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Es wird eng: Droht Spielkonsolen das Aus?

Smartphones und Tablets schnitten den erfolgsverwöhnten Gaming-Riesen empfindliche Stücke aus der Umsatz-Torte. Nun schicken sich US-Firmen an, Spiele auf den Fernseher zu bringen.

26.09.2012, 10:12 Uhr (Quelle: DPA)
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Es könnte das Ende der Spielekonsolen bedeuten: Die amerikanischen Telekom-Firmen AT&T und Verizon Communications sowie Time Warner Cable verfolgen einem Medienbericht zufolge konkrete Pläne, Spiele schon bald direkt über den Fernseher anzubieten.

Spiele als Geldquelle entdeckt

Erste Test eines solchen Cloud-Dienstes könnten noch in diesem Jahr beginnen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Personen. Traditionelle Konsolen wie die Playstation von Sony oder Microsofts Xbox 360 könnten dann für die Nutzer überflüssig werden.

"Jeder hat einen Fernseher", sagte Atul Bagga, Analyst bei Lazard Capital Markets in San Francisco Bloomberg. Kabelbetreiber und Telekomfirmen hielten derzeit nach neuen Geschäftsmodellen Ausschau. Und mit populären Spielen über den Fernseher, das Internet und Smartphones könnten Provider ihren Kunden einen neuen Service bieten.

Dabei sei geplant, über Online- und Gelegenheitsspiele wie Farmville von Zynga oder Tetris und Solitär hinaus auch ausgereifte Action-Spiele etwa von Electronic Arts anzubieten. Für die Technologie zur schnellen Übertragung ohne Zeitverzögerung seien die Provider in Gesprächen mit Start-ups wie die Streaming-Dienstleister Playcast Media Systems, CiiNOW und Agawi, hieß es.

Umsatz-Einbruch durch Smartphones und Tablets

Diese Unternehmen hätten entsprechende Gespräche mit amerikanischen Providern bestätigt, allerdings keine Namen genannt. Eine Sprecherin von AT&T erklärte Bloomberg zufolge, das Unternehmen suche nach einzigartigen Wegen, um TV- und Breitbandkunden Cloud-Gaming-Services anzubieten.

Für die großen Konsolen-Hersteller könnten damit schwere Zeiten anbrechen. Dem Marktforschungsunternehmen NPD zufolge war der Spielekonsolenmarkt 2011 allein in den USA rund 24,1 Milliarden Dollar schwer.

Auch Microsoft gibt sich "verspielt"

Die Branche hat bereits deutliche Einbrüche erlebt, als Gelegenheitsspiele auf Smartphones und Tablets zur Konkurrenz heranwuchsen. Auch Online-Games am PC sind durch die inzwischen gute Verbreitung von Breitband-Internet zu einer großen Herausforderung geworden.

Unterdessen schmiedet aber auch Microsoft Pläne für seine Online-Plattform Xbox Live - und will selbst verstärkt zum Anbieter von Filmen werden. Vergangene Woche warb der Softwarehersteller Nancy Tellem an, eine TV-Spezialistin, die zuvor Chefin der CBS Network Television Entertainment Group war.

Tellem soll für neue Produktionsstudios von Microsoft in Los Angeles verantwortlich zeichnen, wo künftig Filme sowie interaktive Programme produziert werden sollen.

Seit Jahren hat Microsoft Xbox Live zu einer zentralen Multimedia-Plattform mit Video-Angeboten und Spiele-Downloads ausgebaut. Inzwischen zählt sie über 40 Millionen angemeldete Nutzer. Unter anderem können Nutzer der Xbox 360 Filme und TV-Sendungen über Netflix, dem Sportkanal ESPN oder Comcast beziehen.

(Dorothee Monreal)

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