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ENUM - eine Nummer für alle Fälle

Seit 1. April können Rufnummern für ENUM registriert werden. Wie es geht, wo man es bekommt und was man davon hat sind Fragen, die der ENUM-Tag klären soll.

09.04.2006, 09:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Vor kurzem ist ENUM nach langer Testphase in den Wirkbetrieb gegangen. Nach dem offiziellen Start der Registrierungsphase am 1. April ändert sich allerdings nichts am Service, außer dass er jetzt teilweise, je nach Anbieter, kostenpflichtig geworden ist. Aber was ist es eigentlich, was dem Nutzer da noch kostenlos oder für ein paar Euros angeboten wird, wo kann er sich für den Dienst registrieren und was bringt ihm ENUM letztendlich? Auf diese Fragen gab die DENIC eG mit dem sechsten ENUM-Tag dem interessierten Fachpublikum Antworten. Kein ganz einfaches Unterfangen bei einem offenen, internationalen Standard, der noch in den Kinderschuhen steckt.
Visitenkarten mal übersichtlich
ENUM, so erklärt es auch unser Glossar, steht für tElephone NUmber Mapping und soll das Zusammenwachsen von Sprach- und Datennetzen weiter voran bringen. Der Nutzen lässt sich am besten am Beispiel einer Visitenkarte verdeutlichen: Während sich heute mehrere Rufnummern für Telefon, Fax, Handy und Instant Messaging sowie E-Mail und Internet-Adressen den spärlichen Platz auf dem Kärtchen teilen müssen, reduziert ENUM die Kontaktdaten auf eine einzige Rufnummer. Durch einen fest vorgegebenen Standard wird daraus eine IP-ähnliche Universal-Adresse, die Daten dahin leitet, wo sie der Empfänger haben möchte. Der ENUM-Domaininhaber entscheidet dabei selbst, wo und wie er erreichbar sein will.
Erreichbarkeit steuerbar
Wird die für ENUM registrierte Rufnummer von einem Telefon gewählt, wird die geeignete Zieladresse, beispielsweise ein VoIP-Telefonanschluss, aus der hinterlegten Liste herausgesucht und eine Verbindung hergestellt. Ist der Teilnehmer dort nicht erreichbar, kann der Anruf auf Wunsch an einen Festnetzanschluss oder das Handy weitergeleitet werden. Sollte der Gesprächspartner dort auch nicht verfügbar sein, kann der Anrufer eine Nachricht aufzeichnen, die dann als E-Mail an den Empfänger versandt wird. Die jeweiligen Gesprächskosten zahlt der Anrufer, dem ENUM-Nutzer selbst entstehen dadurch, anders als bei anderen Rufumleitungen, keine weiteren Kosten.
An die gleiche Nummer können dank ENUM auch Textnachrichten gesandt werden, die dann je nach dem als Fax, SMS oder E-Mail den Adressat erreichen. Sogar Webadressen lassen sich mit der Rufnummer aufrufen. Bereits jetzt soll es Plug-Ins geben, die Internet Explorer und Firefox diese Funktion zur Verfügung stellen. Ein persönliches Benutzerprofil gibt dem ENUM-Inhaber dabei die Möglichkeit, seine Kommunikationsvorlieben festzulegen. So bestimmt er nicht nur selbst seine Erreichbarkeit, auch Übergänge zwischen unterschiedlichen Diensten sind so möglich.
ENUM nutzt dazu das Domain Name System (DNS), dessen Datenbank bereits die Zuordnung von WWW-Adressen zu Domains übernimmt. Die Umsetzung der eingegebenen Rufnummer übernehmen die meisten ENUM-Clients automatisch. Um eine Rufnummer für ENUM registrieren zu können, muss der Nutzer nur nachweisen können, dass er tatsächlich Eigentümer ist. Je nach Registrar erfolgt die Verifizierung durch Vorlage aktueller Telefonrechnungen oder einfach mit einem Rückruf. Die DENIC verwaltet die deutschen ENUM-Rufnummern mit der Endung "9.4.e164.arpa". Die Registrierung kann bei einem der mittlerweile 60 DENIC-Mitgliedern vorgenommen werden, die ENUM-Domains anbieten. Die Registrierung erfolgt immer für ein Jahr und kann nach neuerlicher Verifizierung verlängert werden.
Fast alle Rufnummern erlaubt
Erlaubt sind Ortsnetzrufnummern, aber auch die Mobilfunkvorwahlen 015, 016 und 017 können für ENUM registriert werden, ebenso wie die gebührenfreie 0800, persönliche Rufnummern mit 0700, 0180-Servicenummern sowie 032-Internetrufnummern. Am meisten eignet sich ENUM jedoch für VoIP-Nutzer: bei Gesprächen zwischen verschiedenen VoIP-Anbieternetzen fallen meist Minutenpreise an, weil das Telefonat zwischendrin über das Festnetz geleitet wird. ENUM kann hier die Rolle einer großen "Peering-Plattform" übernehmen. Wollen Teilnehmer verschiedener VoIP-Anbieter mit ENUM-Unterstützung miteinander sprechen, können sie sich von der Datenbank direkt an den Anschluss vermitteln lassen, ohne dass das Telefonat das Internet verlässt und das Gespräch ist kostenlos.
Erfolg eine Frage der Zeit
So praktisch ENUM auch ist, bisher erfreut sich der Standard hierzulande noch keiner großen Popularität. Derzeit sind gerade mal rund 5.300 ENUM-Domains registriert, die etwa 15.000 Telefonanschlüsse repräsentieren. Das ist nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der insgesamt geschalteten Rufnummern in Deutschland. Hinzu kommt, dass bislang hauptsächlich kleine VoIP-Anbieter für ENUM überhaupt Interesse zeigen. Glaubt man dem Experten-Tratsch am ENUM-Tag, liegt das in erster Linie daran, dass die großen Player ordentlich an den Interconnection-Gebühren mitverdienen, die mit ENUM wegfallen würden. Dennoch sind sich alle einig, dass der Erfolg nur eine Frage der Zeit ist. Schließlich würden bereits heute 13 Prozent der Deutschen VoIP nutzen, bis 2010 soll der Anteil auf 50 Prozent ansteigen – viele potenzielle Interessenten, die kostenlose Gespräche und Rufweiterleitungen bestimmt ganz spannend finden.

(Aleksandra Leon)

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