Umfrage

Eltern werden von Smartphone und Tablet abgelenkt

Viele Eltern geben zu, dass sie sich von Smartphone und Tablet ablenken lassen und auch während des gemeinsamen Essens mit den Kindern aufs Handy schauen. Eine Psychologin erklärt, wie das ganz konkret schaden kann.

Internetnutzung© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Baierbrunn – Viele Babys und Kleinkinder müssen sich die Aufmerksamkeit ihrer Eltern schon mal mit dem Smartphone oder Tablet teilen. In einer repräsentativen Online-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Bilendi für das Apothekenmagazin "Baby und Familie" gaben 48 Prozent der Mütter und Väter von unter Vierjährigen an, dass sie schon mal ein schlechtes Gewissen hatten, weil sie mehr auf ihr Smartphone/Tablet geachtet haben als auf ihr Kind.

Über ein Drittel nutzt das Handy beim Essen

Mehr als ein Drittel der Eltern (36 Prozent) räumte ein, während der gemeinsamen Familienmahlzeiten auch schon mal auf das Smartphone zu schauen. Experten warnen vor einem solchen Verhalten. "Der Schlüssel für eine gute Entwicklung ist gute und ungeteilte Aufmerksamkeit", sagt Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Gudrun Schwarzer von der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Wie mangelnde Aufmerksamkeit die Entwicklung hemmen kann

Kinder brauchen "Kontingenz", also die ständige Erfahrung, dass es einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und einer Reaktion gibt. Wenn ein Baby nun im Buggy sitzt, ein Auto sieht und "Da!" ruft, reagieren Eltern richtig mit "Oh ein Auto!" und tun das in der Regel prompt und automatisch. "Kommt die Reaktion aber verspätet, weil sich Mama oder Papa mit dem Handy beschäftigt, kriegt das Kind gar nicht mehr die Verbindung", betont Schwarzer. Das sei fatal und stehe der Entwicklung einer verlässlichen, vertrauensvollen Bindungsbeziehung entgegen.

Tipp: Trainieren für die Stillzeit

Empfehlenswert ist laut der Psychologin, sich schon während der Schwangerschaft möglichst sechsmal am Tag für 20 Minuten eine smartphonefreie Zeit zu schaffen. Denn in etwa so oft und lange wird die Mutter später im Schnitt tagsüber ihr Kind stillen. Dabei geht es darum zu lernen, die Muße zu genießen. Keine laute Musik, kein Film. Sechsmal am Tag für 20 Minuten Nichts. Diese Übung kann der werdenden Mutter und dem werdenden Vater helfen, später eine intensivere Verbindung mit dem Baby aufzubauen.

Melanie Zecher

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