Streit um Nutzung der UKW-Antennen

Einstellung des UKW-Sendebetriebs droht: Zehn Millionen Radiohörer betroffen

Nur Rauschen statt UKW-Radiosender: Dieses Szenario könnte in einem Großteil Deutschlands bereits ab kommendem Mittwoch Wirklichkeit werden. Laut "Welt" kommt es in einem Streit zwischen Betreibern von UKW-Antennen und Sendernetzen zum Showdown.

Medion Internet-Radio P85105Internetradiogeräte werden erst von rund 10 Prozent der Bundesbürger genutzt.© Medion AG

Berlin – Im Streit zwischen Betreibern von UWK-Antennen und Sendernetzen droht eine Eskalation und in der kommenden Woche sogar die großflächige Abschaltung des UKW-Sendebetriebs. Wie die Zeitung "Welt" berichtet, könnten etliche bekannte Radiosender in großen Teilen Deutschlands dann nicht mehr im Autoradio oder zuhause mit dem klassischen Radio über UKW empfangen werden.

Media Broadcast verkaufte UKW-Antennen Ende 2017

Die Zeit für eine Einigung drängt. "Bis zu zehn Millionen Hörer könnten schon ab kommendem Mittwoch von einer Abschaltung ihrer UKW-Radiosender betroffen sein", sagte Media-Broadcast-Chef Wolfgang Breuer. Media Broadcast, der inzwischen zum freenet-Konzern gehörende bisherige Sendenetzbetreiber eines Großteils der UKW-Sender, trennt sich von dem Geschäft. Die UKW-Antennen seien Ende 2017 an etwa 30 Unternehmen verkauft worden, darunter auch Finanzinvestoren, die sich nicht an den 2016 von der Bundesnetzagentur regulierten Preis für die Nutzung der UKW-Antennen gebunden sehen. Es dreht sich aktuell vor allem also um den Preis.

Übergangslösung bis Ende Juni - Frist bis zum Wochenende für Einigung

Im Rahmen eines Runden Tisches wurde eine Übergangslösung gefunden: Media Broadcast erklärte sich zur Verbreitung der Sender bis Ende Juni 2018 bereit. Eigentlich seien die entsprechenden Verträge bereits Ende März ausgelaufen. Der Weiterbetrieb bis zum Sommer sei aber nur möglich, wenn Programmveranstalter oder Sendernetzbetreiber Media Broadcast entsprechend mit der Verbreitung der Sender beauftrage. Media Broadcast hat 40 führenden Programmveranstaltern dazu eine Frist bis diesem Wochenende eingeräumt. Wer sich bis dahin nicht mit Media Broadcast einige, werde in der kommenden Woche abgeschaltet. Bis Donnerstagvormittag habe erst ein Viertel der Veranstalter das Unternehmen entsprechend mit der Verbreitung der Sender beauftragt. Am Montagvormittag fälle Media Broadcast dann die endgültige Entscheidung über die Abschaltung des UKW-Sendebetriebs.

Öffentlich-rechtliche und private Radiosender von UKW-Blackout betroffen

Betroffen wären unter anderem der NDR in Mecklenburg-Vorpommern sowie MDR und Deutschlandradio. Aber auch größere private Radiosender ffh, Big FM und Radio NRW müssten die Einstellung des Sendebetriebes fürchten.

Laut "Welt", die sich auf Angaben der Landesmedienanstalten beruft, würden knapp 93 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Radio über UKW hören. Der digitale Radioempfang über DAB+ sei nur für knapp 16 Prozent der Bundesbürger möglich. Rund zehn Prozent könnten Radio über Internetradiogeräte hören.

Jörg Schamberg

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