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Empörung über Pharaonen-Haare im Internet

Ein Franzose hat angebliche Haare von Pharao Ramses II. im Internet zum Verkauf angeboten. In Ägypten brach eine Welle der Empörung los.

03.12.2006, 09:01 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Ein Franzose hat angebliche Haare von Pharao Ramses II. im Internet zum Verkauf angeboten und damit in Ägypten für Empörung gesorgt. Sollten die Haare tatsächlich bei einem kurzzeitigen Aufenthalt der Herrscher-Mumie in den 70er Jahren in Frankreich gestohlen worden sein, "wäre das ein Skandal, der die Beziehungen zwischen Frankreich und Ägypten belasten würde", sagte der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass, am vergangenen Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Kairo.
2000 Euro für eine Strähne
Die französische Polizei nahm am vergangenen Dienstagabend in der Nähe von Grenoble einen Briefträger fest, der die Haare im Internet angeboten hatte. Der 50-jährige Franzose hatte für die in Plastiksäckchen befindlichen Haarproben von maximal einem Zentimeter Länge jeweils mindestens 2000 Euro verlangt. Auch Harz und Binden zur Einbalsamierung von Ramses II. hatte er im Angebot.
Wieder aus Haft entlassen
Er wurde am vergangenen Mittwochnachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt, ohne dass Anklage erhoben wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte er sich der Hehlerei unterschlagener Gegenstände schuldig gemacht haben. Dafür müsse aber nachgewiesen werden, dass die Proben echt seien, sein Vater sie widerrechtlich unterschlagen habe und Diebolt selbst vom unrechtmäßigen Erwerb gewusst habe. Die Staatsanwaltschaft warnte davor, die Affäre aufzubauschen - es gehe bloß "um drei winzige Haar-Fragmente und Stücken von Binden".
Nach eigenen Angaben bekam er das Material von seinem Vater. Dieser sei als Forscher an der Untersuchung der Königsmumie beteiligt gewesen, die 1976 nach Frankreich gebracht worden war, um sie vor dem Verfall zu retten. Er sei wahrscheinlich "der einzige Mensch auf der Welt, der solche Proben besitzt", schrieb der Mann aus der Kleinstadt Saint-Egrève in der Anzeige, die am vergangenen Mittwoch auf der Internetseite vivastreet weiter zu lesen war.
Verkauf ist eine "Schande"
Der französische Forscher Alain Zivie sagte, er hoffe, dass es sich um Betrug handele. "Man muss wissen, dass die Mumie von Ramses II. in Ägypten als nationales Denkmal gesehen wird, das einen hohen Symbolwert hat." Die berühmte Ägyptologin Christiane Desroches-Noblecourt sagte, wenn die Haare echt seien, wäre der Verkaufsversuch eine "Schande und ein Sakrileg". Sie hatte in den 70er Jahren die ägyptische Regierung überzeugt, die Mumie wegen stark fortschreitenden Verfalls in Frankreich restaurieren zu lassen. Es war das erste und das letzte Mal, dass die Überreste von Ramses II. Ägypten verlassen hatten. Desroches-Noblecourt zweifelte am Mittwoch daran, dass die zum Verkauf angebotenen Proben tatsächlich echt seien. Es sei "unwahrscheinlich", dass es bei der Restaurierung in Frankreich gelungen sein könnte, die Proben zu entfernen, sagte sie im Radiosender Europe 1. Nur wenige Forscher hätten damals von der französischen Regierung zu der Mumie Zugang erhalten. Der Konservator des Museums in Kairo habe Ramses damals nicht aus den Augen gelassen.
Ist die Geschichte faul?
Die Geschichte erscheine ihr "faul". Die Mumie von Ramses II. war 1976 wie ein Staatschef mit militärischen Ehren auf dem Pariser Flughafen Le Bourget empfangen worden. Hawass sagte, die ägyptische Regierung verlange "volle Transparenz" darüber, was damals mit dem toten Herrscher passiert sei. Sollten die Haare wirklich von ihm stammen, müssten sie umgehend zurückgegeben werden.
Franzose entschuldigt sich
Der Franzose, der gestohlene Haare von Pharao Ramses II. zum Verkauf angeboten hat, hat sich in den vergangenen Tagen bei der Regierung Ägyptens entschuldigt. "Ich hätte nie gedacht, dass ich damit einen diplomatischen Zwischenfall verursachen könnte", sagte der 50-jährige Jean-Michel Diebolt am Mittwochabend im französischen Fernsehen. "Ich erkläre der ägyptischen Regierung meine Entschuldigung."
Die Hinweise, dass die Pharaonen-Haare echt sein könnten, verdichten sich aber unterdessen. Der Vizechef des französischen Atomenergie-Kommissariats, François Michel, sagte, die Mumie sei 1976 in Paris wegen fortschreitenden Verfalls behandelt worden. "Als sie aus dem Leichentuch geholt wurde, haben sich Haar- und Bindenfragmente gelöst und sind auf den Boden gefallen. Diese Fragmente wurden an rund 40 Laboratorien in Frankreich geschickt." Darunter habe sich auch eines in Grenoble befunden, in dem Diebolts Vater gearbeitet habe. Heute ist laut Michel unbekannt, was aus den an die Labore verschickten Proben wurde.
Der große Eroberer Ramses II., der von 1279 bis 1213 vor Christus herrschte, ist der bekannteste ägyptische Pharao. Erst im August war die riesige Statue des Pharaos vom ihrem Platz am Kairoer Hauptbahnhof zu ihrem neuen Standort bei den Pyramiden von Gizeh transportiert worden. Zehntausende hatten damals den Weg des Konvois gesäumt und dem Herrscher mit "Ramses, Ramses"-Sprechchören gehuldigt. Die im Nationalmuseum in Kairo ausgestellte Mumie des Pharaos gehört zu den größten Touristenattraktionen des Landes.

(Denise Bergfeld)

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