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Ehemalige Telekom-Chefs schwer unter Beschuss

In die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom sind der frühere Aufsichtsratvorsitzende Klaus Zumwinkel und Ex-Chef Kai-Uwe Ricke laut "Spiegel" weit tiefer verstrickt als bisher bekannt.

16.05.2009, 16:21 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

In die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom sind der frühere Aufsichtsratvorsitzende Klaus Zumwinkel und Ex-Chef Kai-Uwe Ricke laut "Spiegel" weit tiefer verstrickt als bisher bekannt. Das ergebe sich aus Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft.
Telekom kommentiert nicht
Dem Vorabbericht zufolge sollen Zumwinkel und Ricke bereits im Herbst 2005 gewusst haben, dass von der Telekom-Konzernsicherheit auf der Suche nach Informations-Lecks Verbindungsdaten im Mobilfunk gespeichert und illegal ausgewertet wurden. Die Staatsanwaltschaft Bonn wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Telekom-Sprecher sagte: "Wir können diesen Vorwurf nicht kommentieren, begrüßen aber die umfassende Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft."
Der "Spiegel" verweist auf die Zeugenaussage eines Düsseldorfer Rechtsanwalts, der die Telekom 2005 juristisch beraten habe. Damals hätten Zumwinkel und Ricke das Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Wegner überführen wollen, der ihrer Ansicht nach die Presse mit Informationen aus dem Aufsichtsrat versorgte.
In mehreren Gesprächen will der Jurist mit Zumwinkel und Ricke darüber gesprochen haben, dass in diesem Zusammenhang auch Verbindungsdaten verwendet worden seien. Dabei sei möglicherweise ein Kontakt zwischen einem Journalisten und dem Telekom-Konzernbetriebsrat nachgewiesen worden.
Weder Zumwinkel noch Ricke, heißt es laut "Spiegel" in der Aussage des Anwalts, hätten irgendein Unrechtsbewusstsein über die Erhebung der Verbindungsdaten gezeigt. Es sei sogar erwogen worden, den Konzernbetriebsrat mit den gespeicherten Nummern unter Druck zu setzen.
Ricke-Sprecher nimmt Stellung
Ein Sprecher von Ricke sagte zu dem Bericht: "Herr Ricke hat im Januar 2005 dem damaligen Chef der Konzernsicherheit den Auftrag gegeben, Vorschläge zu erarbeiten, wie das Unternehmen gegen die andauernden Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat geschützt werden könne. (...) Zu keinem Zeitpunkt hat Herr Ricke es auch nur für möglich gehalten, erfahren, geduldet oder gar initiiert, dass bei der Erfüllung des Auftrags illegale Methoden angewendet würden."

(Hayo Lücke)

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