Strengere Regeln für Video on Demand

EU will Netflix, Amazon Prime & Co 20-Prozent-Quote für europäische Inhalte vorschreiben

EU-Kommissar Andrus Ansip will offenbar eine Quote für Video-Streaming-Dienste einführen. Demnach sollen Netflix, Amazon Prime & Co mindestens 20 Prozent lokale Filme und Serien aus Europa anbieten. Die Video-on-Demand-Anbieter würden damit hinsichtlich der Regulierung Fernsehsendern gleichgestellt.

Jörg Schamberg, 19.05.2016, 18:07 Uhr
Video DownloadInhalte per Quote: Greift die EU regulierend bei Netflix, Amazon & Co ein?© goodluz / Fotolia.com

Brüssel - Dank Video-Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon Prime werden Internetnutzer zu eigenen Programmdirektoren. Sie können Filme und Serien aus dem breiten Programmangebot jederzeit nach Wunsch abrufen und auf PC, mobilen Geräten oder den heimischen Fernseher streamen. Jetzt hat sich aber die EU-Kommission in Brüssel eingeschaltet und will bei den Inhalten ein Wort mitsprechen - und regulierend eingreifen. Wie Andrus Ansip, Kommissar für den digitalen Binnenmarkt und zugleich Vizepräsident der EU-Kommission, der französischen Zeitung "Les Echos" mitteilte, sollen große Streaming-Anbieter per Quote dazu verpflichtet werden, auch lokale Inhalte der jeweiligen Märkte anzubieten.

Mindestens 20 Prozent lokale Inhalte

Ein ausschließlich aus US-Serien und Hollywood-Blockbustern bestehendes Angebot, soll - trotz großer Nachfrage seitens der Kunden nach US-Titeln - nach den Vorstellungen des EU-Kommissars künftig nicht mehr möglich sein. Laut Ansip sollten Netflix, Amazon & Co mindestens 20 Prozent europäische Filme und Serien in ihrem Angebot bereithalten. Damit würden die Streaming-Dienste mit Fernsehsendern gleichgestellt. Konkret soll offenbar die EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste aus dem Jahr 2010 aktualisiert werden. Einen entsprechenden Entwurf hat das Portal "EurActiv" veröffentlicht.

Angedacht sei auch, dass die lokalen Inhalte auf der Startseite der Dienste entsprechend Berücksichtigung finden. Das würde allerdings dem derzeitigen Personalisierungs-Feature von Netflix und Amazon zuwiderlaufen. Beide Anbieter schneiden das Angebot auf der Startseite zumindest teilweise auf die Sehgewohnheiten der einzelnen Nutzer zu. Wer also kaum deutsche Filme anschaut, wird in der Regel auch keine entsprechenden Vorschläge auf der Portalseite seines Streaming-Dienstes finden.

Erste eigene, deutsche Serien von Netflix und Amazon starten 2017

Netflix und Amazon setzen bereits seit einiger Zeit auch auf eigenproduzierte Inhalte wie "House of Cards", "Orange is the new Black", "The Man in the High Caste", "Transparent" und vielen weiteren. Auch erste deutsche Produktionen sind geplant. Amazon hat etwa Matthias Schweighöfer für die Serie "Wanted" verpflichtet, die Ausstrahlung ist für Anfang 2017 anvisiert. Ebenfalls im kommenden Jahr wird mit "Dark" die erste deutsche Serie von Netflix an den Start gehen. Bezeichnenderweise haben beide Serien einen englischsprachigen Titel. Das ist offenbar einer späteren weltweiten Vermarktungsmöglichkeit geschuldet, die die großen Player im Video-on-Demand-Geschäft immer im Blick haben. Bereits bei Netflix angelaufen ist mit "Marseille" zudem die erste eigene französische Serie des Anbieters.

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