Internet weitergesendet werden. Auf Wunsch kennzeichnet Eye-Fi zudem jedes Bild oder Video mittels Geotagging-Funktion. So lässt sich der Aufnahmeort auch später zweifelsfrei zuordnen.

Bedingung dafür sind jedoch aktive WLAN-Netze in der Umgebung, da diese zur Positionsbestimmung verwendet werden. Weitere Optionen, wie etwa ein "Endlos-Transfer-Modus", der nur ein vorher festgelegtes Kontingent von Bildern oder Videos auf der Karte belässt, sind über das Eye-Fi-Center ebenfalls aktivierbar. Da das individuelle Einstellungsprofil des Nutzers dabei direkt auf der Eye-Fi-Karte gespeichert wird, bleibt es auch bei Verwendung mehrerer PCs erhalten.

Fazit: Eye-Fi macht Spaß - getrübt von unnötigen Mängeln

Nachdem sich unsere Schnappschuss-Laune wieder gelegt hat, steht unser Fazit fest: Eye-Fi macht durchaus Spaß, kämpft aber leider noch mit einigen Kinderkrankheiten, die der Freude ein schnelles Ende setzen können. Neben gelegentlichen Abstürzen der Helper-Software bleibt dabei vor allem unverständlich, warum auf der Packung jeglicher Hinweis auf mögliche inkompatible Kamera-Modelle fehlt. Auch die derzeit nur in englisch sowie japanisch verfügbare Support-Seite hilft deutschen Hobby-Fotografen ohne entsprechende Fremdsprachenkenntnisse nicht weiter. Eye-Fi will zwar bald nachbessern; warum hier aber nicht bereits vor dem deutschen Marktstart reagiert wurde, bleibt wohl das Geheimnis des US-Herstellers.

Der Preis für die Eye-Fi-Karte hält sich hingegen im Rahmen und liegt je nach gewähltem Modell zwischen rund 60 und 130 Euro. Unser Exemplar wird von Eye-Fi mit 100 Euro unverbindlicher Preisempfehlung angegeben. Aus Preis-Leistungs-Sicht kann das Prinzip damit insgesamt überzeugen, ermöglicht es doch vielen Kameras aus der Einsteigerklasse eine WLAN-Übertragung mit Geotagging. Wenn Eye-Fi auch die vielen kleinen Mängel noch abstellen kann, gibt es nicht mehr viel zu kritisieren. Dann heißt es wohl bei Günstigmodellen immer öfter: "Datenkabel ade".

(Christian Wolf)

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