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Eplus: Chatten bis der Kuckkuck kommt

13.11.2003, 13:41 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Kostenfalle Handy-Chat. Eplus hat einen neuen Weg gefunden, kommunikationsfreudigen Zeitgenossen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zwar ist die Idee, auf dem Handy zu chatten, nicht neu, aber die wahre Innovation bestände aus einer kostenlosen oder zumindest –günstigen Always-On-Variante, vielleicht per Datenflatrate.
Chat auf SMS-Basis
Eplus hingegen baut bei seinem „HeyDoo!“-Chat wieder auf die althergebrachte Methode der Übertragung per SMS. Bei dem Chat handelt es sich also um einen stinknormalen SMS-Kontakt, der entsprechende Kosten verursacht. Die einzige Innovation ist die Möglichkeit, ähnlich wie bei ICQ oder AIM, seinen Chatpartner nach gewissen Kriterien zu filtern.
Wer neue Leute kennen lernen will, wählt im Eplus-Netz die Rufnummer 1515 und kann dort ein Kurzprofil erstellen. Die Angabe eines bevorzugten Forums kann bei der Kontaktsuche hilfreich sein. Zur Auswahl stehen, neben den nichtssagenden Foren „Underground“ oder „Eplus-Lounge“ eindeutigere Treffpunkte zur Verfügung: „Gay & Lesbian“ für die Freunde homosexueller Erotik oder „Oriental“ für Leute, die gerne mit dem fliegenden Teppich unterwegs sind.
Teurer Spass
Hat man sein Profil erstellt, wird’s auch schon teuer. Eine SMS mit dem Nickname muss an den Dienst geschickt werden, um überhaupt einen Zugang zu erhalten. Von nun an kann der Nutzer von jedem angeschrieben werden, der sich, auch per SMS, die Liste ansieht. Wenigstens sind kommende Nachrichten, also SMS, kostenlos. Aber das ist ja nichts Besonderes.
Funktionen wie bei ICQ & Co.
Ansonsten bietet die „HeyDoo!“ viele von den klassischen Internet-Chatprogrammen bekannte Funktionen. Freunde kommen auf die Buddy-, Laberbacken und Spammer auf die Ignore-Liste. Ebenfalls gibt es gewisse Steuerbefehle, die allerdings allesamt per SMS versendet werden. Will man zum Beispiel den Chat beenden, muss man eine SMS mit dem Wort „Exit“ an die Chatzentrale schicken. Genauso beim Wunsch nach Pause oder wenn man wieder „Online“ gehen möchte.
Laut Eplus soll die Chatfunktion den Geldbeutel schonen. Das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn die Firma bis Ende des Jahres „nur“ 10 Cent pro Chat-SMS nimmt, ab 2004 sind es dann normale SMS-Preise von 20 Cent. Das bedeutet im Klartext, dass für ein reines Kennenlerngespräch von 5 Antworten pro Chatpartner ein Euro pro Chatter bezahlt wird.
Schuldenfalle für Jugendliche
Richtig übel allerdings ist die Tatsache, dass selbst Steuerbefehle per separater SMS verschickt werden müssen, statt sie zum Beispiel einfach in eine Chat-SMS zu integrieren. Zudem richtet sich das Angebot klar an Jugendliche. Die sind aber meistens übereifrig im Versenden von SMS und geraten dadurch ohnehin schnell in die Kostenfalle, auch ohne Chatprogramm. Wenn also bald ein grau gekleideter Herr vor der Tür stehen sollte: Keine Sorge, das ist nur der Gerichtsvollzieher.
Die Konkurrenz kommt aus dem eigenen Hause: Das Hiptop-System, das ebenfalls von Eplus angeboten wird, wird direkt mit einer Datenflatrate angeboten. Das Hiptop-Chatprogramm verschickt die Meldungen über den Datendienst und damit kostengünstig im Rahmen der Flatrate. Allerdings benötigt man hierfür das Hiptop-Gerät, der Einsatz mit einem Standard-Handy ist nicht möglich. Dennoch ist Hiptop eine echte Alternative für Chat-Fanatiker.

(Christian Rentrop)

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