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Experte: Musiker-Karriere nur per Internet eher selten

Der direkte Zugang zu einem Musiklabel gelingt nur wenigen Musikern alleine durch eine Internetpräsenz. Laut Musikeperte Hubert Wandjo sind Live-Konzerte weiter unerlässlich für einen Erfolg als Profimusiker. Die Verbreitung von Musiktiteln per Streamingdienst bringt nur wenig: rund 0,003 Cent pro Abruf.

01.01.2012, 09:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Für junge Künstler kann das Internet Experten zufolge Fluch und Segen zugleich sein. "Jeder Musiker kann heute sich und seine Werke selbst im Netz präsentieren sowie potenziell verbreiten und verkaufen", sagte Hubert Wandjo, Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir erleben eine Demokratisierung des Marktzugangs. Zugleich wird es für unbekannte Musiker schwieriger, die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, da sie sich im Netz auch inmitten millionenfacher Konkurrenz befinden". Mit Internet-Präsenz allein lässt sich Wandjo zufolge nur selten eine Karriere als Profimusiker machen.

Live-Konzerte weiter unerlässlich

"Zwar informieren sich heute die meisten Entscheider großer und kleiner Labels im Netz anhand der dortigen Popularitätsindikatoren wie Seitenklicks, Downloadzahlen oder Anzahl der aktiven Fans". Unerlässlich für eine Profikarriere seien in den meisten Fällen aber nach wie vor Live-Konzerte und eine Präsenz in den Massenmedien. Den Zugang zu den Labels allein über das Internet haben nach Wandjos Angaben bisher nur wenige Musiker geschafft. "Letztendlich brauchen Musiker heute eine wesentlich höhere Vermarktungskompetenz einhergehend mit einem erheblich gestiegenen Zeitaufwand, um sich bekanntzumachen".

Deutlich günstiger als früher seien seit langem schon die Musikproduktionen. "Mit einer Studioausrüstung von weniger als 10.000 Euro sind heute professionelle Aufnahmen möglich", sagte Wandjo. Allerdings seien auch die Einnahmen der Künstler aus dem digitalen Geschäft deutlich geringer. Rufe ein Musikfan ein Stück aus dem Internet über Streamingdienste ab, so verdiene der Künstler pro Stream in etwa 0,003 Cent. "Das Ganze wird zum Mikrogeschäft für die Kreativen".

Erste Künstler stellen ihre Titel Streamingdiensten nicht mehr zur Verfügung

Es gebe mittlerweile Künstler wie die britische Band Coldplay, die ihre Musik Streamingservices wie Simfy oder Spotify nicht mehr zur Verfügung stellten. "Sie wollen ihre Musik nicht mehr scheibchenweise verramscht wissen". Der Musikexperte fordert "einen fairen Ausgleich zwischen den Kreativen und der Netzindustrie, die auf musikalische Inhalte angewiesen ist". Aus seiner Sicht sollte die Anpassung des Urheberrechts an die Bedingungen der digitalen Musikwirtschaft forciert werden. Bestehende Regeln sollten zudem konsequenter angewendet werden.

(Jörg Schamberg)

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