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Exklusiv-Interview mit congstar-Chef Martin Knauer - Abschied vom Festnetz ist passé

Wir haben uns auf der IFA mit congstar-Chef Martin Knauer getroffen und uns unter anderem über die Einführung neuer Breitband-Tarife und LTE bei dem Discounter unterhalten.

11.09.2013, 12:46 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Bei congstar hat sich seit Jahresbeginn einiges getan. Im Mobilfunk-Segment wurde die Preisstruktur der Allnet-Flatrates neu geordnet, es wurden neue Smartphone-Tarife und innovative Breitband-Angebote eingeführt - zum Beispiel auf Basis einer Glasfaser-Kooperation mit Netcologne. Wir haben auf der IFA in Berlin mit congstar-Chef Martin Knauer über den aktuellen Stand der Dinge und das, was in den kommenden Wochen und Monaten bei der Telekom-Tochtermarke passieren wird, gesprochen.

Herr Knauer, vor zwei Jahren saßen wir auf der IFA schon einmal zusammen und damals stand congstars Abschied vom DSL-Geschäft im Raum. Ist das immer noch ein aktuelles Thema oder eher kalter Kaffee?

Knauer: "Unser Festnetzgeschäft umfasst aktuell weniger als 100.000 Kunden und man muss sehen, dass wir in diesem Segment momentan eher auf der Stelle treten. Mit Blick in die Zukunft, wollen wir uns den Handlungsspielraum, Bundle-Produkte anbieten zu können, aber nicht nehmen lassen. Momentan macht eine Bündelung von Festnetz- und Mobilfunkprodukten für uns aber noch keinen Sinn. Anders ausgedrückt: Das Festnetzangebot ist und bleibt verfügbar, wir pushen es aber nicht."

Auffällig ist auch, dass bei den klassischen DSL-Tarifen kaum noch Bewegung zu erkennen ist.

Knauer: "Unser Fokus lag in den zurückliegenden Monaten auf der Vermarktung von Mobilfunk-Produkten. Zudem muss man beachten, dass sich die von uns zu zahlenden Vorleistungspreise kaum verändert haben. Es bleibt uns also auch wirtschaftlich kaum Handlungsspielraum, um an dieser Stelle aggressiver am Markt unterwegs zu sein. Aktionen kann es immer geben, eine dauerhafte Preissenkung ist aber momentan nicht geplant."

In der Region Köln/Bonn/Aachen hat congstar jüngst eine Kooperation mit Netcologne gestartet, um Glasfaser-Tarife anbieten zu können. Sehen wir ein solches Angebot bald auch in anderen Städten?

Knauer: "Wir führen aktuell Gespräche mit weiteren City-Carriern in Deutschland, es gibt aber noch keine weitere Partnerschaft, die spruchreif wäre."

Mit mehr als drei Millionen Kunden dürfte congstar inzwischen auch profitabel arbeiten.

Knauer: "Wir haben im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von 40 Prozent verzeichnen können - nach einem Plus von 13 Prozent im Jahr 2011. Parallel haben wir 2012 die Zahl unserer neuen Vertragskunden mehr als verdoppelt. Und auch bei der gestützten Markenbekanntheit haben wir zuletzt deutlich zulegen können. Inzwischen kennen sieben von zehn Deutschen die Marke congstar. Und um Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage zu geben: Ja, die congstar GmbH wird in diesem Jahr operativ profitabel arbeiten."

In welchem Segment wird denn das meiste Geld verdient?

Knauer: "Das kann man so pauschal nicht sagen. Was ich aber verraten kann, ist, dass die Umsätze der Postpaid-Kunden bereits das Niveau der Prepaid-Kunden erreichen. Und das, obwohl wir auf einen deutlich höheren Bestand an Prepaid-Kunden blicken können. Da die Wachstumsdynamik derzeit stark durch die Postpaid-Tarife getrieben wird, werden wir hier noch weitere Verschiebungen sehen."

Lassen Sie uns etwas ausführlicher über das Thema Mobilfunk sprechen. In den letzten Jahren sind die Terminierungsentgelte immer weiter gefallen. Trotzdem gilt bei typischen Prepaid-Tarifen ein Minutenpreis von 9 Cent weiter als das Maß aller Dinge. Wann sinkt der Minutenpreis bei den Discountern mal wieder um den einen oder anderen Cent?

Knauer: "Wir würden als Branche nichts gewinnen, wenn wir den Minutenpreis weiter senken. Bei einer Absenkung auf 8 oder 7 Cent, lösen wir Reaktionen am Markt aus, wodurch sich das Niveau insgesamt verschiebt. Und ich glaube auch nicht, dass sich das Telefonieverhalten der Kunden bei einer solchen Preissenkung groß verändern würde. Es muss vielleicht auch mal eine Besinnung einkehren, dass die Preise nicht nur eine Richtung kennen. Wir als congstar fühlen uns bei 9 Cent sehr wohl und ich finde es auch ehrlich gesagt nicht langweilig, wenn der Preis nicht ständig sinkt."

Smartphone-Tarife werden immer beliebter. Werden solche Mix-Tarife mit monatlichen Freivolumina inzwischen häufiger gebucht als klassische Prepaid-Tarife?

