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Ewige Klassiker: Papier-Grußkarten trotzen SMS und Internet

Smartphones und Online-Portale bieten unzählige Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Die Grußkarte aus Papier lässt sich trotzdem nicht unterkriegen - und verkauft sich mittlerweile wieder blendend. Sogar als Sammelobjekt ist sie begehrt.

05.05.2013, 13:01 Uhr (Quelle: DPA)
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Zum Muttertag am kommenden Wochenende bleiben die Menschen in Deutschland den Klassikern treu. Laut Handelsverband HDE zählen zu den beliebtesten Muttertagsgeschenken nach wie vor Blumen, Pralinen, Parfüm - und Glückwunschkarten. Die altmodische Karte aus Papier erlebt gerade eine kleine Renaissance.

149 Millionen Euro für Grußkarten

Laut einer Erhebung, die das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) für die Schreibwarenmesse Paperworld erstellt hat, gaben die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr 149 Millionen Euro für Ansichts- und Glückwunschkarten aus. Das waren 6,4 Prozent mehr als 2011. Dabei sah es noch 2010 ziemlich düster für die Grußkarte aus: Der Umsatz im Handel war damals innerhalb weniger Jahre um fast 30 Millionen Euro auf 128 Millionen Euro zusammengeschrumpft.

Die Kauflust sei in dieser Zeit allgemein schlechter gewesen, heißt es in der IFH-Erhebung. Viele Branchenkenner gaben jedoch den neuen Medien die Schuld an der Misere. Vor allem billige Handy-Flatrates seien eine ernstzunehmende Konkurrenz zur Grußkarte. "So viel kann ich in einer Karte gar nicht schreiben, wie ich am Telefon erzählen kann", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Hersteller und Verleger von Glückwunschkarten, Werner Lippels.

Die Grußkarte lebt weiter

Elf Verlage sind Mitglieder in dieser Gemeinschaft. Die Grußkartenhersteller in Deutschland sind hauptsächlich Mittelständler. Lippels schätzt den Branchenumsatz auf 700 Millionen Euro - bei 650 Millionen verkauften Grußkarten.

Warum die Verkaufszahlen in Deutschland mittlerweile wieder zugelegt haben, kann sich Lippels nicht ganz erklären. In den vergangenen zwei Jahren sind Smartphones und kostenlose Nachrichtenapplikationen wie WhatsApp immer beliebter geworden. Der echten Grußkarte aus Papier scheinen sie das Wasser aber nicht abzugraben. Auch virtuelle Online-Grußkarten haben die von Hand beschriebene Karte nicht verdrängt.

"Die klassische Klappkarte zum Geschenk wird noch lange bestehen", glaubt Reinhard Becker, Geschäftsführer der Grafik Werkstatt Bielefeld. Grußkarten sind das Kerngeschäft des Familienbetriebs aus Gütersloh, der auch kleine Geschenkartikel wie Schokolade, Spiele, und Kalender verkauft. Die Ansichtskarte mit Grüßen aus dem Urlaub wird es in Zukunft aber nicht mehr geben, glaubt Becker. "Da schickt man lieber schnell ein eigenes Foto mit dem Smartphone", sagt er.

Karten als Sammlerobjekte

10 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen nach eigenen Angaben allein mit Aufklapp- und Postkarten. 17 Millionen Stück verkaufte der mittelständische Betrieb 2012, der in den 1980er Jahren als Drei-Mann-Studentenprojekt an den Start gegangen war. Mit zehn Grafikern und einer Handvoll Freiberuflern entwickelt der Verlag jedes Jahr 300 neue Karten. Von dem Umsatzrückgang im Jahr 2010 habe die Grafik Werkstatt nichts gemerkt, sagt Reinhard Becker.

Aus Kunden-E-Mails und Facebook-Einträgen weiß das Unternehmen, dass viele der meist weiblichen Käufer die Karten gar nicht verschicken oder verschenken - sondern sammeln. "Viele der Karten werden zur Eigenmotivation genutzt", sagt Becker. Digitale Grüße seien schnell wieder weggeklickt. Eine analoge Karte könne man aber aufhängen. "So eine Karte ist auch ein Statement."

"Da braucht es einfach eine Karte"

Großen Erfolg hat das Unternehmen mit seiner sogenannten "Classic Line": Postkarten und Aufklappkarten, die Lebensweisheiten mit Naturaufnahmen, Tierbildern oder Herz-Grafiken kombinieren. Mit Sprüchen wie "Wohin die Reise auch geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt" funktionieren die Karten aus dieser Kollektion wie extrem komprimierte Ratgeberbücher. Gerade in Zeiten der Krise scheint das gut zu funktionieren. In den kommenden Jahren wollen die Gütersloher den französischen Markt, die Benelux-Staaten und Italien erobern.

Auf eine Grußkarte können sie dabei bauen, die ihre virtuelle und elektronische Konkurrenz sehr wahrscheinlich überleben wird: die Beileidkarte. Eine SMS oder Mail zu schicken, sei bei diesem Anlass nicht möglich, sagt Lippert. "Da braucht es einfach eine Karte."

(Christian Wolf)

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