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Einbahnstraße (D) - Entwicklung von xDSL & Co.

Alles toll mit DSL? Nein, in Deutschland läuft auf dem Breitband-Sektor einiges falsch, findet unser Experte.

09.09.2005, 18:08 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Deutschland. Land der Innovationen - und der Technik. Während auf vielen Strecken von einem Gang in den nächsten geschaltet wird, weist eine Schnellstraße trotz vieler Baustellen immer noch schwere Schlaglöcher auf. Die Breitband-Autobahn.
Mehr Leistung fürs Geld
Seit einigen Jahren nimmt die Bandbreite bei Internetzugängen stetig zu. Erst gab es für die Bürger großflächig maximal drei Megabit pro Sekunde Downstream mit dem Breitband-Produkt der Telekom, T-DSL. Es folgte Anfang 2005 ein neues Maximum von sechs Mbit/s. Gleichzeitig ergänzten TV-Kabelprovider ihre Palette um neue, noch schnellere Datenprodukte. Erst mit stolzen zehn und später mit wuchtigen 20 Mbit/s Empfangsgeschwindigkeit.
Nach erheblichen Startschwierigkeiten in 2004 begann zur CeBIT des folgenden Jahres Telefonie über das Internet für den Privatkunden erstmals an Attraktivität zu gewinnen. Grund dafür war die Vermarktungsfreude, die viele große Provider an den Tag legten. Da waren beispielsweise freenet und Arcor - und alle hatten sie ihr eigenes Produkt für Voice-over-IP dabei.
Telefonie über Datenhighway
Eine begrüßenswerte Entwicklung. Denn wieso nicht die Datenleitung auch für Telefonate nutzen?! Schade, dass VoIP trotz guten Preisen aktuell zum Nischenprodukt verkommt. Der Grund: die Technik kann den konventionellen Telefonanschluss nicht ersetzen und ist so für viele Nutzer uninteressant. Und das, obwohl sich die großen Bandbreiten doch ideal für Internettelefonie anbieten würden. Schuld an der ausbleibenden Blütezeit ist die Telekom. Die denkt nicht daran, T-DSL vom Telefonanschluss zu entbündeln. Warum auch? Schließlich würde man der Konkurrenz so eine Freikarte lösen und laufe Gefahr, einen großen Teil der Kunden zu verlieren. Auf der anderen Seite könnte der rosa Riese mit einem intelligenten Werbemanagement viele verlorene Kunden wieder für sich gewinnen. Schließlich hat man nur mit dem DSL-Anschluss der T-Com die freie Entscheidung, welchen Provider man wählt. Bei alternativen Carriern wie Arcor ist dies nicht so. Dort gelten nur die Tarife aus eigenem Haus.
Nix geplant?
Es ist langsam aber sicher an der Zeit, hier etwas zu unternehmen. Fragt man bei der T-Com nach, wird man auf das Line-Sharing-Angebot verwiesen. Unverständlich, wäre eine klare Trennung von Telefon- und DSL-Anschluss doch eine seit langer Zeit geforderte Maßnahme, die dem Breitbandmarkt zu einem Schub verhelfen würde. Line-Sharing hin oder her - im Grunde auch nur eine Übergangslösung.
Überraschend offen gibt sich heute erstmals die Bundesnetzagentur. In einem veröffentlichten Eckpunktepapier zur "regulatorischen Behandlung von Voice over IP". Darin wird das Ziel aufgezeigt, in naher Zukunft DSL und Telefon entbündeln zu wollen. Jedoch nicht T-DSL und T-Net oder T-ISDN. Diese Produkte bleiben unangetastet. Ein bezahlbarer Bistromzugang für Mitbewerber soll her. Hoffnung!
DSL nur für Profis? Ändern!
Ein weiteres Problem der deutschen Breitbandentwicklung sind die hohen Einstiegspreise. Wieso kommt kein Unternehmen auf die Idee, ein günstiges Komplettpaket anzubieten? Bei Arcor erhält man einen Anschluss mit 1024 kbit/s Downstream inklusive Volumentarif für immerhin zehn Euro. Leider nur als Abfallprodukt - im Rampenlicht der Werbung steht nämlich die Flatrate, die es aber nur mit den schnelleren und teureren DSL-Varianten gibt. Welcher Wenignutzer will da einsteigen?
Wir stellen also fest: Eine DSL-Anbindung ist in Deutschland eher etwas für professionelle Anwender. Was schlecht ist. Wieso soll nicht auch der Mittfünfziger von nebenan in den Genuss von schnellen Übertragungsraten kommen. Auch, wenn er nur einmal täglich E-Mails abruft und gegebenenfalls versendet. Im Markt der Einsteiger ist ein riesiges Potential, das kein DSL-Anbieter zu erkennen scheint. Bei der Telekom kostet der Anschluss allein 16,99 Euro - ohne alles. Bei Arcor nur 10 Euro - mit für Einsteiger idealen 1000 Megabyte Freivolumen. Dennoch: Immer noch zu viel. Ansonsten läuft auf dem DSL-Markt eigentlich alles rund. Die Preise für DSL-Flatrates sinken in den Keller und kompensieren so immerhin einen kleinen Teil der hohen Anschlussgebühren. Auch Volumentarife sind günstiger denn je, Einrichtungskosten ohnehin seit Längerem ein Fremdwort. Traurig ist, dass dies den kleinen Unternehmen schadet, die durch schlechtere Einkaufskonditionen nicht mit den Preisen der Großen mithalten können. So ist das in einer freien Marktwirtschaft: Discount-Preise bringen Opfer mit sich.
Der Ausbau stockt
Wobei, einen Wermutstropfen gibt es noch. Einen Dauerbegleiter. Noch immer kommen viele nicht in den Genuss von T-DSL. Schuld ist entweder die Glasfaser - das ewige Schlagwort - oder eine zu lange Leitung (das ewig zweite Schlagwort). Die T-Com scheut sich, solche Gebiete zu versorgen, obwohl die technischen Lösungen (Outdoor-DSLAM) sehr wohl bereit stünden. Ein ausreichendes Interesse müsse vorhanden sein, weil die Hardware teurer sei, so Magenta.
Ein Lösungsvorschlag: der Vorstand bestellt bei Hauslieferant Siemens einfach eine so große Menge an Outdoor-DSLAMs, dass die Herstellungskosten in den Keller gehen und so die Rentabilität steigt. Das wär doch was. Eine Win-Win-Situation. Für T-Com, Kunden, Siemens und in letzter Hinsicht sogar die gesamtdeutsche Wirtschaft.
Hilfe vom Staat
Auf der anderen Seite wären auch Subventionen und Zuschüsse für den DSL-Ausbau gut angelegtes Geld. Schließlich bliebe dieses über lange Zeit auch in Deutschland und freue das Finanzministerium. Um klare Verhältnisse zu schaffen, sollten die Gelder nicht nur in Richtung Deutsche Telekom fließen. Generell sollte gelten: wer in der DSL-Diaspora Fuß fasst und eine Versorgung verspricht, dem muss unter die Arme gegriffen werden. Andernfalls wird es Jahrzehnte dauern, bis der Breitband-Flickenteppich gestopft ist. Zu guter letzt noch ein Blick auf die funkgestützten Übertragungsarten. Leider läuft auch im mobilen Internetsektor einiges schief. Da flossen vor fünf Jahren fast 50 Milliarden Euro (!) in die Staatskasse, als die UMTS-Lizenzen versteigert wurden. Und heute? Halbe Sachen!
Netter Tarif, keine Hardware
Vodafone offeriert einen Volumentarif mit immerhin fünf Gigabyte Freivolumen, bindet das Produkt an einen Standort, hat aber nur eine PCMCIA-Karte für Notebooks im Angebot. Was macht die surfwillige Familie mit Notebook? Surft immer einzeln. Was macht die surfwillige Familie ohne Notebook? Schaut in die Röhre. Wo ist da der Schliff?
Bei Konkurrent o2 sieht es ganz genau so aus. Wenn auch in einem anderen Extrem. Der Mobilfunker preist eine Surfbox an. Ein tolles Gerät, wohlbemerkt. Für 29,99 Euro Daten mit 384 kbit/s per UMTS empfangen und dann mit WLAN verteilen. Für die Zielgruppe ideal! Leider hört die Freude bei den Tarifen schon wieder auf. Drei Surfpacks mit jeweils 10, 20 oder 40 Inklusivstunden. Nein, danke. Immerhin will man jetzt nachbessern und Volumentarife einführen. Doch schon wieder hat man keine Hausaufgaben gemacht. Das Maximum soll bei mageren 2000 Megabyte Traffic liegen. Setzen, sechs.
UMTS-Flatrate ist da. Aber?
E-Plus gibt sich selbstsicher und bietet seit der Internationalen Funkausstellung eine Flatrate für UMTS an. Diese ist im Gegensatz zu den Angeboten von o2 und Vodafone mobil einsetzbar und nicht an einen Standort gebunden. Der Preis ist mit rund 40 Euro Festpreis sehr interessant - doch auch hier gibt es einen Haken: auch wieder nur eine Datenkarte fürs mobile Rechenkästchen. Dass der Tarif an einen Mobilfunkvertrag gekoppelt ist, fällt da weniger ins Gewicht.
Für alle UMTS-Lizenznehmer heißt es also, mehr Mut zu fassen. Viele Menschen warten vergebens auf DSL-Versorgung. Da ist die Funkübertragung über das Handynetz eine willkommene Alternative. Doch mit uninteressanten Tarifen ist auch der verzweifeltste ISDN-Surfer nicht zu ködern. Nachbessern, bitte. Mit fairen Tarifen und hochwertiger Hardware.

(Michael Müller)

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