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Ecuador soll Snowden vor US-Justiz schützen

Aus Hongkong ohne Rückflugticket: Der Geheimdienstspezialist Snowden entzieht sich den US-Behörden und beantragt Asyl in Ecuador. Vorher legt der Informant noch schnell ein gigantisches britisches Überwachungsprogramm offen und entlarvt US-Datenspionage in China.

23.06.2013, 20:59 Uhr (Quelle: DPA)
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Nach immer neuen Enthüllungen über Lauschaktionen westlicher Geheimdienste hat der von den USA gesuchte Informant Edward Snowden Asyl in Ecuador beantragt. Das teilte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño am Sonntag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter mit. Zuvor war Snowden von Hongkong nach Moskau geflohen. Sein Flieger mit der Flugnummer SU 213 landete am Nachmittag auf dem großen Hauptstadt-Flughafen Scheremetjewo, wie der Airport mitteilte. Zunächst war unklar, wann der US-Bürger von dort wohin weiterreisen könnte.

Es geht wohl erst Montag weiter

Die russische Agentur Interfax berichtete unter Berufung auf den Airport, dass Snowden sich im Transitbereich des größten Moskauer Flughafens aufhalte, um weiter nach Kuba zu reisen. Der nächste Flug von Moskau nach Havanna war für Montagnachmittag geplant. Hongkongs Behörden hatten den 30-Jährigen trotz eines dringlichen Antrags der USA auf Festnahme wegen Geheimnisverrats ausreisen lassen.

Von Hongkong aus hatte der frühere Mitarbeiter einer für den Geheimdienst NSA tätigen IT-Firma erstmals vor zwei Wochen massive Spionage der USA im Internet enthüllt und damit weltweit Empörung über die Geheimdienst-Praktiken ausgelöst. Vor seiner Abreise aus Hongkong legte er außerdem noch Dokumente über ein britisches Überwachungsprogramm im Internet sowie die Datenspionage von US-Diensten in China offen.

Wie verhält sich Russland?

Ohne eine offizielle Unterstützung Russlands gilt solch eine Fluchtaktion als nicht möglich. Auch führende Politiker sowie Menschenrechtler in Moskau hatten Snowden Asyl angeboten. Das russische Außenministerium verwies laut Interfax auf Informationen, wonach Snowden Moskau nur als Transitpunkt benutzen könnte.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks, die Snowden nach eigenen Angaben auf der Flucht unterstützt, teilte mit, dass dieser sich "auf einer sicheren Route" auf dem Weg nach Ecuador befinde und von Diplomaten und Rechtsberatern von Wikileaks begleitet werde. Ecuador gewährt auch Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl, der diplomatische Geheimdokumente etwa über die Rolle der USA in den Kriegen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht hatte. Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Auch er fürchtet die Auslieferung in die USA.

Wo ist Snowden?

Russische Medien hatten zuvor berichtet, Snowden wolle in der venezolanischen Hauptstadt Caracas Asyl beantragen. Auch über Island und Norwegen als mögliche Asylländer war spekuliert worden. Mitreisende Passagiere wollen Medien zufolge gesehen haben, wie ein "europäisch aussehender Mann" mit einer schwarzen Limousine direkt vom Flugfeld abgeholt wurde. Andere meinten hingegen, sie hätten den Amerikaner nicht gesehen.

Die USA reagierten zurückhaltend darauf, dass Hongkong Snowden nicht an der Ausreise hinderte. "Wir sind von den Behörden in Hongkong informiert worden, dass Snowden Hongkong in Richtung eines dritten Landes verlassen hat", erklärte Nanda Chitre, Sprecherin des Justizministeriums.

(Hayo Lücke)

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