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Europaweites Verbot von "Killerspielen" vom Tisch

In der Europäischen Union wird es auf absehbare Zeit kein einheitliches Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen oder Videos geben. Dies soll Sache der Mitgliedstaaten bleiben.

16.01.2007, 13:54 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

In der Europäischen Union wird es auf absehbare Zeit kein einheitliches Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen oder Videos geben. Es gehe nicht um ein "allgemeines Verbot", sagte EU-Justizkommissar Franco Frattini am Dienstag nach einem Treffen der europäischen Justizminister in Dresden. Dies bleibe Sache der Mitgliedstaaten.
Andere Staaten, andere Regeln
Nach Angaben von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) verständigten sich die EU-Vertreter lediglich darauf, einen Überblick über die verschiedenen nationalen Regeln gegen die so genannten Killerspiele im Internet zu veröffentlichen. In einigen EU-Staaten können junge Leute Spiele kaufen, die in anderen verboten sind.
Zypries wies Rufe nach einer Verschärfung der deutschen Regeln erneut zurück. "Wir haben ein Verbot in Deutschland", sagte sie. Der entsprechende Paragraf 131 des Strafgesetzbuchs bezieht sich allerdings nur allgemein auf gewaltverherrlichende "Schriften". Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will dagegen explizit Gewaltvideos und Spiele verbieten. Eine entsprechende Bundesratsinitiative will er innerhalb von zwei Monaten starten. Auch Niedersachsen unterstützt das bayerische Vorgehen.
Freiwillige Selbstkontrolle
Bei dem Treffen zeigte Zypries einen zweiminütigen Auszug des in Deutschland verbotenen Spiels "Manhunt" ("Menschenjagd"). Dabei muss der Spieler Mitglieder diverser Gangs auf möglichst brutale Art und Weise umbringen. Frattinis Sprecher sagte, es hätten daraufhin alle EU-Minister bekundet, solche Spiele gehörten verboten. Frattini will zudem mit den europäischen Herstellern und Vertreibern über eine freiwillige Selbstkontrolle reden. Er plädierte zudem für schärfere Kontrollen in den EU-Staaten, um den Verkauf an Minderjährige zu verhindern. Die deutschen Vorschriften hierzu hält Zypries für "ausreichend".

(Denise Bergfeld)

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