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Einsteigerfreundlich? Web-Baukästen im Test

Viele Webhoster bieten Webbaukästen als Starthilfe für Homepage-Einsteiger an. Wie hilfreich sind diese Online-Tools wirklich? Und was können sie eigentlich?

Internet© Gina Sanders / Fotolia.com
Web-Baukästen sind in der Lage in kürzester Zeit und ohne HTML-Vorkenntnisse Internet-Seiten zu erstellen. Viele große Anbieter liefern entsprechende Baukästen kostenlos in ihren Webhosting-Paketen mit. Doch was taugen die Online-Editoren? Wir haben die bekanntesten auf Benutzerfreundlichkeit, Ausstattung und Funktionalität getestet.

Die erste Homepage

Im Test soll eine typische Einsteiger-Internetpräsenz mit drei Unterseiten entstehen, wie sie auf vielen privaten Homepages zu finden ist. Eine Navigationsleiste soll den Besucher schnell auf diese Unterseiten führen. Außerdem sollen Bilder, eine Linkliste und ein Download angeboten werden. Wichtig: Alles muss schnell und unkompliziert umgesetzt werden können – vor allem für Laien. Eine unlogische Menüführung oder eine schlechte Dokumentation führen zu Punktabzügen. Getestet werden der "Homepage-Baukasten" von 1&1, "LivePages" von Strato, der "Webbaukasten" von Web.de sowie der "WebBuilder" von Lycos-Tripod.

Kein Ersatz für Software

Vorneweg: Keiner der Web-Baukästen ersetzt ein professionelles Webdesign. Wer mehr als eine Web-Visitenkarte erstellen möchte, sollte zu speziellen WYSIWYG-Editoren (What You See Is What You Get) greifen, mit denen sich auch komplexe Websites so einfach wie mit Word erstellen lassen. Redaktionssysteme lassen die getesteten Webhosting-Pakete nicht zu, doch diese sind für die gestellte Aufgabe ohnehin zu komplex.

Bei Web.de handelt es sich hauptsächlich um einen E-Mail-Dienst, der nach und nach um Funktionen erweitert wurde. Für 99 Cent im Monat können Kunden dort auch ihre Domain samt Web-Visitenkarte hosten lassen, weshalb auch Web.de nicht auf einen Web-Baukasten verzichtet. Der "Web.de WebBaukasten" ist dabei erstaunlich gut zu bedienen und bietet auch fortgeschrittenen Nutzern zahlreiche Design-Optionen, die sich mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms beliebig anpassen, erweitern oder verbessern lassen.

Komfortabler Assistent

Der WebBaukasten leitet den Anwender mit Hilfe eines Assistenten durch die Grundinstallation. Nach Auswahl des Layouts, der Farbgebung und der Gliederung öffnet sich der WYSIWYG-Editor, mit dessen Hilfe sich die Website problemlos zusammenklicken lässt. Der Editor erinnert an den beliebten html-Area-Editor, wie er in vielen Blog- und CM-Systemen verwendet wird. Dadurch ist der WebBaukasten überaus funktional und erlaubt die kreative Bearbeitung der Inhalte in Sachen Farben, Schriften und Layout.

Über so genannte Module können Webforen und Gästebücher als interaktive Elemente eingerichtet werden. Bilder sind per Upload-Funktion schnell in der Seite eingebettet, und Texte können beliebig formatiert werden, sofern sie damit im Rahmen des Editors, der HTML-Spezifikation und den Designvorlagen bleiben.



Einzig die Bildergalerien verursachen bei Web.de Kopfzerbrechen. Eine Bildergalerie kann nicht direkt im Editor erstellt werden, vielmehr muss der Anwender den Umweg über das Web.de-Backend gehen und dort manuell ein Foto-Album erstellen. Dieses kann von der Website aus verlinkt werden, allerdings ist es dann mit der Optik der Seite konform.

Einfach und logisch

Der Web.de WebBaukasten gefällt durch einfache und logische Bedienung, die sowohl Einsteigern, als auch Fortgeschrittenen bei der Erstellung der Website helfen. Unter diesen Umständen verzeiht man Web.de auch die weitestgehend lieblosen Designvorgaben, die sich jedoch bei Bedarf selbst mit Hilfe eines Grafik-Editors und ein paar HTML-Kenntnissen verändern oder komplett neu erstellen lassen. Allerdings ist der Zweck dieser Option fraglich, schließlich richten sich Web-Baukästen vor allem an Anwender ohne HTML-Kenntnisse.

