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eco läutet Todesglocke für mobiles Bezahlen per Handy

Einen Durchbruch des mobilen Bezahlens sieht der Branchenverband eco für dieses Jahr noch nicht. Es gebe zu viele Zahlungsmittel in Deutschland. Außerdem biete das Zahlen per Handy derzeit kaum Vorteile.

27.02.2013, 18:01 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona ist mobiles Bezahlen per Smartphone eines der angesagten Trendthemen. Mit dem auf der Messe angekündigten MasterPass von MasterCard erhalten Nutzer beispielsweise eine digitale Brieftasche, mit der sich unter anderem mit einem Smartphone per NFC-Funktechnik an einem entsprechend ausgestatteten Kassen-Terminal bezahlen lässt. Außerdem bieten inzwischen mehrere Anbieter Einsteckmodule für Smartphones zum mobilen Bezahlen an. Steht also das Bezahlen per Handy endlich vor dem Durchbruch? Nach Einschätzung des eco Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) ist Mobile Payment derzeit in Deutschland zum Scheitern verurteilt. Der Pessimismus des Verbandes basiert auf einer aktuellen Analyse über mobile Bezahlsysteme.

Skepsis gegenüber virtueller Geldbörse

"Deutschland wird im internationalen Vergleich das Schlusslicht beim Bezahlen mit dem Handy sein" sagt Bettina Horster, Leiterin der eco-Kompetenzgruppe Mobile voraus. Die Expertin führt zahlreiche Gründe auf, die einem schnellen Erfolg des mobilen Bezahlens entgegenstehen.

Unter anderem liege das an der Vielzahl der bereits verfügbaren Zahlsysteme. "Mit Bargeld, Überweisung, Schecks, Lastschriftverfahren, EC- und Kreditkarten wird der Großteil der Bevölkerung auf absehbare Zeit keinen Bedarf an einem neuen Zahlungsmittel haben", zeigt sich Horster überzeugt. Zudem würden die Deutschen einer "virtuellen Geldbörse, aus der das Geld per Funk entschwindet" eher skeptisch gegenüberstehen.

Kaum Vorteile, aber Mehrkosten

Außerdem vermisst die eco-Expertin greifbare Vorteile bei einem Bezahlen per Handy. "Ob ich nun meine Karte oder mein Handy zücke, ist in der Praxis kein großer Unterschied", so Horster. Noch gebe es zudem kaum sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten. Dabei ließe sich mit etwas Kreativität seitens der Anbieter durchaus Mehrwert für den Verbraucher erzielen. "Wenn ich über eine App ein Ticket mobil kaufe und bezahle, es direkt aufs Handy erhalte, vor Veranstaltungsbeginn einen freien Parkplatz und den Weg zum nächstgelegenen Eingang mit der kürzesten Schlange angezeigt bekomme – dann hat sich das mobile Bezahlen für mich gelohnt", schlägt die Mobile-Expertin eine Einsatzmöglichkeit vor.

Derzeitige Ansätze würden nur für Mehrkosten sorgen, die aber weder Verbraucher noch der Handel akzeptieren würden. Die Transaktionskosten dürften nicht höher sein als bei der Bezahlung per Kreditkarte. Unklar sei auch noch die Frage der Haftung bei Missbrauch. Ein Erfolg könne das Bezahlen mit dem Handy in Deutschland erst haben, "wenn ein Big Player wie Amazon, Apple, Google, die Deutsche Telekom, Vodafone, o2 oder die Visa- oder Mastercardorganisation eine durchgängige Lösung für Mobile Payment anbietet", betont Horster.

(Jörg Schamberg)

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