Knauer: "Wir haben im Februar unsere Allnet Flat Tarife neu ausgerichtet und zwischendurch getestet, wie sich eine Preissenkung auf 19,99 Euro auswirkt. Das Ergebnis war ein zum Teil deutlich gestiegener Absatz. Nun überlegen wir, wie wir unsere Allnet Flat Tarife weiterentwickeln können. Der Bestseller in unserem Portfolio ist aktuell unser Smart-Tarif M für 9,99 Euro, gemessen an der reinen Anzahl der aktivierten SIM-Karten verkauft sich unser Prepaid-Tarif aber noch einmal deutlich besser."

Was können wir von congstar in Bezug auf die Surfgeschwindigkeit erwarten? Bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde im Downstream stehen inzwischen allen congstar-Kunden zur Verfügung. Wird es noch einmal eine Erhöhung der Geschwindigkeit geben?

Knauer: "Das Thema Surfgeschwindigkeit steht bei unseren Kunden nicht wirklich an erster Stelle. Wichtiger ist das Thema Zubuchbarkeit von Datenvolumen und da werden wir dieses Jahr auch noch etwas Neues anbieten. Lange reichten die zur Verfügung gestellten Highspeed-Voluminia problemlos aus, aber inzwischen ist das schnelle Surf-Volumen wegen intensiverer Nutzung häufig nach 2/3 des Monats aufgebraucht. Schauen Sie sich zum Beispiel die Situation an Bus- oder Bahnhaltestellen an. Dort steht kaum noch ein Jugendlicher ohne sein Smartphone in der Hand."

Und wie sieht es mit LTE-Angeboten aus?

Knauer: "LTE ist für uns im Moment kein Thema. Irgendwann wird LTE natürlich auch beim Discount ankommen, wann entscheiden wohl eher die Netzbetreiber. LTE steht aber definitiv auch auf unserer Wunschliste."

Wann sehen wir die erste Kooperation von congstar mit einem Musik-Flatrate-Anbieter wie Spotify oder Napster?

Knauer: "Auch darüber denken wir nach, befinden uns aber noch in einem ganz frühen Stadium. Wir sind stark anschluss- und tariforientiert, und unser Angebot basiert auf Konnektivität zu fairen Preisen. Kooperationen bringen auch immer zusätzliche Komplexität mit sich, aber es gibt das eine oder andere Gespräch darüber, wie wir unsere Marke vielleicht aufwerten könnten."

Bei blau.de hat man sich überlegt, dass Kunden für 9 Cent pro Minute aus der gesamten EU nach Deutschland telefonieren können. Wann reagieren Sie mit einem ähnlichen Angebot für congstar-Kunden?

Knauer: "Ich sehe da im Moment keinen Handlungsbedarf. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass wir dieses Thema nächstes Jahr im Sommer intensiver anpacken und bewerben werden. Jetzt in Richtung Herbst und Winter macht das aber eher weniger Sinn."

Von wo kommen die meisten Neukunden eigentlich zu congstar?

Knauer: "Wenn wir mal die reinen Neukunden außen vor lassen und uns nur über Wechsler unterhalten, dann kommen 77 Prozent der Kunden aus anderen Netzen und 23 Prozent aus dem Telekom-Netz. Wir gewinnen also überproportional neue Kunden aus fremden Netzen und ich würde sagen, wir haben unsere Hausaufgaben an dieser Stelle erledigt. Denn es ist ja gerade unsere Zielsetzung, in anderen Teichen zu fischen statt in unserem eigenen."

Bald wird congstar auch ein Firefox-Smartphone verkaufen. Welche Zielgruppe sprechen Sie damit eigentlich genau an?

Knauer: "Wir haben mit der Telekom intensiv diskutiert und waren uns am Ende einig, dass wir das Thema Firefox-Smartphone mit congstar fahren wollen. Auch, weil ein solches Telefon gut in unsere Markenpositionierung passt – flexibel und unabhängig. Im Oktober soll es losgehen zu einem Preispunkt von unter 100 Euro. Sicherlich findet gerade bei Highend-Smartphones ein wahres Wettrüsten statt, ich bin mir aber sicher, dass wir gerade bei unserer jugendlichen Zielgruppe Abnehmer für dieses Einsteiger-Telefon finden werden – und sei es zum Beispiel nur als Zweitgerät von Firefox-Fans. Wir müssen es einfach auch mal ausprobieren, um zu sehen, was passiert. Denn 2014 wird es schließlich mit LG und Sony noch weitere Hersteller geben, die mit Firefox neue Geräte planen."

Dass congstar kein klassischer Billiganbieter sein möchte, wissen wir. Hand auf's Herz: Wann ziehen Sie mal wieder einen Preishammer aus dem Hut, der für Aufsehen am Markt sorgen wird?

Knauer: "Unsere Kunden haben verstanden, dass sie, wenn sie zu congstar gehen, auch ein gutes Netz bekommen. Wir sind nicht der günstigste Anbieter, können nicht jeden Preis mitgehen, aber das wollen wir auch gar nicht. Wichtig ist, dass die Leute draußen wissen, congstar funkt im besten Mobilfunknetz Deutschlands, im Telekom-Netz. Versprechen kann ich aber schon jetzt, dass wir in Kürze Neuigkeiten für unsere Prepaid-Kunden präsentieren werden. Insbesondere Smartphone-Kunden dürfen sich schon jetzt auf Neuigkeiten aus unserem Hause freuen. Wir werden aber keinen Preispunkt unterschreiten, bei dem wir sagen könnten, dass wir fortan der billigste Anbieter am Markt sind."

Herr Knauer, vielen Dank für das Gespräch.

(Hayo Lücke)

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