ANGA COM

EU-Kommissar Oettinger fordert europaweiten Rollout von 5G

EU-Kommissar Oettinger sieht Europa bei der 5G-Forschung gut aufgestellt, bei bisherigen Technologien wie LTE sei der Rollout aber im Schneckentempo verlaufen. Auf der ANGA COM sprach sich Oettinger für einen zeitgleichen Rollout von 5G in ganz Europa aus. Die Breitband-Förderung müsse zudem längerfristig angelegt sein.

Jörg Schamberg, 08.06.2016, 10:19 Uhr
ANGA COM EU-Kommissar Günther OettingerEU-Kommissar Günther Oettinger war für eine Keynote zur Kabelmesse ANGA COM nach Köln gekommen.© i12 GmbH

Köln – Den zweiten Tag der Kabelmesse ANGA COM eröffnete am Mittwochmorgen um 9:00 Uhr Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, mit einer Keynote. Angesichts der relativ früh angesetzten Veranstaltung war der Kongresssaal in der Kölner Messehalle aber nur zur Hälfte gefüllt. ANGA-Präsident Thomas Braun betonte zur Begrüßung Oettingers, dass die Vorgaben aus Europa für die Telekommunikationsbranche von Bedeutung sind, auch Vectoring habe den Weg nach Brüssel gefunden.

Oettinger kritisiert übermäßige Bürokratie durch fehlenden digitalen Binnenmarkt in Europa

Günther Oettinger erklärte, dass man nicht alle Themen der Politik europäisieren müsse und wies auf die steigende EU-Skepsis hin. Aber die Europäisierung von digitalen Strategien mache Sinn. Es gebe einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt, dadurch würden die Produkte für Verbraucher günstiger. Einen digitalen Binnenmarkt gebe es in Europa dagegen noch nicht. Es existieren laut Oettinger beispielsweise immer noch 28 nationale Datenschutzregelungen. Ein App-Entwickler müsse, wenn er die App europaweit veröffentlichen wolle, immer auch die diversen nationalen gesetzlichen Bestimmungen beachten. "Das ist Bürokratie pur", kritisiert der EU-Kommissar. "Lieber einmal Bürokratie statt 28 Bürokratien", fordert Oettinger. In Deutschland würden zudem noch 16 Landesregierungen hinzukommen.

Gigabit-Gesellschaft ist keine ferne Zukunft - Datenbedarf wird explosiv nach oben gehen

Bislang sei die Telekomwirtschaft hauptsächlich Dienstleister für Telefonie gewesen, doch zunehmend stelle sie zentrale Dienstleistungen für alle anderen Wirtschaftsbereiche bereit. Oettinger führte vernetzte Autos oder Telemedizin als Beispiele an. "Vermutlich werden Sie die spannendste Branche der nächsten Jahre sein", richtete sich Oettinger direkt an die Kongressbesucher. Die Branche fungiere als Türöffner für alle möglichen Dienste. Benötigt werde aber eine Konnektivitätsstrategie. Der Datenbedarf werde "explosiv nach oben gehen" durch das Internet der Dinge, vernetzte Autos, soziale Medien und mehr. Selbst die Landwirtschaft setze auf moderne Technik, dies klappe aber nur, wenn der Acker nicht im Funkloch ist. Die Gigabit-Gesellschaft sei keine ferne Zukunft.

Der Wert eines Grundstücks werde nicht mehr von der verkehrsgünstigen Lage geprägt sein, sondern von "online" oder "offline", von der Verfügbarkeit von Highspeed-Internet. "Wir brauchen paneuropäisch, grenzüberschreitend und auch im ländlichen Raum schnelles Internet", macht sich Oettinger für den Breitbandausbau stark.

Oettinger ärgert sich über Funklöcher bei grenzüberschreitenden Reisen

Der deutsche EU-Kommissar und ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg kritisierte, dass er bei einer grenzüberschreitenden Reise von Deutschland nach Holland und Belgien jedes mal Funklöcher erlebe. "Das darf nicht wahr sein", so Oettinger. Das seien afrikanische Verhältnisse in Europa. Bei der Entwicklung von Mobilfunktechniken war Europa immer vorne mit dabei, auch bei LTE. Beim Rollout sei der Kontinent aber im Schneckentempo unterwegs.

Europa bei 5G-Forschung gut aufgestellt

"Noch immer ist LTE nicht die Regel, die Koreaner sind uns weit voraus", betont Oettinger. Bei 5G sei die europäische Forschung dagegen gut aufgestellt. Europa habe 700 Millionen Euro bereitgestellt, die Industrie gebe 3,5 Milliarden Euro hinzu. In diesem Bereich sei man in der Aufholjagd mit Südkorea gut unterwegs. Der für 2020 anvisierte Start von 5G müsse für ganz Europa gelten, beim Rollout müsse auch Russland mit einbezogen werden. "Konnektivität ist kontinental", so der EU-Kommissar.

Langfristige Breitband-Förderung soll mehr Ordnung bringen

Im Breitband-Sektor gebe es immer noch eine chaotische Förderung. Mal sei der Bund, mal das Land oder die Kommune zuständig. Die Förderung müsse aber längerfristig, auf fünf bis acht Jahre angesetzt sein. "Dann bekommen wir Ordnung ins System", betont Oettinger. Derzeit beraten die europäischen Regulierungsbehörden in Brüssel über den Vectoring-Antrag der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) zum exklusiven Vectoring-Ausbau im Nahbereich der Hauptverteiler.

"Wir halten Vectoring für tragfähig, wenn dadurch nicht der Wettbewerb geschwächt wird", erläutert der EU-Kommissar. Investitionen dürfen nicht in Gefahr laufen, eine Remonopolisierung dürfe es zudem nicht geben. Im Herbst gehe die EU außerdem das Thema digitales Urheberrecht an.

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