1&1 liefert gleich zwei Homepage-Baukästen in seinen kleinen Webhosting-Paketen. Neben dem "Homepage-Baukasten" gibt es auch einen "Dynamic Site Creator", der Flash-Websites erstellt. Diese sind jedoch extrem statisch und obendrein unübersichtlich, weshalb sie für die meisten Webbaukasten-Anwender uninteressant sein dürften. Den Homepage-Baukasten erreicht der 1&1-Kunde über das Control Center.

Schnell erstellt

Das Layout der Bedienoberfläche erinnert an Windows-Software, neben der Datei-Leiste gibt es eine übersichtliche Button-Leiste, die den schnellen Zugriff auf alle wichtigen Funktionen ermöglicht. Leider öffnet sich der Homepage-Baukasten in einem neuen Fenster, was Probleme mit Popup-Blockern verursachen kann. Bis auf diesen kleinen Fehlgriff ist das Layout des Editors jedoch praktisch und Einsteiger-freundlich.

Der erste Schritt ist die Erstellung einer Seitenstruktur. Hier können die einzelnen Seiten der Internet-Präsenz angelegt werden. Die Struktur kann nach Vorgabe oder manuell gesetzt werden, wobei jedoch keine komplexen Verschachtelungen möglich sind. Wird eine neue Seite erstellt, kann diese für Suchmaschinen "optimiert" werden, wobei dieser Begriff wohl völlig überzogen ist - ermöglicht die Option doch nur die Erstellung von Inhalts- und Suchbegriffen.



Über den Punkt "Layout" kann aus zahllosen Vorgaben ausgewählt werden. Diese sind mit ein wenig Arbeit leicht abzuändern, allerdings gibt es keine Möglichkeit, ganz ohne Vorgabe ein freies Design zu entwerfen. Doch die 1&1-Entwickler haben derart viele Designs erstellt, dass jeder etwas nach seinem Geschmack finden dürfte. Schriften, Logos und Farben lassen sich dabei beliebig verändern. Zudem helfen Tabellen bei der Gestaltung des Inhalts.

Manuelle Galerien

Die Erstellung einer Internetseite ist problemlos möglich. Dank der Integration der Mediengalerie-Option können bereits vorhandene Mediendaten schnell in die Seite eingebaut werden, neue Dateien können problemlos hoch geladen und beliebig verlinkt werden. Einziger Wermutstropfen: In der Basis-Version ist es mit dem Homepage-Baukasten nicht möglich, Bildergalerien zu entwickeln. Diese müssen mühsam manuell erstellt werden. Linkliste und Download sind dagegen kein Problem.

Die Erstellung einfacher Websites stellt mit dem Homepage-Baukasten von 1&1 kein Problem dar. Die Bedienung erschließt sich selbst Anfängern auf Anhieb, mit ein wenig Übung lassen sich in kürzester Zeit hübsche Websites erstellen. Allerdings ohne Bildergalerien, es sei denn, man investiert viel Zeit in die manuelle Erstellung. LivePages heißt Stratos Antwort auf den Homepage-Baukasten des Konkurrenten 1&1. Die Stärke des Baukastens von Strato liegt jedoch eher auf Interaktivität und Einfachheit. Im Klartext bedeutet es, dass der Anwender wesentlich weniger Freiheiten bei der Erstellung seiner Website hat als bei 1&1. Der Kreativität sind hier also Grenzen gesetzt.

Module erweitern Funktionalität

Zu allererst muss sich der LivePages-Nutzer Gedanken darüber machen, was für eine Website er erstellen möchte. Dazu muss er sich durch einen Kriterien-Baum hangeln, um letztlich eine üppige Auswahl von Templates präsentiert zu bekommen. Diese bieten zusätzlich zahlreiche Farbvarianten, ansonsten ist der Anwender jedoch eingeschränkt. Es gibt nur vier verschiedene Schriftarten, die Auswahl bei der Schriftgröße und der Farbe ist dagegen umfangreicher.

Überhaupt zeigt sich LivePages vor allem von der statischen Seite. Kreativität ist fehl am Platz, dafür lassen sich innerhalb von fünf Minuten mit Hilfe der Vorlagen Websites zusammenstellen. Dafür bietet LivePages zahlreiche interaktive Elemente wie Gästebücher, Webforen oder Besucherzähler, die mit einem einzigen Klick hinzugefügt werden können.

Anders als bei 1&1 können Bildergalerien in Stratos LivePages schnell erstellt werden: Ein Popup-Fenster öffnet sich und bis zu zwölf Bilder können hier komfortabel über die Upload-Funktion hoch geladen werden. Dabei können neben Bildern auch andere Medien verwaltet werden, so dass auch Videos und Musikdateien ohne Schwierigkeiten eingebunden werden können. Allerdings nur, wenn der Speicherplatz reicht.



