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Ello: Die Facebook-Alternative ohne Werbung und Klarnamenzwang

Wenn ein Nutzer nicht für die erbrachte Leistung zahlt, ist er nicht der Kunde, sondern das Produkt. Bei der Facebook-Alternative Ello soll das anders sein.

29.09.2014, 11:16 Uhr
Facebook © Facebook

Wenn ein Nutzer nicht für die erbrachte Leistung zahlt, ist er nicht der Kunde, sondern das Produkt. Bei der Facebook-Alternative Ello soll das anders sein. Es gibt keine Werbung. Die Daten werden auch nicht anderweitig verkauft. Zudem gibt es keinen Klarnamenzwang. Stattdessen werden die Nutzer aufgefordert, doch bitte nett zueinander zu sein.

Noch kaum Funktionen

Das klingt nach viel Idealismus und Gutmenschentum, ist aber doch eine Geschäftsidee. 435.000 Dollar Risikokapital haben die sieben Gründer erhalten, die aus der Design- und aus der Hackerszene stammen. Geld soll mit dem Freemium-Modell verdient werden, Zusatzfunktionen kosten dann irgendwann etwas.

Was das sein könnte, ist noch nicht klar, denn insgesamt ist noch nicht viel zu sehen. Ello präsentiert sich sehr minimalistisch. Es gibt kaum Funktionen und viele kahle Flächen. Das lässt sich von einem Startup auch nicht anders erwarten, scheint aber auch Programm zu sein.

Nacktbilder und Pseudonyme

Ello will nicht Facebook kopieren, sondern all denen eine Heimat geben, die sich bei Facebook nicht wohlfühlen oder dort sogar abgewiesen worden sind. So dürfen auch Nacktbilder gezeigt werden, wenn sie denn als NSFW (not safe for work) gekennzeichnet wurden. Auch unter einem Pseudonym darf jeder auftreten. Niemand wird gezwungen, seine Identität preiszugeben.

Statt solcher formalen Regeln setzt Ello auf das Benehmen der Nutzer. Die Ello-Regeln sind ein Appell an die Einsichtsfähigkeit. So sollen weder Hassbotschaften noch Spam verbreitet werden. Unter anderem. Erst wenn es gar nicht anders geht, so behalten sich die Betreiber vor, wird ein Nutzer hinausgeworfen.

Offline wegen DDoS-Attacke

Was Ello vorhat, klingt nach einem Paradies für alle Facebook-Kritiker. Doch derzeit wird nur aufgenommen, wer eine Einladung vorweisen kann. Diese wird gerade unter Freunden herumgereicht. Jeder kann sich aber auch auf der Website mit seiner E-Mail-Adresse bewerben. Es bleibt abzuwarten, welche Kultur dort heranwächst und sich letztlich etabliert.

Die ersten Grenzen wurden Ello bereits aufgezeigt. In der Nacht auf den 29. September zwang ein DDoS-Angriff die Server in die Knie. Die größten Gefahren lauern aber auf lange Sicht. Die ebenfalls als Facebook-Alternativen in den Medien gefeierten Projekte Diaspora und App.net wurden stark zurückgeschnitten. Das dezentrale Diaspora hatte zu wenig Nutzer gewonnen, App.net zu wenig Geld eingenommen. Aber das hängt dann letztlich ja doch immer zusammen.

(Peter Giesecke)

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