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ESPN stellt 3D-Sportsender ab - schlechtes Omen für 3D-TV

Der US-Fernsehsender ESPN stellt seinen 3D-Kanal ein, das Interesse der Zuschauer war zu gering. Steht dem 3D-TV nun eine düstere Zukunft bevor?

17.06.2013, 17:52 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Auch der TV-/Heimkino-Markt muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um neue Geräte zu verkaufen. Erst kam High Definition (HD), jetzt ist die Weiterentwicklung Ultra HD (4K) mit einer noch schärferen Darstellung verfügbar. Dazwischen schob die Branche - wieder einmal - eine 3D-Phase ein. Nicht nur im Kino, auch zuhause können Filmfreunde mit 3D-Fernseher und passender Brille Tiefeneffekte genießen. Doch abseits der Blockbuster lassen die Fernsehzuschauer die 3D-Brille offenbar lieber in der Schublade: Der US-Fernsehsender ESPN hat in der vergangenen Woche das Ende seines 3D-Kanals bekannt gegeben, wie die "New York Times" ("NYT") berichtet. Der Grund war ein zu geringes Interesse seitens der Kundschaft. Ein Signal für ein abflauendes 3D-Geschäft?

Zu wenig Interesse an 3D-Sport im Wohnzimmer

ESPN 3D startete im Juni 2010 mit der Übertragung des FIFA World Cup und sendet neben 3D-Live-Übertragungen dreidimensional aufbereitete Spielaufzeichnungen. Nun wird der Kanal abgestellt, da die Kunden das 3D-Angebot für ihr Zuhause nur "beschränkt" angenommen haben.

Was in den eigenen vier Wänden und bei Sportveranstaltungen nur mäßig genutzt wird, kommt auf der großen Kinoleinwand besser an. Dennoch hat sich die Zahl der 3D-Filme nicht gesteigert, sondern ist gesunken. Laut "NYT" wurden im vergangenen Jahr 36 Kinofilme in 3D herausgebracht, im bisherigen Top-Jahr 2011 waren es der Motion Picture Association of America (MPAA) zufolge 20 Prozent mehr.

In Europa und Asien - und im Kino - läuft es besser

Die "New York Times" befragte dazu die Marktforscher von Gartner, die in diesem Zusammenhang ein "Henne-Ei-Problem" sehen: 3D-Inhalte würden nicht entwickelt, da 3D-Fernseher in den Haushalten nur wenig verbreitet seien, während die Konsumenten wiederum auf ein größeres 3D-Angebot warten, damit sich die Anschaffung eines solchen Fersehgerätes lohnt. Das erinnert stark an die Situation der alternativen Zahlungsmethoden, die ebenfalls immer wieder einen neuen Anlauf unternehmen. Ohne breite Kundenakzeptanz keine lange Händlerliste - und umgekehrt.

Aus den Kosten für 3D-fähige Fernseher dürfte das geringe Kundeninteresse an 3D im Wohnzimmer trotzdem nicht resultieren, denn diese sind nur wenig teurer als andere Flatscreens. Weniger erwärmen können sich viele Nutzer hingegen für die Brille. Zwar sind Polarisationsbrillen deutlich leichter und günstiger als Shutter-Modelle und teilweise auch mehrfach im Lieferumfang enthalten. Dennoch können sie sich in der Praxis als Hindernis erweisen, wenn viele Freunde zu Besuch kommen und nur die mittig Sitzenden ein stabiles 3D-Bild zu Gesicht bekommen. An der Blickwinkelabhängigkeit ändern auch Displays, die ohne jegliche 3D-Sehhilfe auskommen, nichts.

Ob der 3D-Trend nun wieder abflaut oder nicht, wird sich zeigen. In Europa und Asien laufe der Verkauf der Geräte jedenfalls besser als in den USA, merkt das Marktforschungsunternehmen NPD gegenüber der "NYT" an. Und ESPN lässt sich ein Türchen zur 3D-Welt offen, um in Zukunft gegebenenfalls die gesammelten Erkenntnisse für einen weiteren Versuch zu nutzen. Auch mit dem neuen 4K-Format experimentiere der Sender. Für Ultra HD ist zwar keine Brille nötig, wohl aber ein neuer Fernseher - und neuer Content.

Sport in 3D gibt es hierzulande bei Sky: Der Pay-TV-Sender strahlt zum Beispiel im Juli die Wimbledon Finalspiele aus, hat aber auch immer mal wieder Filme in 3D im Programm.

(Saskia Brintrup)

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