Unflexible Layouts

Ärgerlich an Stratos LivePages ist die mangelnde Flexibilität der Layouts, die sich aber immerhin mittels Tabellen und Multimedia-Dateien inhaltlich vorzüglich aufpeppen lassen. Die Benutzerführung ist allerdings nicht sonderlich eingängig, hier herrscht dringender Nachbesserungsbedarf, sind doch immerhin drei Menüleisten im Editor vorhanden, zwischen denen sich nicht nur Anfänger schnell verlaufen können. Auch mit Lycos kostenlosem Webhoster Tripod wird ein Webbaukasten geliefert. Der Lycos-Tripod WebBuilder zeichnet sich vor allem durch einfache Bedienung aus. Dabei bleiben leider zahlreiche Funktionen auf der Strecke. So bietet das Tool nicht einmal die Möglichkeit, Tabellen einzufügen. Auch auf Bilder muss der Anwender weitestgehend verzichten, sofern sie nicht vom Seiten-Template vorgegeben werden.

Kaum Freiheiten

Dafür lässt sich die Website mit dem WebBuilder binnen Sekunden erstellen. Die Inhalte können später hinzugefügt werden, auch das Design lässt sich nachträglich ändern. Leider lässt der WebBuilder dem Anwender kaum Freiheiten in der Gestaltung. Die Templates sind derart starr, dass der Anwender, abgesehen von der Farbwahl, keine Layout-Einstellungen machen kann. Auch in Sachen Auswahl von Schriftart, -farbe und -größe herrscht Fehlanzeige. Nur die Navigationspunkte lassen sich frei editieren.

Die Designs sind selbst mit Wohlwollen bestenfalls als unattraktiv zu bezeichnen. Die Wahl der Farben und Schriften lässt zu wünschen übrig und erinnert nicht unerheblich an die Anfangszeit des Internets, als stolze Familienväter Websites mit Babyfotos ins Netz stellten, deren Design geschmacklich überaus fragwürdig war. Bildergalerien sind darüber hinaus nicht möglich.



Rudimentärer Baukasten

Der Verzicht auf Funktionen macht den WebBuilder zum schlechtesten Webbaukasten im Test. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass es sich um ein kostenloses Angebot handelt. Entsprechend gering sollten die Ansprüche sein. Dennoch: Gerade für Einsteiger, die schnell eine Website ins Internet zimmern möchten, ist der WebBuilder geeignet. Für mehr allerdings auch nicht, hier hilft nur der Griff zu einem externen Programm wie Microsoft Frontpage Express oder dem Mozilla-Spross NVU.

Insgesamt kann über Webbaukästen vor allem ein Urteil gefällt werden: Sie sind allesamt nicht für fortgeschrittene Website-Bauer geeignet. Wer die Freiheit in Design, Layout, Schriften und Inhalten haben möchte, muss zum Offline-Editor oder zum Content-Management-System greifen. Ganz anders die Einsteiger-Klientel: Sie erhalten mit den Webbaukasten-Systemen eine hervorragende Starthilfe, um Inhalte binnen kürzester Zeit im Internet zu publizieren.

Ergebnis

Im Test schnitt der WebBaukasten von Web.de am besten ab. In der Bedienung Einsteiger-freundlich, genügt er auch Anwendern mit höheren Ansprüchen, um schnell und einfach eine Website zu erstellen. Zudem ist es dank anderer Web.de-Dienste problemlos möglich, Bildergalerien einzubinden. Im Vergleich zu den Mitbewerbern ist auch der Preis interessant: Zusammen mit einer Domain ist der WebBaukasten für gerade einmal 99 Cent pro Monat zu haben.

Platz Zwei belegt der Homepage-Baukasten von 1&1: Das Homepage-Tool zeichnet sich vor allen Dingen durch Funktionalität und eine enorme Auswahl an Designs aus. Zu haben ist er in 1&1-Paketen ab 2,99 Euro.

Platz Drei belegt der Konkurrent Strato, dessen etwas unübersichtliche Bedienung sich als nicht besonders Einsteiger-freundlich entpuppt hat. Dafür war er der einzige Baukasten im Test, der es ermöglichte, Bildergalerien direkt im Seitenlayout zu integrieren.

Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz befindet sich der WebBuilder von Lycos-Tripod. Das Tool eignet sich nur für die Erstellung einfachster Websites, jeder Form gestalterischer Kreativität wird dank starrer Layouts sofort entgegen gewirkt. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der WebBuilder Teil des kostenlosen Tripod-Hostingpaketes ist. Und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

(Christian Rentrop)

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