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Eusanet: Günstige Internetaufrüstung für kleinere Kabel-TV-Netze per EoC

Bestehende kleine TV-Kabelnetze lassen sich mit einer auf der Branchenmesse ANGA COM präsentieren neuen Lösung von Eusanet kostengünstig mit Internet aufrüsten - auch ohne DOCSIS. Zudem versorgt Eusanet erstmals eine ganze Gemeinde per Sat-Internet.

10.06.2013, 17:01 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die großen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia und Co. haben ihre Kabelnetze mittels Umrüstung auf den Standard EuroDOCSIS 3.0 bereits großflächig für die Internetnutzung fit gemacht. Doch für kleinere, private Kabelnetze ist DOCSIS in der Regel zu teuer. Eine kostengünstigere Alternative hat Eusanet, Anbieter von Lösungen für Internet per Satellit, in der vergangenen Woche auf der Branchenmesse ANGA COM in Köln präsentiert.

"Letzte Meile" kostengünstig überbrücken

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen aus dem oberfränkischen Bischberg über seine Marke Satspeed eine Sat-Internet-Lösung für kleine Kabelnetzbetreiber vorgestellt. Dieser Ansatz wird nun durch Einsatz von sogenannten EoC-Modems (Ethernet over Cable) erweitert, die unter anderem in TV-Kopfstationen bestehender Kabelnetze platziert werden. Die "letzte Meile" lässt sich nach Unternehmensangaben damit kosteneffizient überbrücken. Die geschätzten Einrichtungskosten pro Nutzer sollen mindestens 50 Prozent günstiger sein als bei DOCSIS 3.0.

Die Breitbandzuführung zu dem "Master"-Modem erfolgt über den Breitband-Satelliten Ka-Sat, das modulierte Internet-Signal wird auf das Koaxialkabel übertragen. Maximal vier Kabelstränge mit Bandbreiten von jeweils 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) lassen sich an einem EoC-Modem anschließen. Bis zum Jahresende soll sogar jeweils 1 Gigabit pro Sekunde realisierbar sein. Die maximale Übertragungsstrecke soll bei 700 bis 800 Metern liegen, abhängig unter anderem vom verwendeten Koaxial-Kabel. An einem "Master" werden bis zu 64 Online-Nutzer gleichzeitig unterstützt. Verwendet wird das HomeplugAV-Standardprotokoll.

Skalierbare Bandbreiten

Zielgruppe sind einerseits Betreiber von bestehenden Kabel-TV-Netzen in sogenannten weißen Flecken, also ländlichen Regionen mit nur unzureichender Breitbandversorgung. Andererseits soll sich das Angebot auch für kleinere Kabelnetze mit nur wenigen hundert Nutzern lohnen, die ihren Endkunden zusätzlich zum TV-Empfang auch einen Internetzugang bieten möchten.

"Ab wenigen tausend Euros ist bereits eine Umrüstung möglich", erklärte Eusanet-Geschäftsführer Stephan Schott im Gespräch mit unserer Redaktion. Optional lassen sich auch VoIP-Dienste realisieren. Die Endkunden selbst benötigen in ihrer Wohnung ein Kabelmodem. Die Netzbetreiber erhalten skalierbare Bandbreiten je nach Bedarf. Laut Schott würde Netzbetreibern das Anbieten von Internetzugängen mit Download-Bandbreiten von 6, 16 und 30 Mbit/s empfohlen.


Weiter auf Seite 2: Modellprojekt Niederstetten: Erstmals ganze Kommune per Sat-Internet versorgt

Die neue Lösung vermarktet Eusanet zusammen mit dem technischen Dienstleister STG Kommunikation in drei Varianten. Im ersten Fall rüstet Eusanet das Netz auf, Kunden können auch direkt über Eusanet bestellen. Der Netzbetreiber selbst erhält eine Provision. Im zweiten Modell baut Eusanet das bestehende TV-Kabelnetz aus, die Abrechnung und Gestaltung der Produkte erfolgt aber über den Kabelnetzbetreiber. Als dritte Variante gelten Whitelabel-Produkte unter dem Branding des Kabelnetzbetreibers, der direkter Ansprechpartner für Kunden bleibt. Nach Angaben von Eusanet-Chef Schott sollen erste Kabelnetze in rund sechs bis acht Wochen ausgebaut sein.

Sat-Internet für ganze Kommune

Erstmals in Europa versorgt Eusanet seit Mai zudem eine ganze Kommune mit Breitband per Satellit. In der Gemeinde Niederstetten im Main-Tauber-Kreis können Anwohner in sieben angeschlossenen Ortsteilen mit bis zu 30 Mbit/s per Sat-Internet im Netz surfen, Uploads erfolgen mit bis zu 5 Mbit/s.

Eusanet hat das Modellprojekt in Kooperation mit der Breitbandinitiative der baden-württembergischen Landesregierung realisiert. Nach Unternehmensangaben ist die eingesetzte technische Lösung für die Versorgung der Kommune voll förderfähig, interessierte Gemeinden könnten die Kosten für den Breitbandausbau damit erheblich senken. Zudem lasse sich das Konzept bundesweit umsetzen. Technisch sei lediglich die Erweiterung des Kabelverzweigers (KVZ) um einen Outdoor-DSLAM erforderlich. Über den KVZ wird das Sat-Internet in das vorhandene Fernsprech-Ortsnetz eingespeist. Weitere Bestandteile sind eine Satelliten-Antenne inklusive Modem für die Verbindung mit dem Satelliten und ein Server für das Dienstemanagement. Die Endkunden benötigten dagegen nur ein klassisches DSL-Modem.

"Das Projekt Niederstetten hat Signalwirkung für die kommunale Breitbandversorgung in ganz Deutschland", betont Stephan Schott. Mit weiteren Kommunen würden bereits Gespräche zur Breitbandversorgung per Satellit geführt.

(Jörg Schamberg)

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