Soziales Netzwerk

EU-Kommission hat nach Datenskandal weniger Vertrauen in Facebook

Facebook hat nach dem publik gewordenen Datenmissbrauch nicht nur bei Nutzern und Unternehmen viel Vertrauen verloren. Auch das Vertrauensverhältnis zur EU-Kommission ist nach Ansicht von EU-Kommissarin Jourová beschädigt. Sie fordert von Facebook Aufklärung über den Datenskandal.

Europäische Union© mik ivan / Fotolia.com

Brüssel - EU-Kommissarin Vera Jourová hat in einem Schreiben an die Geschäftsführung von Facebook vor negativen Auswirkungen durch Datenmissbrauch auf demokratische Wahlen gewarnt. Das soziale Netzwerk sei seit vielen Jahren eine Plattform für Politmarketing, schreibt Jourová in einem Brief an Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, der der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt. "Die jüngsten Nachrichten deuten jedoch darauf hin, dass ein Mangel an Transparenz und der Missbrauch persönlicher Daten auch negative Auswirkungen auf die Qualität dieser Debatte und sogar auf unseren Wahlprozess haben könnte.

Facebook kann Bedenken der EU-Kommission nicht ausräumen

Die offiziellen Äußerungen des Konzerns und ihres Chefs Mark Zuckerberg hätten ihre Bedenken nicht ausräumen können, schreibt die EU-Justizkommissarin weiter. Der Brief wurde am Montagabend versandt. Am Montag hatte sich auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit europäischen Facebook-Vertretern zum Gespräch in Berlin getroffen.

Vor rund einer Woche war bekanntgeworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mit Hilfe dieser Daten sollen Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung beeinflusst worden sein.

EU-Kommissarin bittet Facebook um Aufklärung über Datenskandal

Jourová wirft dem sozialen Netzwerk zudem vor, das Verhältnis zur EU beschädigt zu haben. Man habe sich um ein vertrauensvolles Verhältnis bemüht und mehrfach gut zusammengearbeitet, heißt es in dem Brief an Sandberg. "Das Vertrauen ist jetzt geringer."

Deshalb bittet Jourová um Aufklärung. Unter anderem fragt sie, ob EU-Bürger von dem aktuellen Datenskandal betroffen seien und ob sie sicher sei, dass sich ein solcher Fall heute nicht wiederholen könne. Sie wolle besser verstehen, wie Daten von Facebook-Nutzern ohne ihr Wissen in die Hände von Dritten geraten konnten. Für eine Antwort innerhalb von zwei Wochen sei sie dankbar, heißt es weiter.

Zuckerberg entschuldigt sich per Zeitungsanzeigen bei deutschen Nutzern

Im Skandal um die unerlaubte Nutzung der Daten von Millionen Facebook-Nutzern hat sich Unternehmenschef Mark Zuckerberg unterdessen in Zeitungsanzeigen bei den Nutzern in Deutschland entschuldigt. "Du hast vermutlich gehört, dass die Quiz-App eines Wissenschaftlers im Jahr 2014 unerlaubt die Facebook-Daten von Millionen von Menschen weitergegeben hat", hieß es am Dienstag in der ganzseitigen, von Zuckerberg unterzeichneten Anzeige, die unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stand. "Das war ein Vertrauensbruch, und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass wir damals nicht mehr dagegen getan haben." Facebook unternehme nun die notwendigen Schritte um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiere.

Jörg Schamberg / Quelle: DPA

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