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EU stellt Strategie gegen Cyber-Angriffe vor

Die EU-Kommission setzt für einen besseren Schutz des Internets auf stärkere internationale Zusammenarbeit, die Erstellung von Notfallplänen und regelmäßige Übungen zum Katastrophenmanagement.

31.03.2009, 17:48 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Das Internet zieht Millionen Websurfer weltweit in seinen Bann. In der EU nutzten 2007 bereits 93 Prozent der EU-Unternehmen und 51 Prozent der EU-Bürger das Internet aktiv. Diese Zahlen dürften aktuell noch zugenommen haben. Doch das globale Netz, das von Surfern beruflich, zur Informationsbeschaffung, zum Online-Shopping oder zur Unterhaltung genutzt wird, ist stets gefährdet. Die Cyberangriffe von 2007 auf die Netzinfrastruktur von Ländern wie Litauen, Estland oder auch Georgien riefen die EU-Kommission auf den Plan, eine Strategie zum Schutz vor solchen Attacken zu entwickeln.
Hoher Milliardenschaden droht
Estnische Großbanken hatten ihre Online-Dienste einstellen müssen, das estnische Parlament war zwölf Stunden lang vom E-Mail Verkehr abgetrennt. Experten gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines weltweiten, größeren Ausfalls der Telekommunikationsnetze in den nächsten zehn Jahren bei zehn bis 20 Prozent liegt. Der Schaden für die Weltwirtschaft wäre dabei mit geschätzten 193 Milliarden Euro immens. Neben natürlichen Ursachen wie Naturkatastrophen, Hardware-Ausfällen oder Unterbrechung von Unterseekabeln liegt eine besondere Bedrohung des Internets auch in kriminellen Cyberattacken.
Internationale Abwehrstrategie ist erforderlich
Die streitbare und engagierte zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding macht sich Gedanken um die Sicherheit des Internets. "Europa muss an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, unsere Bürger, Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in die Bemühungen zur Erhöhung der Sicherheit und Robustheit der kritischen Informationsinfrastrukturen in Europa einzubinden", erklärte Reding. "Bei der Cyber-Sicherheit Europas dürfen wir keine Schwachstellen zulassen", so Reding weiter. Denn das Internet ist für die Unternehmen inzwischen unverzichtbar geworden. 2007 hatten die EU-Unternehmen bereits elf Prozent ihres gesamten Umsatzes online abgewickelt, drei Viertel der Unternehmen nutzen Online-Banking. Auch für den Zugang zu Behörden griff die Mehrheit der Betriebe auf das elektronische Netz zurück. Bislang gebe es laut EU nur nationale Konzepte, die sich jedoch stark unterscheiden. Da das Internet aber ein weltumspannendes Netz sei, ist auch eine internationale Abwehrstrategie erforderlich, um die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen gegen Cyberattacken zu erhöhen. Die 2006 verabschiedete Strategie für eine sichere Informationsgesellschaft (IP/06/701) soll mit der aktuellen Initiative weiterentwickelt werden.
Stärkerer Informationsaustausch und Notfallpläne
Die Schutzmaßnahmen, für die alle Bürger sensibilisiert werden sollen, basieren auf fünf Säulen. Zur besseren Prävention und Abwehrbereitschaft soll der Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Behörden verbessert werden. Zur Erkennung und Reaktion soll ein europäisches Alarmierungssystem aufgebaut werden. Die Folgen von Cyberattacken sollen sowohl durch nationale als auch multinationale Notfallpläne gemildert werden. Zudem soll das Katastrophenmanagement in regelmäßigen Übungen erprobt werden. In internationaler Zusammenarbeit will die EU ihre Prioritäten und Leitlinien für die Stabilität des Internets entwickeln. Schließlich sollen die bestehenden nationalen Konzepte durch einen europäischen Kriterienkatalog für den Schutz der Telekommunikations-Infrastruktur ergänzt werden. Auch die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) soll sich auf Wunsch der EU-Kommission einbringen und die länderübergreifende Kooperation fördern.

(Jörg Schamberg)

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