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Europa zockt am meisten, Briten halten Highscore

Ob auf der Konsole, am PC, per Mobiltelefon, online oder offline– wir Europäer zocken weltweit am meisten. Die Briten lassen hiesige Spielernaturen jedoch hinter sich.

16.08.2007, 11:31 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Üblicherweise sind Wirtschaftsprüfer nicht unbedingt die Computerspiel-Experten. Aber wenn die Games Convention vor der Tür steht, macht PricewaterhouseCoopers (PwC) eine Ausnahme: Die Beratungsgesellschaft hat die Taschenrechner ausgepackt und durchgerechnet, was die Spieleindustrie in den kommenden vier Jahren finanziell zu erwarten hat. Das Ergebnis: Der europäische Spielemarkt boomt weltweit am stärksten, Europameister in Sachen zocken sind die Briten.
Geld macht attraktiv
Der Video- und Computerspielemarkt hat mittlerweile stark an Bedeutung gewonnen und wo Milliardenbeträge fließen, sind die Wirtschafts- und Beratungsunternehmen nicht weit. PwC hat nun anlässlich der bevorstehenden Games Convention, die am Donnerstag, 23. August in Leipzig startet, in ihrem aktuellen "Global Entertainment and Media Outlook: 2007-2011" Umsatzprognosen für die kommenden Jahre angestellt. So wird der Branchenumsatz in Deutschland bis 2011 um jährlich knapp 9,7 Prozent auf umgerechnet rund 2,52 Milliarden Euro steigen und damit überdurchschnittlich wachsen. Im Jahr 2006 wurden hierzulande umgerechnet noch knapp 1,56 Milliarden Euro umgesetzt.
"Die Spieleindustrie profitiert in Deutschland von der wachsenden Verbreitung schneller DSL-Internetzugänge, die technisch anspruchsvolle Online-Spiele erst mögliche machen", so Frank Mackenroth von PwC Deutschland. Allerdings wachsen die Umsätze in anderen europäischen Ländern schneller: Der britische Markt wächst mit durchschnittlich 11,2 Prozent im Jahr europaweit am schnellsten, während die Zuwächse in Frankreich mit jährlich 10,2 Prozent nur leicht höher ausfallen als in Deutschland. Hierzulande scheinen Zocker aber nicht sonderlich auf Spielkonsolen zu stehen und haben es mit strengeren Jugendschutzbestimmungen beim Verkauf von Computerspielen zu tun. Zumindest führen die Wirtschaftsprüfer diese Gründe an, warum Deutschland hier hinterher hängt.
Online holt auf, PC bleibt zurück
Im vergangenen Jahr das Volumen des europäischen Computer- und Videospielemarkts noch bei umgerechnet rund 6,96 Milliarden Euro. Bis 2011 soll er umgerechnet knapp 11,41 Milliarden Euro betragen. Zum Vergleich: In Asien wird der Branchenumsatz voraussichtlich auf umgerechnet mehr als 13,93 Milliarden Euro, in den USA auf knapp 9,26 Milliarden Euro steigen. Umsatz-Zugpferd sind in Europa die Videospiele für Konsolen: So soll die Zahl verkaufter Titel zwischen 2006 und 2011 von 148 Millionen auf mehr als 200 Millionen steigen. Jedoch fließt das Geld durch Lizenzen und Abo-Gebühren für Online-Spiele erheblich schneller in die Kassen der Branche. So wurden im vergangenen Jahr europaweit umgerechnet gut 3,93 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Konsolen-Spielen verdient, bis 2011 soll hier mit rund 5,41 Milliarden Euro der größte Umsatzanteil erwirtschaftet werden. Die Online-Spiele können aktuell umgerechnet knapp 0,89 Milliarden Euro für sich verbuchen, bis 2011 sollen es dann bereits 2,67 Milliarden Euro sein.
Auch auf dem kleinen Handydisplay lässt sich gut daddeln, glaubt man den Umsatzprognosen: Während mit Spielen für Mobiltelefone in 2006 umgerechnet schon 1,04 Milliarden Euro umgesetzt wurden, sollen es in vier Jahren bereits fast 2,3 Milliarden Euro sein. Ein ganz anderes – und für Computerspiel-Veteranen vielleicht erschreckendes – Bild zeichnet sich am Markt für PC-Spiele ab. Hier wurden im vergangenen Jahr umgerechnet gerade mal 1,11 Milliarden Euro verdient – fürs Jahr 2011 gibt PwC keinen Wert an. Ob das ein Ende der guten alten Tastatur-Maus-Kombi beim Zocken bedeutet, bleibt abzuwarten.

(Aleksandra Leon)

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