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Experten: Wikileaks lebt

Um die Enthüllungsplattform Wikileaks war es zeitweise ruhig geworden - dann kamen die brisanten Dokumente von Edward Snowden ans Licht. Das habe der Plattform um Julian Assange wieder Auftrieb gegeben, sagen Experten, die ein Buch über Wikileaks geschrieben haben.

27.09.2013, 18:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Die Snowden-Enthüllungen über Internetspionage haben nach Einschätzung von Experten der Enthüllungsplattform Wikileaks neuen Auftrieb gegeben. "Wikileaks ist auf jeden Fall immer noch im Spiel", sagte der britische Journalist Luke Harding, der zusammen mit einem weiteren "Guardian"-Journalist ein Buch über Wikileaks geschrieben hat, in Berlin. Mitarbeiter von Wikileaks traten als Fluchthelfer für Edward Snowden auf, der inzwischen mit einem einjährigen Visum in Russland untergetaucht ist.

"Wichtigste Enthüllung aller Zeiten"

Wikileaks veröffentlichte unter anderem Ende 2010 250.000 Geheimdepeschen der USA. "Amerika war überzeugt, dass so etwas nie wieder passieren würde", sagte Mitautor David Leigh. "Aber zur selben Zeit hat Edward Snowden das Gleiche getan, in einem viel größeren Rahmen." Die von Snowden angestoßenen Veröffentlichungen über Internetspionage der amerikanischen und britischen Geheimdienste seien "die wichtigste Enthüllung aller Zeiten", sagte Leigh.

Diskussionen gab es bei der Vorstellung der aktualisierten Fassung des Buches auf Deutsch um die Veröffentlichung eines Passworts für eine verschlüsselte Wikileaks-Datei. Das Passwort tauchte in der Originalfassung des Buchs von 2011 in einer Kapitalüberschrift auf. Wikileaks-Mitstreiter Jacob Appelbaum warf den Autoren vor, damit eine schwere Sicherheitsverletzung begangen zu haben. Ko-Autor David Leigh erklärte, nach seinen Informationen sei das Passwort nicht mehr gültig gewesen. "Das ist eine Geschichte, die Julian (Assange) erzählt", sagte er.

"Guardian"-Journalisten in Großbritannien unter Druck

Die Journalisten sprachen auch über den politischen Druck, dem der "Guardian" im Hinblick auf die Snowden-Veröffentlichungen ausgesetzt sei. "Die rechtliche Umgebung, in der wir in Großbritannien arbeiten, ist schwierig", sagte Leigh. Die Zeitung hatte auf Druck der britischen Regierung einen Computer mit Geheimmaterial von Snowden zerstört, wie "Guardian"-Chefredakteur im August bekanntmachte. Die Regierung habe gedroht, den "Guardian" sonst rechtlich am Erscheinen zu hindern. Harding kritisierte die verhaltene politische Reaktion in seinem Heimatland: "Großbritannien ist noch im Mittagsschlaf."

Harding und Leigh veröffentlichten ihr Wikileaks-Buch 2011. Eine aktualisierte Fassung mit dem Titel "Wikileaks - Julian Assanges Krieg gegen die Geheimhaltung" erscheint im Oktober auf Deutsch.

(Jörg Schamberg)

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