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Entzaubert: Börse verliert Glauben an Apple - Aktienkurs bricht ein

Verrückte Börsenwelt: Obwohl Apple im Weihnachtsgeschäft mit abermaligen iPhone-Rekordverkäufen aufwarten konnte, brach der Kurs der Aktie am Mittwoch in New York um mehr als zehn Prozent ein. Die Analysten hatten noch höhere iPhone-Verkäufe und mehr Umsatz erwartet.

24.01.2013, 11:05 Uhr (Quelle: DPA)
Apple© Apple

Apple steht vor einem Schicksalsjahr: Während sich das Wachstum abschwächt, muss Konzernchef Tim Cook über die Strategie im TV-Geschäft und mögliche günstigere iPhones entscheiden. Zu aktuellen Zahlen lieferte Cook einige Hinweise, wohin die Reise gehen könnte.

Steiler Fall der Apple-Aktie nach Rekordergebnis

Apple-Chef Tim Cook muss sich nach eineinhalb Jahren an der Konzernspitze durch seine erste Vertrauenskrise kämpfen. Im nachbörslichen Handel in New York brach der Kurs für das Papier des US-Computerbauers am Mittwoch um mehr als 10 Prozent ein. Bei dem steilen Fall der Apple-Aktie auch nach abermaligen Rekord-Ergebnissen geht es nicht nur darum, dass der Konzern vielleicht ein paar Millionen weniger iPhones verkaufte als die meisten Analysten erwartet hatten. Die Börsianer scheinen den Glauben an die Wundermaschine Apple zu verlieren, der die Aktie erst in schwindelerregende Höhen getrieben hat.

Im Weihnachtsgeschäft fuhr Apple zwar erneut einen fabelhaften Quartalsgewinn von knapp 13,1 Milliarden Dollar ein. Doch es waren unterm Strich gerade einmal 14 Millionen Dollar mehr als ein Jahr zuvor - eine Stagnation statt der gewohnten Wachstumssprünge. Allerdings hatten viele Analysten schon den ersten Gewinnrückgang seit Jahren erwartet.

Apple verfehlt Markterwartungen

Apple verfehlte die Markterwartungen beim Umsatz und der Zahl verkaufter iPhones sowie bei den Prognosen für das laufende Quartal. Dabei hatte Finanzchef Peter Oppenheimer angekündigt, dass Apple fortan die eigenen Geschäftserwartungen in einer Spanne angeben werde statt der bisherigen "konservativen" Prognosen, die tief gestapelt waren und stets massiv übertroffen wurden. Andererseits, was zählt mehr: Enttäuschte Analysten-Erwartungen oder tatsächliche Milliarden? Apples Geldberg wuchs allein im vergangenen Quartal von rund 120 auf 137,1 Milliarden Dollar.

Doch das vielleicht alarmierendste Zeichen für Cook ist, dass die Aktie munter weiter fiel, während er sich in der Telefonkonferenz am Mittwoch den Fragen der Analysten stellte. Das heißt, seine Antworten konnten die Anleger nicht umstimmen. Mit konkreten Hinweisen auf künftige Vorhaben hielt Cook sich zurück. Allerdings war schon sein legendärer Vorgänger Steve Jobs bekannt dafür, eher ausweichende Antworten zu den Plänen von Apple zu geben, aus denen man Hinweise wie Goldsand aussieben muss. Dabei geht es nicht nur um die Formulierungen, sondern auch darum, was nicht gesagt wird.

Cook: Beste Produkte wichtiger als Marktanteile

So verzichtete Cook diesmal darauf, die Settop-Box Apple TV als "Hobby" zu bezeichnen, sondern wiederholte, dass Fernsehen ein "Bereich von intensivem Interesse" sei. "Ich glaube, dass wir auf diesem Gebiet viel zu bieten haben", sagte Cook. Mehr wolle er nicht sagen. Die Äußerungen könnten den jahrelangen Spekulationen um einen Apple-Fernseher neue Nahrung geben. Aber vielleicht will Apple auch nur die Apple-TV-Box weiterentwickeln, die im vergangenen Quartal zwei Millionen Mal gekauft wurde - ein Plus von 60 Prozent.

Die Frage nach einem iPhone mit einem noch größeren Bildschirm beantwortete Cook hingegen relativ eindeutig. Apple sei zufrieden, dass sich auch das leicht vergrößerte iPhone 5 mit einer Hand bedienen lasse, "was unsere Kunden schätzen". Auch die Aussicht auf ein günstigeres iPhone-Modell dämpfte Cook etwas. Er verwies auf die älteren Modelle, die Apple günstiger verkaufe. Zugleich bekräftigte er, dass es für Apple wichtigeres als Marktanteile gebe: "Wir wollen nur die besten Produkte machen." Derzeit gibt es das größte Wachstum im Smartphone-Markt in Ländern wie China, Indien oder Brasilien, in denen eher günstigere Geräte gefragt sind. Zuletzt gab es erneut Medienberichte, Apple teste deshalb eine günstigere Variante seines teuren Telefons.

(Jörg Schamberg)

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