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EU verbietet mobilcom das Online-Geschäft

Update: mobilcom lenkt ein: Um finanzielle Hilfen für die Neuausrichtung des Unternehmens zu erhalten, will mobilcom der Forderung der EU-Wettbewerbshüter nun doch nachkommen.

28.09.2005, 09:37 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Harter Schlag aus Brüssel gegen den Mobilfunk-Service-Provider mobilcom: Zwar hat die EU-Kommission die staatlichen Beihilfen, die den Mobilfunk-Serviceprovider im Herbst 2002 vor einer Pleite retteten genehmigt, allerdings nur unter Auflagen.
Wettbewerbsausgleich angesetzt
mobilcom darf demnach für einen Zeitraum von sieben Monaten keine Online-Abschlüsse für Mobilfunkverträge im Internet vertreiben, entschied die Behörde. Der Direktvertrieb über das Internet stelle einen zunehmend wichtigen Vertriebskanal dar. Mit der Sperre solle der wettbewerbsverzerrende Charakter der damaligen Beihilfe ausgeglichen werden, der mobilcom gegenüber Wettbewerbern einen Vorteil verschafft habe.
Im Zusammenhang mit hohen Investitionen in die UMTS-Lizenzen und einer aggressiven Expansionsstrategie war das Unternehmen aus Büdelsdorf in eine schwere Krise geraten. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein griffen dem Unternehmen deshalb im Herbst 2002 unter die Arme und sicherten mit Staatsbürgschaften einen Kredit über 138,3 Millionen Euro für das Telefonunternehmen ab. Als Beihilfe rechnete die EU-Kommission davon 112 Millionen Euro an. Gelder für neue Marketingstrategie genutzt?
Die Kommission monierte, dass mobilcom diese Unterstützung nicht nur zur Neustrukturierung genutzt habe, sondern auch für die Einführung einer neuen Marketingstragie für profitablere Kundengruppen. Die Unterstützung hatte nach Einschätzung der Brüsseler Wettbewerbshüter deshalb einen besonders wettbewerbsverzerrenden Effekt auf die damaligen Mitbewerber von mobilcom, weil auch diese angesichts des gesättigten deutschen Mobilfunkmarkts ihre Geschäftsstrategie neu ausrichten mussten.
Bei mobilcom löste das Urteil alles andere als Begeisterung aus. Das Unternehmen künfigte an, rechtliche Schritte gegen den Beschluss folgen zu lassen.
mobilcom übt Kritik
"Die Entscheidung ist nach unserer Überzeugung rechtlich nicht haltbar", erklärte Dr. Thorsten Grenz, Vorstandsvorsitzender der mobilcom AG. "Ich halte es unternehmerisch für widersinnig, einerseits die Bürgschaft als Beihilfe zu genehmigen und andererseits die Fortsetzung des Wiederaufstiegs des Unternehmens zu behindern", so Grenz weiter. Das Unternehmen habe aus eigener Kraft innerhalb eines Jahres die Ertragswende erreicht und die Kredite zurückgezahlt.
Unabhängig vom Ausgang der Anordnung der EU-Kommission hält mobilcom an der bisherigen Prognose für das Geschäftsjahr fest. "Unser Ziel, zum Jahresende einen Kundenbestand von 4,4 Millionen zu erreichen, wird durch die starke Performance der anderen Vertriebskanäle sicher erreicht", bestätigte Grenz. Auch das Ziel, im Geschäftsbereich Mobilfunk-Serviceprovider ein leicht positives operatives Ergebnis auf EBIT-Basis zu erreichen, sei nicht gefährdet. Update: mobilcom reicht Klage ein
Unbekümmert tritt mobilcom mit einem Relaunch seines Online-Shops die Flucht nach vorne an.
Noch im November soll der neue Online-Auftritt unter www.mobilcom-direkt.de starten, teilte der Konzern heute in Büdelsdorf mit. Außerdem wurde gegen die Entscheidung der EU-Kommission Klage vor den Europäischen Gerichtshof eingereicht.
Auch die Bundesregierung habe sich zu einer Klage gegen die EU-Kommission entschlossen. "Die mobilcom AG wird den Online-Shop nicht auf EU-Anordnung schließen und beantragt, die Entscheidung für nichtig zu erklären", betont Dr. Thorsten Grenz, Vorstandsvorsitzender der mobilcom AG. Update 28. September 2005: Nun doch Schließung
Um rechtlichen Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission aus dem Weg zu gehen, will die mobilcom AG ihren Onlineshop nun doch für sieben Monate schließen. Dies erfuhr das "Handelsblatt" aus Kreisen des Unternehmens. Die Einigung mit den Brüsseler Wettbewerbshütern soll möglicherweise noch in dieser Woche erfolgen.
mobilcom wurde von der EU zur vorübergehenden Schließung verdonnert, um möglichen Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen. Im Gegenzug werden dem Büdelsdorfer Unternehmen millionenschwere Staatshilfen für die Neuausrichtung gewährt. Die Büdelsdorfer hatten vor einigen Jahren vom Bund und vom Land Schleswig-Holstein Garantien und Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau über rund 112 Millionen Euro erhalten. Auf diese Weise konnte eine drohende Insolvenz abgewendet werden.
Ausfälle überschaubar
Starke Auswirkungen auf das Neukundengeschäft hätte eine Schließung wohl kaum. mobilcom vertreibt seine Mobilfunkverträge in erster Linie über seine Shops und Fachhändler. Über den Online-Shop werden hingegen jährlich nur etwa 20.000 bis 30.000 neue Kunden gewonnen, heißt es aus Kreisen des Unternehmens.
Auf der Homepage von mobilcom sollen auch künftig Angebote angepriesen werden, eine Bestellung wird nach Informationen der Zeitung aber nur über eine spezielle Hotline möglich sein.

(Hayo Lücke)

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