News

Elternschreck "YouNow": Viele Live-Streams verletzten deutsches Recht

Immer wieder branden die Datenschutz-Debatten um Facebook auf. Doch das Freunde-Forum könnte gegen den neuen Kiddie-Renner "YouNow" ein Waisenknabe sein. Denn damit streamen die Sprösslinge Videos live ins Netz - und schaden sich oft selbst oder verletzen Rechte Dritter.

05.02.2015, 00:01 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Immer wieder brandet die Debatte um Datenschutz in Facebook auf. Nun droht neues Ungemach im Kinderzimmer: Die Plattform "YouNow" findet auch hierzulande immer mehr minderjährige Fans. Mit der Streaming-App können Kinder und Jugendliche mit wenigen Klicks Live-Streams von sich veröffentlichen. Sie tun das auch fleißig - oft genug, ohne darüber nachzudenken, welche Folgen das haben kann.

Mit LTE wird Streamen einfach

YouNow ist eine App für Googles Android und iOS. Zum Übertragen der Filme ins Internet reicht ein schnelles Mobilfunknetz oder WLAN. Mit dem Ausbau des LTE-Netzes steht den Jugendlichen auch der Weg zum freien Streamen via Mobilfunk offen - sie müssen dann nicht einmal mehr auf das heimische WLAN Netz der Eltern zurückgreifen.

Jeder kann sich als Zuschauer dazu schalten und die Kids per Live-Stream beobachten. Wer sich mit einem Facebook- oder Twitter-Profil anmeldet, kann offenbar auch per Live Chat eine Unterhaltung anfangen. Der Chat ist dabei für jeden sichtbar. Anwälte warnen: Bei der Übertragung der Live-Chats wird häufig gegen deutsche Schutzrechte verstoßen.


Anwälte und Stars warnen vermehrt vor den Gefahren von YouNow im Videoportal YouTube. Quelle: YouTube

Wachsende Verletzungen des Rechts am eigenen Bild

Ähnlich wie bei dem Videoportal Youtube, setzen sich die Kids vor die Kamera und erzählen, was ihnen einfällt, oder lassen die Kamera bei Parties mitlaufen. Die Videos werden live übertragen und die Live Chats können ohne Anmeldung abgerufen werden, so der Kölner Anwalt Christian Solmecke. Wer selbst chatten möchte, meldet sich über Facebook oder Twitter an.

Zwar ist das Zeigen von Nacktbildern, Drogenkonsum und das Teilen privater Daten wie Telefonnummmer und Wohnort verboten. Doch wen kümmert's, zumal bei einem Live Stream schnell alles mögliche ausgeplaudert ist und nicht zurückgenommen werden kann.

Betreiber ist laut dem IT-Portal "curved" die YouNow Inc. in New York. Damit fallen die Daten unter US-Datenschutzrecht. Die App dürfte nach Daten hungern - aber das größere Problem sind die wachsenden Verletzungen des in Deutschland geltenden Rechts am eigenen Bild.

Ohne Einwilligung darf niemand das Foto eines Dritten veröffentlichen - doch genau das passiert in "YouNow" wahrscheinlich ununterbrochen. Schließlich bekommt nicht jeder Schüler mit, dass sein Alkoholexzess auf der Party gerade live gestreamt wird oder das Bad im Planschbecken direkt ins Internet wandert.

Auch die angebliche 24-Stunden-Überwachung durch Administratoren kann daran nichts ändern - erst recht nicht, wenn die Zahl der Videos weiter rasant steigt. Eine weitere Falle droht durch Abspielen von Musik im Hintergrund: Viele Songs sind von der GEMA geschützt und dürfen ebenfalls nicht ungefragt veröffentlicht werden. So dürfte in Kürze eine Abmahnwelle anrollen - und im Mittelpunkt stehen Jugendliche, die sich der Rechtsbruchs nicht bewusst sind - und es aufgrund des Alters auch noch gar nicht sein können.

Mittlerweile sind auch die Youtube-Stars auf das Problem aufmerksam geworden, so Solmecke. Sie versuchen über Videobotschaften ihre Fans aufzuklären. Trotzdem scheint der Trend unaufhaltsam: Allein in den vergangenen zwei Monaten ist die Zahl der deutschen Nutzer nach Angaben von Solmecke um 250 Prozent gewachsen.

(Dorothee Monreal)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang