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Evangelisch.de: Kirche startet soziales Netzwerk

Die Evangelische Kirche in Deutschland begegnet den schrumpfenden Gemeinden mit dem Aufbau einer Community im Web. Die Kirche will die Menschen dort erreichen wo sie heute sind: im Internet.

27.09.2009, 09:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Mit einem Bagger ist eine Abrissfirma in Hannover kürzlich der ausgedienten Messiaskirche zuleibe gerückt: Mangels Gottesdienstbesuchern werden von den beiden großen Kirchen stets mehr Kirchengebäude aufgegeben - findet sich kein neuer Nutzer, werden schweren Herzens auch Gotteshäuser eingerissen. Den schrumpfenden Gemeinden will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nun mit einer Offensive im Internet begegnen. An diesem Donnerstag ging das neue Portal evangelisch.de an den Start, mit dem die Kirche ein soziales Netzwerk mit protestantischer Einfärbung schaffen will. Die Hoffnung ist, Menschen die im Netz mit dem Glauben in Berührung kommen, auch offline für Kirchliches zu gewinnen.
"Wir erreichen die Menschen dort, wo sie sind"
Ziel sei es, eine evangelische Sichtweise auf Deutschland und die Welt zu vermitteln, sagt Portalleiterin Melanie Huber. Gerade auch glaubensferne Menschen sollten über das Portal und seine Diskussionsgruppen angesprochen werden. "Wir erreichen die Menschen dort, wo sie sind, im Web." Beabsichtigt sei, im Internet eine eigene Community, eine Gemeinde zu schaffen. Dabei ist evangelisch.de mehr als eine bloße Kirchen-Webseite mit Nachrichten aus Glauben und Gemeinde, die die Protestanten mit ekd.de bereits betreiben, und auch nicht schlicht ein Blog. Eine Multimedia-Redaktion gestaltet Hauptthemen täglich neu und regelmäßige Besucher des Portals können sich nach eigenen Auswahlkriterien ein Profil einrichten.
"Lebensbücher" zu Taufe, Konfirmation oder Hochzeit
Mitglieder der protestantischen Community bei evangelisch.de können Kreise zu bestimmten Themen einrichten und selbst entscheiden, ob diese Diskussionsforen allgemein einsehbar sind oder ob Interessierte erst um Mitgliedschaft bitten müssen. Mit den sogenannten Lebensbüchern wurde von evangelisch.de etwas geschaffen, was es bisher noch nicht in einem sozialen Netzwerk gibt. Zu wichtigen Ereignissen im Leben eines Protestanten wie Taufe, Hochzeit oder Konfirmation können Lebensbücher angelegt und geführt und auch Gedenkbücher für Verstorbene eingerichtet werden. Mitglieder der Community, die vom Autor eine Berechtigung erhalten, können die virtuellen Bücher mit Filmen, Videos oder Beiträgen ergänzen.
Portal finanziert sich durch Werbung
Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) betreibt evangelisch.de im Auftrag der EKD, die das Projekt mit zunächst einer Million Euro jährlich finanziert. Dabei sollen Werbeeinnahmen - nicht nur aus der kirchlichen Ecke sondern auch für Autos oder Handys, nicht aber für Alkohol - das Projekt in die schwarzen Zahlen führen. Die Frankfurter Redaktion ist mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) und der Redaktion des als Tageszeitungsbeilage verbreiteten Magazins "Chrismon" vernetzt. Die evangelischen Landeskirchen sollen evangelisch.de außerdem um eigene Inhalte ergänzen können, entsprechende Pläne gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen.

(Jörg Schamberg)

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