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Experten zur Breitbandzukunft: Gestaffelte Internet-Tarife und neue technische Lösungen

Der Breitbandausbau kommt voran, doch wie wie wird die Breitbandzukunft in Deutschland künftig aussehen? Im Rahmen des "Vision Table"-Forums diskutierten Vertreter der Branche u.a. neue Ansätze wie Richtfunk mit bis zu 40 Gbit/s, aber auch Forderungen nach gestaffelten Internet-Tarifen.

19.03.2014, 13:01 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Der Breitbandausbau in Deutschland wird seit Jahren diskutiert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will nun endlich Druck machen und den Ausbau spürbar beschleunigen. Ein konkreter Zeitplan soll demnächst vorgestellt werden. Doch was ist dabei zu beachten und wie könnte die Breitbandlandschaft in Deutschland künftig aussehen? Darüber diskutierten in Köln im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Vision Table" Vertreter von Unitymedia, Huawei, BITKOM, Connect, Universität Stuttgart und Siewert & Kau unter der Moderation von Richard Gutjahr.

VDSL als Übergangstechnologie, LTE ist limitiert

Initiator der Round-Table-Veranstaltung war der Bergheimer IT- und Logistik-Spezialist Siewert & Kau. Geschäftsführer Björn Siewert beklagte denn auch zu Beginn der Diskussion, dass mittelständische Unternehmen nicht selten viel Geld investieren müssten, um überhaupt eine Anbindung an schnelles Internet zu erhalten. Das Unternehmen sitzt in einem seit 20 Jahren erschlossenen Gewerbegebiet in Bergheim, die Netzanbindung sei aber so schlecht gewesen, dass beispielsweise moderne Anwendungen wie Videokonferenzen nicht realisierbar waren. Daher investierte Siewert & Kau eigenständig in den Glasfaserausbau.

Angesichts von Anwendungen wie Video-Streaming und –Telefonie und neuen Entwicklungen wie Google Glass und das Internet der Dinge forderten die Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung neue Lösungen. Aktuell ist die Strategie der Branche: Glasfaser für Ballungsgebiete und LTE zur Breitbandversorgung ländlicher Gebiete. "Bei LTE konnte die Geschwindigkeit auf 150, mittlerweile sogar auf 300 Mbit/s angehoben werden - und das durch Software-Updates", erläuterte Christian Weisswange, Vice President Devices bei Huawei Deutschland. Zukünftig sollen freiwerdende Frequenzen für das mobile Internet genutzt werden. Eine wirkliche Alternative zu kabelgebundenen Breitbandverbindungen ist LTE allerdings nicht wirklich, da die Mobilfunk-Technologie durch festgelegte Datenkontingente limitiert ist. Frank Meywerk, Technikchef bei Unitymedia, sieht das mobile Datennetz nur als Ergänzung zum Kabel. Die mobilen Frequenzen seien begrenzt und teuer. "Solange die Glasfaser noch nicht flächendeckend verfügbar ist, habe ich keinen Zweifel daran, dass xDSL-Technologien - dazu gehört auch beispielsweise VDSL - als Übergangslösung dienen", erklärte Johannes Weicksel, Arbeitskreis Netzinfrastrukturen des Hightech-Verbandes BITKOM.

Richtfunk mit bis zu 40 Gbit/s als Glasfaser-Ergänzung - gestaffelte Internet-Tarife gefordert

Dabei gibt es auch neue technische Ansätze: Von der Universität Stuttgart war Ingmar Kallfass vertreten. Der Wissenschaftliche Professor hatte im vergangenen Jahr zusammen mit seinem Kollegen Jochen Antes das Forschungsprojekt "Millilink" vorgestellt. Oberirdisch lassen sich Daten mittels hochbitratigem Richtfunk über eine Strecke von bis zu einem Kilometer mit Bandbreiten von bis zu 40 Gigabit übertragen. Lange Wartezeiten zur Umsetzung der günstigen Ergänzung zu Glasfaser gebe es dabei nicht. "Gäbe es eine industrielle Nachfrage, könnten wir sofort in Produktion gehen", betonte Kallfass.

Überlastungen in der derzeitigen technischen Infrastruktur ließen sich durch intelligente Netze vermeiden. Daten müssten effizient über alle Kanäle gesteuert werden. Aber auch die Daten selbst lassen sich beispielsweise durch Nutzung neuer Codecs wie H.265 effektiver nutzen, der beispielsweise die Bitrate von HD-Videos halbiert.

In Köln kam auch das Thema gestaffelte Internet-Tarife auf den Tisch, die unter anderem von der Deutschen Telekom schon länger gefordert werden. Der Bonner Konzern musste im vergangenen Jahr die geplanten Drosselungen für DSL-Flatrates wieder zurücknehmen. Dennoch waren sich die Experten des Vision-Table-Forums einig: Viel Bandbreite müsse teurer sein als weniger Bandbreite. Denkbar seien zum Beispiel YouTube-Tarife für Video-Streams.

(Jörg Schamberg)

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