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Europaweite Lizenzen für Internet-Downloads

Rechtsvorschriften für Musik aus dem Internet sollten grundlegend reformiert werden.

08.07.2005, 08:36 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Europa muss nach Ansicht der EU-Kommission die Rechtsvorschriften für Musik aus dem Internet grundlegend reformieren, will es in diesem rasant wachsendem Markt nicht den Anschluss verlieren.
Hindernis Verwertungsrechte
Haupthindernis für diese Branche sind nach einem gestern in Brüssel vorgestellten Diskussionspapier Schwierigkeiten für eine grenzüberschreitende Wahrnehmung von Verwertungsrechten. Derzeit müssten solche Urheberrechte zwischen jedem Land einzeln ausgehandelt werden, was eine Vielzahl einzelner Verträge und damit hohe Kosten zur Folge habe. Notwendig sei deshalb ein europaweite Wahrnehmung der Musikrechte, was völlig neue Strukturen erfordere.
Nach Schätzungen der Kommission dürften die Kosten für eine Wahrnehmung der Musikrechte in allen 25 Mitgliedstaaten auf Basis des derzeitigen Systems bei fast 500.000 Euro liegen. Bei einer typischen Marge von zehn Cent für ein aus dem Internet heruntergeladenes Musikstück könne ein Anbieter somit erst nach fast fünf Millionen Abrufen im Internet oder über Mobiltelefone einen Gewinn erzielen. Das erläre auch die vergleichsweise geringen Umsätze für den legalen Musik-Download in der EU, der im vergangenen Jahr mit gut 27 Millionen Euro nur etwa ein Achtel der US-Umsätze erreicht habe. Für dieses Jahr werde mit einer Zunahme der EU-Umsätze auf gut 106 Millionen Euro gerechnet, in den USA allerdings auf fast 500 Millionen Euro.
GEMA Marktführer
Derzeit gibt es in der EU knapp 200 Verwertungsgesellschaften, die für ihre 1,6 Millionen Kunden Gelder für die Nutzung und Aufführung vor allem von Musikstücken einziehen. Die deutsche GEMA war laut Kommissionsstatistik im Jahr 2003 mit fast 814 Millionen Euro eingenommenen Gebühren Branchenführer vor der SACEM in Frankreich (709 Millionen Euro) und der SIAE in ItalienMillionen Euro). Nur zehn Verwertungsgesellschaften nahmen mehr als 100 Millionen ein, 165 Rechteverwerter allerdings weniger als zehn Millionen Euro. Geht es nach der Kommission, soll der bislang an den jeweiligen Landesgrenzen endende Urheberrechtsschutz von jeder Gesellschaft europaweit verfolgt werden. Davon verspricht sich die Behörde mehr Wettbewerb und höhere Einnahmen für die Rechteinhaber.

(Hayo Lücke)

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